Pharma: Wir können uns schon mal auf höhere Arznei-Preise einstellen

Da hat Donald Trump recht: Die Arzneipreise in den USA sind die höchsten der Welt. Und der US-Präsident ist entschlossen, das zu ändern. Er schreibt Briefe an Konzernchefs und droht damit, die Pharma-Zölle in absehbarer Zeit auf 250 Prozent zu katapultieren.
Wer bislang gehofft hatte, dass sich der US-Präsident schon wieder beruhigen wird, ist nun eines Besseren belehrt. In den vergangenen Monaten hat sich Trump an der Pharma-Branche nahezu festgebissen. Anfang Juli drohte er schon mal mit Zöllen in Höhe von 200 Prozent.
Es ist ernst, sehr ernst. Und Trump will nicht nur Preise senken, sondern auch mehr Produktion in die USA holen.
Im ersten Anlauf gescheitert
Es braucht jetzt eine klare Antwort der Medikamenten-Hersteller. Eine erste Frist haben die Unternehmen bereits verstreichen lassen. Viel ist ihnen dabei bisher nicht eingefallen – mal abgesehen von der Idee, die preistreibenden Medikamenten-Zwischenhändler („Pharmacy Benefit Managers“) auszuschalten und einen Direktvertrieb aufzubauen. Auch dass große Konzerne wie Roche und Astra Zeneca Milliarden-Investitionen in den USA angekündigt haben, konnte Trump nicht gnädig stimmen.
Bis Ende September haben die Konzerne Zeit für eine Antwort, dann läuft die Frist aus. Die Zeit sollten sie unbedingt nutzen. Auch wenn nicht ganz klar ist, welche Drohmittel Trump in der Hand hat – in seiner ersten Amtszeit war der Präsident mit seinem Ansinnen, die Arzneipreise zu senken, noch gescheitert.
Die Unternehmen müssen nun vom schlimmsten Fall, dem Worst-Case-Szenario, ausgehen. Es scheint, als hätte die Branche ihre besten Zeiten hinter sich. Wie die Antwort ausfallen wird, lässt sich schon absehen: Die Pharma-Hersteller müssen Trump entgegenkommen, dafür ist der US-Markt zu wichtig. Dafür werden sie versuchen, die Preise in Europa zu erhöhen.
Das wird nicht einfach – dabei reden schließlich Kassen und Regulierungsbehörden mit. Aber besser ist es, sich schon mal an den Gedanken zu gewöhnen, dass Medikamente in Deutschland und Europa künftig mehr kosten.
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