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Fenster und TürenSchüco pausiert Bauprojekt und streicht Jobs

Das Bielefelder Unternehmen Schüco kämpft mit sinkenden Umsätzen und kürzt Stellen in Deutschland. Auch der Neubau eines Logistikstandorts liegt auf Eis.Florian Weyand 21.11.2025 - 06:16 Uhr aktualisiert
Schüco baut in Deutschland etwa 280 Stellen ab. Foto: PR

Es wird gelacht und gescherzt, als Schüco-Chef Andreas Engelhardt sich im Mai dieses Jahres mit Kommunalpolitikern und Vertretern des Fußball-Klubs Arminia Bielefeld vor dem Hermannsdenkmal in Detmold für ein Foto aufstellt. Wenige Minuten zuvor wurde dem ostwestfälischen Wahrzeichen ein überdimensionales Trikot des damaligen Fußball-Drittligisten übergestülpt. Eine gelungene Werbeaktion anlässlich des Einzugs der Bielefelder Fußballer in das DFB-Pokalfinale. Gut sichtbar auf dem Foto: das Logo des Trikotsponsors Schüco auf der Vorderseite des blauen Shirts.

Wenige Monate später ist die Stimmung beim Spezialisten für Fenster und Türen mit Sitz in Bielefeld dagegen deutlich getrübt. Die Baukrise stellt Schüco vor Herausforderungen. Seit dem Jahr 2022, als die Bielefelder 2,28 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten, geht das Geschäft zurück. Zwei Jahre später setzte Schüco nur noch 2,05 Milliarden Euro um – und kämpft mit gestiegenen Kosten.

Um gegenzusteuern, wurden zuletzt interne Erweiterungsprojekte auf Eis gelegt und eine Tochterfirma verkauft. Zusätzlich kündigte Schüco am Mittwoch einen Stellenabbau in Deutschland an. Etwa 280 der insgesamt 4000 Stellen im Inland sollen abgebaut werden.

Schüco-Chef Andreas Engelhardt (3. von rechts) steht mit Kommunalpolitikern und Vertretern von Arminia Bielefeld am Hermannsdenkmal in Detmold. Foto: Stefan Brückner / Schüco International KG

Volle Halle bei Betriebsversammlung

Das teilte Andreas Engelhardt den Mitarbeitern bei einer Betriebsversammlung in einer Logistikhalle am Standort in Bielefeld am Mittwoch mit. Nachdem schriftlich bereits über ein Effizienzprogramm informiert worden war, stellte der Schüco-Chef die Pläne noch einmal persönlich und im Detail vor. Diese sehen den Abbau von 280 Stellen in Deutschland bis zum Ende des Jahres 2026 vor. Der Fokus liegt dabei auf dem „Angestelltenbereich“, wie Schüco-Sprecherin Sandra Greiser im Gespräch mit der WirtschaftsWoche erklärt. Also bei den Mitarbeitern in der Verwaltung.

Schüco beschäftigt weltweit etwa 6800 Mitarbeiter, rund 4000 davon an Standorten in Deutschland. Darunter sind allein etwa 2000 Menschen in Bielefeld tätig. Laut Sandra Greiser soll der Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden. Es werde Freiwilligenprogramme für Mitarbeiter geben. „Austritt gegen Abfindung“ nennt die Sprecherin das Modell.

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Aber auch Möglichkeiten für Altersteilzeit oder einen frühen Renteneintritt sollen angeboten und eine Transfergesellschaft eingerichtet werden. „Das sind natürlich keine guten Nachrichten. Aber generell geht es um die Zukunftssicherung des Unternehmens, da wir schauen müssen, dass wir gerade als Familienunternehmen langfristig erfolgreich weiterarbeiten“, sagt Greiser.

Aufgrund der lahmenden Konjunktur zückte Schüco in diesem Jahr bereits einmal den Rotstift, als eine Großinvestition im benachbarten Gütersloh vorerst auf Eis gelegt wurde. Auf einem etwa zehn Hektar großen Areal am dortigen ehemaligen Flughafen wollte Schüco eigentlich ein Logistikzentrum errichten und 600 Arbeitsplätze schaffen.

Bau einer Logistikhalle verschoben

Nachdem eine Bauverpflichtung, die das Unternehmen beim Kauf des Grundstücks unterzeichnet hatte, im Herbst dieses Jahres ausgelaufen war, bat Schüco um weitere vier Jahre Aufschub, wie die Regionalzeitung „Neue Westfälische“ zuletzt berichtete.

Anfang des Jahres gab Schüco zudem bereits die Trennung von der Tochter Schüco Interior Systems KG und dem Standort im ostwestfälischen Borgholzhausen bekannt. Dort wurden Produkte und Einrichtungssysteme für industrielle Kunden, unter anderem aus der Möbelindustrie und dem Fahrzeugbau, produziert und vertrieben. Das Unternehmen wurde von dem Investor Rheingold Capital aus Köln übernommen.

280
Arbeitsplätze
sollen an deutschen Schüco-Standorten bis Ende 2026 abgebaut werden

Schüco kämpft bereits seit Anfang 2023 mit sinkenden Umsätzen. Der Spezialist für Fenster, Türen und Fassaden registrierte beim Umsatz im vergangenen Jahr einen Rückgang um 3,1 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro, bereinigt um Währungseffekte betrug der Rückgang nur noch 1,6 Prozent. Besonders schwach entwickelte sich vor allem der Markt in Deutschland. Hier registrierte Schüco ein Umsatzminus von 8 Prozent.

Besserung ist auch im Jahr 2025 kaum in Sicht. „Wir brauchen dringend den Bauaufschwung“, mahnte Andreas Engelhardt im Sommer 2025 im Gespräch mit der „Neuen Westfälischen“. Auch in diesem Jahr leidet das Unternehmen durch die Flaute auf den Baustellen. Noch läuft das aktuelle Geschäftsjahr, doch nach Informationen der WirtschaftsWoche entwickeln sich die Umsätze bei Schüco eher in einer Seitwärtsbewegung.

Schüco will im Ausland wachsen

Von Umsatzsteigerungen ist intern keine Rede mehr, stattdessen erhofft man sich in Bielefeld, das Umsatzniveau von 2,05 Milliarden Euro zu halten. Stattdessen drücken jedoch gestiegene Kosten auf das Geschäft. „Die sind erheblich“, sagt Sprecherin Greiser. Rote Zahlen schreibt man in Bielefeld nach eigener Aussage aber nicht. „Wir machen keine Verluste“, ergänzt die Sprecherin.

Neben den Kosteneinsparungen durch das Effizienzprogramm möchte Schüco verstärkt Auslandsmärkte in den Fokus nehmen, in denen das Unternehmen zuletzt Wachstumsraten verzeichnen konnte. Dazu gehören Staaten Osteuropas, die Mittelmeerländer oder auch Indien.

Die Internationalisierung soll allgemein weiter ausgebaut werden. Zuletzt lag der Auslandsanteil bei 63 Prozent. Zudem nimmt Schüco neue Geschäftsbereiche wie den Markt für Sanierungen verstärkt in den Blick.

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