Stada-Hauptversammlung Aufsichtsrat entlastet Ex-Chefs nicht

Nach der Übernahme durch Finanzinvestoren gehen die Querelen bei Stada weiter. Auf dem Aktionärstreffen des Pharmakonzerns weigert sich der Aufsichtsrat, die Ex-Chefs zu entlasten. Der Grund: ominöse Geschäftspraktiken.

Der Aufsichtsrat wettert gegen die Ex-Chefs des Pharmakonzerns. Quelle: dpa

Frankfurt/MainMit einem überraschenden Eklat geht der neue Führungs- und Eigentümerwechsel bei der Stada AG einher. Anders als noch in der schriftlichen Einladung vorgesehen, sprach sich der Aufsichtsrat des Pharmaherstellers zu Beginn der Hauptversammlung am Mittwoch überraschend gegen die Entlastung der früheren Vorstände Matthias Wiedenfels, Helmut Kraft und Hartmut Retzlaff aus.

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Carl Ferdinand Oetker begründete die überraschende Wende nun jedoch mit dem Verdacht schwerwiegender Pflichtverletzungen der früheren Vorstände – insbesondere im Zusammenhang mit Beratungsdienstleistungen und intransparenten Transaktionen und Buchungen bei einer Akquisition. Unter anderem, so der Vorwurf, seien Beraterverträge abgeschlossen worden, denen keine Gegenleistung gegenüberstand.

Nach eingehenden Beratungen sei man zu dem Ergebnis gekommen, „dass wir die kritisierten Geschäftspraktiken nicht tolerieren können“, erklärte Oetker zum Auftakt der Hauptversammlung am Mittwochmorgen. Unter anderem geht es bei den Vorwürfen nach Informationen aus Unternehmenskreisen auch um den Verkauf von Lizenzrechten an der erfolgreichen Stada-Marke Ladival. Für die Nutzung muss der Konzern dadurch seit Dezember 2013 Lizenzen von zehn Prozent der Umsatzerlöse zahlen.

Bei einem Umsatz von rund 30 Millionen Euro muss der Konzern als derzeit drei Millionen Euro pro Jahr für die Nutzungsrechte überweisen. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von sieben Jahren, Stada hat während der gesamten Vertragslaufzeit ein Vorkaufsrecht und außerdem eine Rückkaufoption. Kritiker finden den Deal nicht nur überflüssig, sondern auch zu teuer.

Wiedenfels und Stark hatten Anfang Juli ihre Ämter auf Druck des Aufsichtsrats niedergelegt. Der langjährige Firmenchef Retzlaff war bereits im Juni 2016 zunächst krankheitsbedingt und später dauerhaft ausgeschieden. Anstelle von Wiedenfels hat Anfang Juli der frühere Boehringer-Manager Engelbert Tjeenk Willink den Vorstandsvorsitz bei Stada übernommen, neuer Finanzchef wurde Bernhard Düttmann. Ein weiterer Führungswechsel dürfte Ende des Jahres folgen.

Denn der Bad Vilbeler Pharmahersteller befindet sich inzwischen im Mehrheitsbesitz der Private-Equity-Firmen Bain Capital und Cinven, die im Zuge eines Übernahmeangebots vor wenigen Wochen knapp 64 Prozent des Kapitals erworben haben und einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem Unternehmen anstreben.


Untersuchungsbericht ist noch nicht ausgewertet

Im Gegensatz zum Aufsichtsrat sprach sich Vorstandschef Willink dafür aus, die Entscheidung über die Entlastung der früheren Vorstände zu verschieben. Denn den abschließenden Untersuchungsbericht zu den Vorgängen habe man erst am vergangenen Freitag erhalten. Angesichts der kurzen Zeit für die Auswertung halte man eine Bewertung im Sinne einer „Nichtentlastung“ als nicht sachgerecht.

Sowohl Firmenchef Willing als auch der AR-Vorsitzende Oetker haben das Übernahmeangebot von Bain und Cinven auf der Hauptversammlung unterstützt und verteidigt. Die Offerte von 66,25 Euro je Aktie spiegele den Wert des Konzerns angemessen wieder, und dank der neuen finanzstarken Eigner werde man den Transformationsprozess bei Stada „mit beschleunigtem Tempo fortführen und auch weiter ausbauen“, so Willink. Auch Oetker zeigte sich überzeugt: Bain und Cinven investieren in ein zukunftsstarkes Unternehmen.“

Auch Oetker sowie vier weitere Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat werden im Zuge des Eigentümerwechsels ausscheiden. Sie haben ihre Ämter zum 25. September niedergelegt und machen damit Platz für Aufsichtsrats-Vertreter, die von den neuen Mehrheitseignern nominiert werden. 

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