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Thyssenkrupp Betriebsräte wollen Klarheit über Fusionspläne mit Tata

Die Betriebsräte von Thyssenkrupp fordern mehr Klarheit über den möglichen Zusammenschluss von Thyssenkrupp mit dem indischen Konzern Tata.

Mit Protestveranstaltung haben die Stahlkocher von Thyssenkrupp ihrem Ärger über die Fusionspläne bereits Luft gemacht. Quelle: dpa

20 Jahre nach der Ankündigung einer Vollfusion zwischen Thyssen und Krupp sieht der Betriebsrat einen möglichen Zusammenschluss der Stahlsparte mit dem indischen Konzern Tata weiter kritisch. Während die Mitarbeiter damals einen guten Beschäftigungsschutz gehabt hätten, sei heute noch keine entsprechende Absicherung in Sicht, sagte Thyssenkrupp-Betriebsratschef Wilhelm Segerath. „Zur Zeit haben wir keine Klarheit.“ Die Arbeitnehmerseite sehe zudem derzeit keine ausreichende finanzielle Substanz in dem neuen Firmengebilde.

Widerstand gegen Stahlfusion wächst
Betriebsräte, Gewerkschaftler und Politiker machen gemeinsam Front gegen die geplante Stahlfusion von Thyssenkrupp und Tata. Am Freitag versammelten sich knapp 7000 Stahlkocher in Bochum zu einer Großdemonstration. Quelle: dpa
DGB-Chef Reiner Hoffmann warf der Unternehmensleitung von Thyssenkrupp vor, keine Rücksicht auf die Interessen der Arbeitnehmer zu nehmen. Alternativen würden nicht geprüft, so Hoffmann. Quelle: dpa
Der DGB-Chef forderte den Erhalt der deutschen Standorte und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Auch die derzeit geplante Verlagerung des Unternehmenssitzes in die Niederlande dürfe nicht über den Kopf der Belegschaft hin entschieden werden. Er erwarte, dass sich auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen für die Stahlkocher und den Erhalt des Unternehmenssitzes einsetze, so Hoffman. Quelle: dpa
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) forderte von dem Konzern die Vorlage von „Zahlen und keine Geheimniskrämerei“. „Es geht um die Zukunft des Stahls in Deutschland“, sagte sie. Die Branche dürfe keinen „Aktienspielchen“ zum Opfer fallen. Quelle: REUTERS
Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Thyssenkrupp-Stahlsparte, Detlef Wetzel, bezeichnete die Entscheidung zur Verlagerung des Unternehmenssitzes als „Verrat an Nordrhein-Westfalen“.„Es liegt noch ein schwerer Weg vor uns“, sagte er. „Weg mit Tata.“ Quelle: dpa
Konzernbetriebsratschef, Willi Segerath, kündigte eine Fortsetzung der Proteste an. „Der Auftakt ist gut, aber demnächst kommen wir näher an Essen ran. Wir lassen uns nicht ignorieren“, sagte er unter Anspielung auf den Konzernsitz in der Nachbarstadt. Quelle: REUTERS
Ob die Zahl von 4000 bedrohten Arbeitsplätzen das Ende der Fahnenstange sei, bezweifele der Betriebsrat. „Eine Lösung ohne Arbeitnehmer ist kein Lösung“, sagte er. Quelle: REUTERS

Im Rückblick sei es damals vor allem über die Einbindung der Beschäftigten gelungen, eine gute Lösung zu finden. „Das war der große Unterschied“, sagte Segerath. Dadurch hätte der zunächst feindliche Übernahmeversuch durch den Krupp-Konzern in einen freundlichen Zusammenschluss umgewandelt werden können.

Segerath kündigte für den kommenden Dienstag (7. November) eine außerordentliche Betriebsversammlung der Stahlsparte an, bei der man die Beschäftigten über den Stand der Verhandlungen informieren wolle. Dabei könne es auch erneut zu Einschränkungen der Produktion kommen.

Vor fast genau 20 Jahren, am 4. November 1997, hatten die beiden Konzerne Thyssen und Krupp nach mehrwöchigen Verhandlungen ihre Vollfusion angekündigt, nachdem sich die Unternehmen zunächst auf eine gemeinsame Stahlgesellschaft geeinigt hatten. Zuvor waren Pläne des Krupp-Konzerns bekannt geworden, die Thyssen AG im Wege einer feindlichen Übernahme zu schlucken.

Bei der nun geplanten Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata geht es lediglich um einen Zusammenschluss der Stahlsparten der beiden Unternehmen. Thyssenkrupp hatte zuvor angekündigt, wegen der Fusion in Deutschland rund 2000 Stellen streichen zu wollen. Sitz der neuen Gesellschaft soll die Region um Amsterdam sein. Besiegelt werden soll das Geschäft dem von Konzernchef Heinrich Hiesinger vorgelegten Zeitplan zufolge bereits Anfang des kommenden Jahres.

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