Thyssenkrupp und Kretinsky: Thyssenkrupps Stahlsparte: Tschechischer Milliardär Kretinsky ist raus
Die Pläne für ein Stahl-Joint-Venture von Thyssenkrupp und der EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky sind gescheitert. Beide Seiten hätten sich einvernehmlich darauf geeinigt, die Gespräche zu beenden, teilte Thyssenkrupp am Donnerstag mit.
Die EPG respektiere den Wunsch von Thyssenkrupp, sich auf die Gespräche mit dem indischen Konzern Jindal Steel International über dessen indikatives Angebot für Thyssenkrupp Steel Europe zu konzentrieren. Die EPG werde ihren 20-prozentigen Anteil an Thyssenkrupp Steel Europe zurückgeben und eine Rückerstattung des Kaufpreises erhalten. Geplant war ursprünglich eine Aufstockung auf 50 Prozent.
Die Zukunft der Stahlsparte von Thyssenkrupp ist seit Jahren ungewiss. Überkapazitäten sollen abgebaut werden. Zudem sollen bis zu 11.000 der rund 27.000 Stellen gestrichen oder ausgelagert werden. Thyssenkrupp Steel ist Deutschlands größter Stahlhersteller.
Arbeitnehmervertreter kritisieren Kretinsky
Vor gut zwei Wochen hatte Jindal Steel International überraschend ein Übernahmeangebot für den größten deutschen Stahlkonzern vorgelegt. Thyssenkrupp hatte angekündigt, die Offerte intensiv zu prüfen.
Die IG Metall und der Betriebsrat hatten den Vorstoß der Inder begrüßt. Sie hatten Kretinsky mangelnde Transparenz vorgeworfen. Kretinskys EP Group hatte Ende Juli 2024 einen Anteil von 20 Prozent an Thyssenkrupp Steel Europe übernommen. Pläne über den Erwerb weiterer 30 Prozent blieben aber ohne Ergebnis.
Nach Angaben von Vorständin Ilse Henne vom Mittwoch befindet sich Thyssenkrupp in einem guten Austausch mit dem indischen Stahlhersteller. „Es ist ein Angebot, das wir sehr ernst nehmen“, sagte Henne am Rande eines Treffens von Vertretern großer europäischer Unternehmen mit EU-Spitzenpolitikern der Deutschen Presse-Agentur in Kopenhagen.
Henne ist im Vorstand der Thyssenkrupp AG für die Werkstoffsparte verantwortlich. Daneben ist sie auch Aufsichtsratsvorsitzende der Stahlsparte.
Der Stahlsektor ringt seit Jahren mit einem schwierigen Marktumfeld. Billig-Importe, insbesondere aus China, setzen die deutschen Konzerne unter Druck. Die Hersteller dort könnten dank staatlicher Subventionen den Werkstoff zu Dumpingpreisen auf den Märkten in Europa verkaufen.
Hinzu kommen die Krise der Autoindustrie als große Abnehmerbranche sowie gestiegene Energiepreise. Auch hohe Zölle auf Stahlimporte in die USA machen der Branche zu schaffen.
Lesen Sie auch: Warum es so heikel ist, das Stahlgeschäft loszuwerden