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Vater und Tochter Würth „Bettina hatte eine schwerere Lehre als ich“

Reinhold Würth, Bettina Würth Quelle: Bernd Roselieb

Das Unternehmen Würth ist Weltmarktführer für Befestigungs- und Montagetechnik. Beim WirtschaftsWoche-Gipfel in Schwäbisch Hall schreiben Reinhold und Bettina Würth Familiengeschichte.

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Es war eine Prüfung, von der Bettina Würth erst im Nachhinein erfahren hatte. Vor mehr als 20 Jahren begann die heute 58-Jährige ihre Karriere im Familienbetrieb Würth - schon damals ein Weltkonzern mit Milliardenumsatz. Sie lernte mehrere Abteilungen kennen, absolvierte Projekte und bekam das Misstrauen der Belegschaft früh zu spüren. Hin und wieder sei sie durch das Unternehmen gegangen und an einer Raucherecke in der Logistik vorbei gekommen. Eigentlich waren Zigaretten verboten, ihr war das egal - doch irgendwie fühlte sie sich beobachtet.

Heute weiß sie, warum. Bettina Würth ist nicht irgendwer im Unternehmen, sondern Tochter von Reinhold Würth, der den Schraubenkonzern in sieben Jahrzehnten zu gigantischer Größe mit heute mehr als 14 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat. Als Bettina Würth im Familienbetrieb einstieg, galt sie bei der Belegschaft als Kronprinzessin - und verlängertes Auge des Konzernpatriarchen. Dass sie die Raucherecke nie verpetzt hatte, hätten ihr die Mitarbeiter hoch angerechnet. Das habe sie „erst später“ erfahren - es war ihr Ritterschlag.

Bettina Würth blickt auf eine ungewöhnliche und besondere Unternehmergeschichte zurück: als Tochter, die Verantwortung übernimmt. Ende Januar sitzt sie neben ihrem Vater Reinhold auf der Bühne des Weltmarktführer-Gipfels der WirtschaftsWoche in Schwäbisch Hall. Im hörsaalähnlichen Globe-Theater erzählen die Beiden im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Beat Balzli Anekdoten über Kindheit, Verantwortung und Zukunft. Der Würth-Generationentalk auf der Bühne ist ein Novum in der Familiengeschichte.

„Bettina hatte eine schwerere Lehre als ich“, sagte der 84-jährige Würth an dem Abend. „Sie wurde gemobbt“, erzählt er. Als Kind des Gründers und Unternehmenschefs sei es immer schwierig, in einem Familienbetrieb einzusteigen. Man werde anders wahrgenommen, anders bewertet. Besonders schwer hatte es seien Tochter.

Die Familie Würth blickt auf eine außerordentliche Familiengeschichte zurück. Reinhold Würth übernahm den Betrieb nach dem frühen Tod des Vaters in den 50er Jahren als 19-Jähriger. Danach baute er ein Imperium auf. Noch heute erzählt er, warum etwa die Assy-Schrauben von Würth die besten im Markt seien: mit asymmetrischer Windung und stabilerer Spitze. Und dass er nicht zufrieden sei, dass 2019 zwar der Umsatz der Würth-Gruppe gestiegen, aber der Gewinn auf 750 Millionen Euro gesunken sei. „Das ist eine Sauerei“, sagt er auf der Bühne vor rund 200 Zuschauern. In diesem Frühjahr müsse es wieder „saumäßig abgehen“.

Sein Wort hat heute noch Gewicht. Er wolle „die Arroganz von dem Unternehmen fernhalten“, so Würth. „Baut Euer Hüttlein im Tal, nicht auf dem Berg“, lautet seine Devise. Man brauche als Unternehmer Demut und eine Portion Menschenkenntnis. Als Verkäufer („der schönste Job der Welt“) habe er diese Fähigkeit entwickeln können.

Nach wie vor hat der alte Würth die Strippen in der Hand. Als Vorsitzender der Stiftung lässt er sich über die Entwicklungen informieren - und kann Entscheidungen kassieren. Er sei „die Hauptversammlung“, sagt er süffisant. Das Tagesgeschäft verantworte allerdings sei Jahren seine Tochter Bettina, die den Beirat der Würth-Gruppe leitet, vergleichbar mit der Aufsichtsratschefin einer Aktiengesellschaft. 2006 hat sie die Aufgabe übernommen. Konzernchef ist der familienfremde Manager Robert Friedmann.

Auf der Bühne des Weltmarktführer-Gipfels der WirtschaftsWoche in Schwäbisch Hall berichten Vater und Tochter Würth in entspannter Atmosphäre offen über Streit und Ärger in der Vergangenheit und Teamplay in der Gegenwart. In der Jugend und Kindheit hätte es viele „hitzige Diskussionen am Küchentisch gegeben“, sagt Bettina Würth. Heute seien die Beiden „ein altergerechtes harmonisches Paar geworden“.

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