WiWo History: Toyota: Nichts war unmöglich
Am Anfang der Toyota-Geschichte stand kein Auto, sondern ein Webstuhl. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Sakichi Toyoda Textilmaschinen, die effizienter und zuverlässiger arbeiteten als alles, was die japanische Industrie bis dahin kannte. Seine Erkenntnis: Nicht nur neue, auch verbesserte Techniken können Branchen revolutionieren – wenn sie nur billiger, präziser, besser sind.
Sakichis Sohn Kiichiro hat diesen Grundgedanken später auf die Automobilproduktion übertragen. Er überzeugte seinen Vater Ende der 1920er-Jahre vom Aufbau einer Autosparte im Textilunternehmen Toyoda Automatic Loom Works. Kiichiro sah auf Studienreisen in die USA und nach Europa, wie innovativ Hersteller wie Chrysler oder Chevrolet waren. Er begann 1930 mit eigenen Entwicklungen. 1935 rollte der erste Prototyp vom Band, im Design klar inspiriert von US-Vorbildern. Und zwei Jahre später hob er die Toyota Motor Company aus der Taufe. Der neue Name, so die Firmenlegende, rührte daher, dass „Toyota“ sich in japanischer Silbenschrift mit acht (statt zehn) Strichen schreiben lässt – und die Acht steht in Japan für Glück, Wachstum, Wohlstand.
Glück hatte der junge Konzern mindestens dreimal: während des Zweiten Weltkriegs, als das Werk nur knapp seiner Zerstörung durch alliierte Bomber entging. 1949, als Toyota nur dank eines Notkredits der Insolvenz entkam. Und 1950, als die Firma mit Entlassungen, Streiks und dem Rücktritt ihres Gründers Kiichiro Toyoda zu kämpfen hatte: Eine kleine Bestellung des US-Militärs über 5000 Fahrzeuge für den Koreakrieg brachte die Wende. Und eine große Organisationsreform, die die Branche weltweit bis heute beschäftigt.
Statt die amerikanische Massenfertigung zu kopieren, entwickelten die Toyota-Ingenieure ein funktionales Optimierungssystem: Just-in-time-Lieferungen, strenge Qualitätskontrollen, kontinuierliche Verbesserungen. Der Gedanke Sakichi Toyodas, das Beste aus einer Technik herauszuholen, kehrte als Organisationsprinzip zurück. Das „Toyota Production System“ ist bis heute ein wichtiger Best-Practice-Maßstab für eine moderne Industrieproduktion.
Respekt, Respekt. Auch Japan zollte ihm schon früh seinem Vorzeigeunternehmen. 1959 erhielt die Stadt Koromo, in der Toyota bis heute seinen Hauptsitz hat, einen neuen Namen: Toyota City.
In den folgenden Jahren repräsentierte und stützte Toyotas Effizienz das japanische Wirtschaftswunder. Das Land erlebte einen beispiellosen Aufschwung, die Mittelschicht wuchs mit der zügigen Industrialisierung des Landes – und mit ihr die Nachfrage nach bezahlbaren Autos. Modelle wie der Corolla avancierten zu den Wagen des Volks, Exportschlagern, Sinnbildern des modernen Japan. Seine einstigen Vorbilder hat man längst überrundet. Seit 2019 ist Toyota – gemessen am Absatz – der größte Autohersteller der Welt.
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