ZF und Bosch: Personalabbau bei Autozulieferern: IG Metall warnt vor Konflikten
Der IG-Metall-Bundesvorstand fordert ein staatliches Investitionsprogramm von 500 Milliarden Euro über zehn Jahre und eine „Transformationskommission“ von Bund, Ländern, Unternehmen und Gewerkschaften.
Foto: dpaDie IG Metall rechnet wegen drohenden Personalabbaus bei Autozulieferern mit einer harten Auseinandersetzung um den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen. „Wir sind erst am Beginn der großen Auseinandersetzungen“, sagte die neue Leiterin des einflussreichen Bezirks Baden-Württemberg, Barbara Resch, am Mittwoch.
„Wenn es so weitergeht, müssen wir in den Konflikt gehen in den einzelnen Betrieben und als IG Metall“, ergänzte sie angesichts angekündigter oder befürchteter Stellenstreichungen bei den zwei größten deutschen Zulieferern Bosch und ZF Friedrichshafen. Die Autoindustrie stehe im Umbruch zur Elektromobilität unter großem Wettbewerbsdruck, müsse sich aber zum Industriestandort Deutschland bekennen.
Resch tritt am 1. Februar als erste Frau an der Spitze der IG Metall in Baden-Württemberg die Nachfolge von Roman Zitzelsberger an, der seine Laufbahn in der Gewerkschaft auf eigenen Wunsch beendet. Um eine De-Industrialisierung zu verhindern, müssten manche Unternehmen ihre Strategie überdenken, sagte sie. Die Gewerkschaft könne dazu beitragen, deutsche Standorte für neue Produkte wettbewerbsfähig zu machen.
Auch die Politik müsse helfen: „Nur mit staatlichen Investitionen können wir den Strukturwandel aktiv gestalten und die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region gewährleisten.“ Der IG-Metall-Bundesvorstand fordert dazu ein staatliches Investitionsprogramm von 500 Milliarden Euro über zehn Jahre und eine „Transformationskommission“ von Bund, Ländern, Unternehmen und Gewerkschaften.
Die Arbeitgeber argumentieren bei der Diskussion um Stellenabbau häufig mit den Arbeitskosten, die wegen der Tarifverträge der IG Metall hierzulande zu hoch seien. Bei existenziellen Problemen von Firmen gibt es Ausnahmeregeln, die laut Gewerkschaft aber selten in Anspruch genommen werden. Resch sagte, gute Löhne und wettbewerbsfähige Produktion seien kein Widerspruch. Das hohe Tarifniveau in der Metall- und Elektroindustrie hat nach ihrer Ansicht für mehr Innovationen und steigende Produktivität gesorgt. Höhere Löhne sollen auch im Mittelpunkt der im Herbst beginnenden Tarifrunde in der wichtigsten deutschen Industrie sein. Die Forderung wird bis zum Sommer auf Basis von Mitgliederbefragungen erarbeitet. Auch das Thema Arbeitszeit wird nach Einschätzung von Resch dabei eine Rolle spielen.
Es gehe nach jetzigem Diskussionsstand aber nicht um eine weitere Verkürzung, etwa auf eine Vier-Tage-Woche, sondern um mehr Mitbestimmung der Beschäftigten in der Produktion auf die Lage der Arbeitszeit. Resch sieht sich mit ihrem Arbeitsschwerpunkt Tarifpolitik in den vergangenen sieben Jahren für das Ringen mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall gut gewappnet. „Baden-Württemberg ist ein wichtiger Bezirk. Das wird so bleiben, auch durch gute Tarifpolitik.“
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