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Investmentbanker Auf der Jagd nach dem nächsten Bonus

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Doch der Einfluss der Politik ist noch begrenzt. Selbst in den USA, dem Ursprungsland der Krise, sind die ersten Institute im Begriff, sich der staatlichen Fesseln schon wieder zu entledigen. Goldman Sachs und Morgan Stanley etwa wollen jene Milliarden an Staatshilfe zurückzahlen, mit denen die US-Regierung sie 2008 zwangsweise beglückt hat. Mit dieser hat sich der Staat ein Mitspracherecht gesichert, etwa bei der Höhe von Dividendenzahlungen und Boni und sogar bei strategischen Entscheidungen. Neben der wiedergewonnenen unternehmerischen Freiheit hätte die Rückzahlung der Staatsgelder einen angenehmen Begleiteffekt: Wer vom staatlichen Einfluss frei ist, kann mehr zahlen und damit Top-Banker von der geschwächten Konkurrenz abwerben.

Zwar ist der Arbeitsmarkt in einigen Bereichen fast tot: „Viele Investmentbanker stehen dauerhaft auf der Straße“, sagt Tim Zühlke, Partner der auf Finanzdienstleister spezialisierten Personalberatung Indigo Partners. „Gefragt sind aber Top-Leute, die derzeit oft günstig zu haben sind.“ Darunter sind etliche, die das übergroße Rad einst kräftig mitgedreht haben. Stefan Jentzsch etwa, der als Vorstand drei Jahre erfolglos das Investmentbanking der Dresdner Bank leitete, heuert zum ersten Juli beim Konkurrenten Perella Weinberg Partners an.

„Wir werden uns bald was Neues einfallen lassen“

Tausende Banker der Pleitebank Lehman sind im Zuge der Teilübernahme durch den Konkurrenten Nomura  auf die Seite der Japaner gewechselt und setzen dort ihre Geschäfte unverdrossen fort. Ihre Boni sind oft deutlich höher als die der Nomura-Kollegen, weil zum Teil noch die alten Lehman-Verträge gelten. Die Deutsche Bank jagte der von der Bank of America übernommenen Merrill Lynch rund ein Dutzend Top-Banker ab und fischte sich auch einige Ex-Banker der UBS.

Barclays Capital hält allein für den Auf- und Ausbau des europäischen Aktiengeschäftes einen dreistelligen Millionenbetrag in Pfund bereit. Mehr als 100 Leute sollen eingestellt werden – davon etwa ein Dutzend in Deutschland. „Wir legen jetzt den Grundstein für die Zukunft“, sagt Deutschland-Chef Omar Selim.

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    Die britische Investmentbank, deren Mutter Barclays bisher mithilfe von Investoren aus dem Nahen Osten auf staatliche Mittel verzichten konnte, will die weltweite Nummer eins unter den Investmentbanken werden. „Früher waren die Felle klar verteilt. Aber das gilt nicht mehr. Wir sehen jetzt die Gelegenheit, das Übernahmegeschäft sowie Aktienhandel und -research auszubauen und dadurch unsere Produktpalette zu ergänzen“, sagt Selim.

    Nach dem Lehman-Kollaps übernahm die Bank deren Aktivitäten in den USA und wurde damit über Nacht zu einem der führenden Anbieter. „Ein Drittel unserer Erträge im ersten Quartal stammt aus den übernommenen Lehman-Einheiten“, sagt Selim.

    Auch andere warten nur darauf, dass sie die Welle wieder reiten können. Wie Joe Santiago (Name geändert), der noch einen Job bei JP Morgan Chase in New York hat. Er regt sich auf, weil sein letzter Bonus viel kleiner ausfiel als gewohnt. Das Investmentbanking werde nie wieder so boomen wie in den vergangenen Jahren?

    „Das ist Quatsch“, sagt er. „Wir werden uns bald was Neues einfallen lassen“, sagt Santiago. Das sei immer so gewesen und werde auch jetzt wieder so sein. Den Aufsichtsbehörden fehle schlicht die Kompetenz, die Geschäfte der Banken wirksam zu überwachen. Das sei schon deshalb so, weil sie ihren Experten nur einen Bruchteil der Gehälter zahlen könnten, die diese bei Banken verdienen würden.

    So denken trotz der – noch – trüben Lage viele. Sie halten still, weil es gerade opportun ist. Sie bekennen sich zu einer besseren Regulierung, die aber bitte erst dann kommen soll, wenn die Krise und damit der öffentliche Druck vorbei ist. Sie nutzen jede Chance, sich für die Zukunft zu rüsten. Und warten darauf, dass diese Krise irgendwann vergessen ist. Dann werden die Spieler und die Regeln zwar anders sein, die Einsätze aber kaum weniger groß. „Geld ist doch schon jetzt wieder billig zu haben“, sagt ein Aufsichtsrat einer großen Investmentbank. „Für mich ist das gar keine Frage: Die Party geht schon bald wieder los.“

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