Anonymous Cyberkrieg gegen den Islamischen Staat

Der Cyber-Untergrund führt gegeneinander Krieg. Die Hackergruppe Anonymous will den Vormarsch der Terrormiliz IS im Internet stoppen - und meldete erste Erfolge. Wie Hacker die Terroristen angreifen.

Anonymous hat den IS-Terroristen den Kampf angesagt. Quelle: REUTERS

Frankreichs Präsident Francois Hollande reagierte mit aller Härte. Wenige Stunden nach den Anschlägen von Paris erklärte der französische Präsident der islamischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) den Krieg und bat alle Mitglieder der Europäischen Union um Beistand.

Einen Verbündeten fand Hollande unverhofft. Das erste Solidaritätsangebot kam aus dem Untergrund. Die weltweit aktive Hackergruppe Anonymus verbreitete bereits am Samstag eine Videobotschaft, mit der sie ebenfalls dem IS den Krieg erklärten. „Diese Attentate können nicht ungestraft bleiben“, sagte ein Hacker mit verzerrter Stimme und schwarzen Kapuzenpulli als Tarnkappe. „Wir werden die wichtigste Operation starten, die je gegen euch geführt wurde.“

Das ist Anonymous

Wenn Hacker von Krieg sprechen, dann meinen sie natürlich einen Cyberkrieg. Was Anonymous darunter versteht, zeigt der erste Angriff auf den IS. Als Vergeltungsschlag für die Opfer der Anschläge in Paris legte Anonymus nach eigenen Angaben mehr als 5500 Twitter-Konten von IS-Anhängern lahm.

Das wäre ein erster Achtungserfolg: Der IS nutzt die sozialen Netzwerke wie Facebook, Telegram und eben Twitter für seine Propaganda-Feldzüge und die Rekrutierung von neuen Anhängern.

Die Macht der Twitter-Propaganda

Alberto Fernandez, IS-Experte am Middle East Research Institute (MEMRI), schätzt,  dass die Zahl der von IS-Anhängern benutzten Twitter-Accounts in diesem Jahr auf über 50000 angestiegen ist. Von dort werden die Botschaften in alle Welt verschickt. In einer einzigen Woche fand Aaron Zelin vom Washington Institute for Near East Studies 24 verschiedene Propaganda-Videos.

Über die sozialen Netzwerke verbreiten die IS-Terroristen nicht nur ihre Propaganda, sondern koordinieren auch ihre Angriffe. „Wir finden immer mehr Belege, dass die Zahl der Hacker, die sich im Namen des IS am Kampf beteiligen, rasant wächst“, warnte bereits im Sommer die US-Sicherheitsfirma Fireeye. Diese Leute seien rund um den Globus verteilt. Es gebe keine Zweifel, dass sie dieselben Ziele verfolgen wie die Leute, die nach Syrien reisen. Im Namen der Terrormiliz IS hatten Hacker im April die IT-Systeme des französischen Fernsehsenders TV5 Monde gekapert und die Ausstrahlung der Fernsehprogramme stundenlang blockiert.

Das in Bonn ansässige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stuft diesen Angriff als einen der aggressivsten neben dem Angriff auf den Deutschen Bundestag in diesem Jahr ein. Allerdings ist noch unklar, ob wirklich mit dem  IS sympathisierende Hacker hinter diesem Angriff stecken. Einige Spuren, heißt es in Sicherheitskreisen in Paris und Berlin, weisen auch in Richtung einer Hackergruppe aus Russland.

Das Problem der Ermittler ist: Die wirklich guten Hacker hinterlassen keine Spuren. Die tarnen ihre Angriffe perfekt oder legen bewusst falsche Spuren, damit sich nicht beweisen lässt, wer hinter einem Cyberangriff steckt.

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