Apple verkauft weniger iPhones Miese Zahlen, tolle Zukunft

Bei Apple sinken Umsatz und Gewinn deutlich - vor allem das Flaggschiff iPhone schwächelt. Apple-Chef Tim Cook sieht die Zukunft trotzdem rosarot und schwärmt von virtueller Realität.

Das sind die größten Meilensteine des IT-Giganten
1976Gemeinsam mit Steve Wozniak (rechts) und Ronald Wayne gründet Steve Jobs am 1. Apri 1976 Apple Computer. Erster Geldgeber ist der ehemalige Intel-Manager Mike Markkula. Wayne steigt nach ein paar Wochen aus, weil Jobs angeblich mit vollen Händen das Geld ausgibt. Quelle: dpa
1977Apple stellt auf einer Computermesse den Heimcomputer Apple II vor. Im ersten Jahr werden 2500 Stück verkauft, im Folgejahr schon 8000 und darauf über 30.000 Exemplare. Quelle: AP
1978 - 1980Im Jahre 1978 wird Steve Jobs Tochter Lisa Brennan Jobs geboren. Zwei Jahre später geht Apple mit einem Jahresumsatz von 118 Millionen US-Dollar an die Börse und macht den 25jährigen Jobs zum Multimillionär mit einem Vermögen von rund 200 Millionen US-Dollar. Quelle: AP
1982 - 19841982 holt Jobs den deutschen Designer Hartmut Esslinger und sein Team nach Kalifornien, um das Aussehen der Apple Computer neu zu definieren. Der Apple Macintosh von 1984 ist seitdem ein Stück Designgeschichte. Quelle: dpa
1985Krise bei Apple. Jobs sucht den Machtkampf mit CEO John Sculley, der in Jobs Rauswurf endet. Quelle: dpa
1991: der erste LaptopApple bringt seinen ersten erfolgreichen Laptop auf den Markt, das PowerBook 100. Quelle: AP
PDA Apple Newton Quelle: dpa
1996Wegen minimaler Anteile im PC-Geschäft und zu hohen Entwicklungskosten ist Apple so stark in der Krise, dass die finanziellen Mittel knapp werden. Das Unternehmen kauft Jobs NextComputer für 429 Millionen Dollar und holt mit der Akquise Jobs zurück. Quelle: AP
1997Eine folgenreiche Entscheidung, die sich für Apple kurz- und langfristig von zentraler Bedeutung herausstellen wird: Steve Jobs macht den Briten Jonathan Ive zum Chefdesigner von Apple. Quelle: AP
1998Jobs und Ive stellen im Mai den iMac vor, der mit seinem modernen, farbenfrohen Design viel Aufmerksamkeit auf Apple lenkt. Quelle: AP
1999Mit dem iBook folgt eine farbenfrohe Notebook-Version des erfolgreichen iMac. Quelle: AP
20012001 eröffnet Apple den ersten Apple Store im US-Bundesstat Virgina. Im Oktober wird der MP3-Spieler iPod vor, der zum am schnellsten verkauften Unterhaltungselektronikprodukt aufsteigt. Weiterhin stellt sich Apple rund um die sogenannte Digital Hub Strategie auf, in dem der Computer als die zentrale Station für das Konsumieren von digitalen Medien fungiert. Quelle: AP
2003: iTunes-Store geht online Der iTunes Store wird gestartet, über den sich der Online-Verkauf von zunächst Musik und dann auch Apps etabliert. Quelle: AP
Steve Jobs mit dem ersten iPhone Quelle: AP
2008: Laptops werden kompakter Apple stellt das besonders dünne Notebook Macbook Air vor. Es löst den Trend zu kompakteren Laptops aus. Quelle: gms
2010: Das iPad kommt auf den Markt Steve Jobs präsentiert im Januar 2010 den Tablet-Computer iPad. Mit dem iPad kann Apple den totgeglaubten Markt für Tablet-Computer wiederbeleben, an dem sich andere Hersteller zuvor die Zähne ausgebissen haben. Quelle: REUTERS
2011Apple überrundet Microsoft als wertvollstes Technologie-Unternehmen. Quelle: rtr
2011Steve Jobs tritt als CEO von Apple zurück und wir Chef des Aufsichtsrats. Tim Cook beerbt ihn im Vorstand des Unternehmens. Quelle: rtr
Ein Verkäufer hält ein iPad mini neben iPad Quelle: dapd
2015: die Geburtsstunde der Apple WatchMit der Computer-Uhr Apple Watch stößt der Konzern erstmals seit Jobs' Tod eine neue Produktkategorie vor und wird laut Analysten auf Anhieb zum Marktführer mit einem Anteil von rund 60 Prozent. Quelle: dpa

Die Zahlen des vergangenen Quartals waren – zumindest für Apple-Verhältnisse – bescheiden. Im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 15 Prozent beim Umsatz, satte 23 Prozent beim Flaggschiff-Produkt iPhone, 13 Prozent bei den Macs und gar ein 33 Prozent Einbruch in dem für die Zukunft so wichtigen chinesischen Markt.

Der Umsatz sank auf 42,3 Milliarden Dollar, der Profit rutschte um 27 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar. Von Anfang April bis Ende Juni gingen weltweit nur 40,4 Millionen iPhones über die Ladentische, elf Millionen weniger als im ersten Quartal des Jahres. Vor allem weil viele Kunden auf neue iPhones mit erweiterten Funktionen im September warten.

Der iPhone-Absatz wäre noch stärker eingebrochen, wenn sich das im März vorgestellte iPhone SE – ein Einstiegsprodukt mit kleinem Display – nicht besser als erwartet verkaufen würde. Deshalb und vor allem wegen der kurz bevorstehenden Ankündigung neuer iPhone-Modelle legte die Apple-Aktie im nachbörslichen Handel trotzdem um sechs Prozent zu.



Als Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt gab sich Tim Cook zudem bei der Vorlage der Zahlen am Dienstagabend alle Mühe, das auszustrahlen, was so wichtig ist in seinem Job: Optimismus. Mehrmals betonte Cook, wie gut doch die Zukunft ausschaue – „bullish“ wie die Amerikaner so gern im Wall-Street-Jargon sagen. „Smartphones werden unentbehrlich im Alltag der Menschen, besonders mit den Verbesserungen durch künstliche Intelligenz“, betonte Cook. „Viele gehen nicht mehr ohne sie aus dem Haus“.

Wer bei Apple die Fäden zieht
Apple-Legenden Quelle: AP
Tim CookDer Manager ist seit 1998 im Konzern und übernahm 2011 die Zügel von Gründer Steve Jobs, der nur wenige Wochen später verstarb. Der Sohn eines Werftarbeiters arbeitete zunächst bei IBM und Compaq. Beim iPhone-Konzern brauchte er lange, um aus dem Schatten von Übervater Jobs hervorzutreten. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, keine neuen Produktinnovationen an den Start gebracht zu haben. Darauf reagierte er unter anderem mit der Einführung der Apple Watch. 2014 outete er sich als erster Chef eines amerikanischen Großkonzerns als homosexuell. Quelle: dpa
Jonathan IveDer Brite hat als Chefdesigner einen der einflussreichsten Posten im Konzern. Seit 1992 arbeitet er für Apple. Sein erstes großes Projekt war der iMac, dessen Formsprache Apple-Produkte wie das iPhone oder das iPad bis heute beeinflusst. Im Mai 2015 übernahm er den neu geschaffenen Posten als Designvorstand. Ive ist ein großer Bewunderer des Braun-Designers Dieter Rams. Quelle: REUTERS
Luca MaestriDer Italiener ist seit 2013 im Vorstand von Apple für die Finanzen zuständig. Zuvor sammelte er zahlreiche internationale Erfahrung, unter anderem bei General Motors, Nokia, Siemens Networks und Xerox. Quelle: PR
Jeff WilliamsWilliams ist seit 1998 im Konzern und seit Dezember 2015 Chief Operating Officer. Zuvor arbeitete er 13 Jahre lang für den Computerriesen IBM. Er spielte zunächst eine wichtige Rolle beim Einstieg des Konzerns in den Smartphone-Markt und leitete später die Entwicklung der Apple Watch. Quelle: dpa
Eddy CueEddy Cue ist ein echtes Apple-Urgestein. Der studierte Informatiker arbeitet seit 1989 für den Konzern. Er trieb zunächst den Aufbau des Online-Geschäfts von Apple voran und war später auch für den iTunes-Store und den App Store verantwortlich. Als Senior Vice President für Internet-Software und Dienstleistungen unterstehen ihm heute alle Online-Marktplätze. 2014 wurde er für seine Verdienste um die Entwicklung der Medienbranche mit dem „Spirit of Live“-Preis ausgezeichnet. Quelle: REUTERS
Craig FederighiDer Manager ist studierter Informatiker und Elektroingenieur. 1996 lernte er beim Computerhersteller Next den Apple-Gründer Steve Jobs kennen. Nach drei Jahren beim IT-Unternehmen Ariba kehrte er 2009 zu Apple zurück. Er leitet die Entwicklung der Betriebssysteme iOS und macOS. Das für Apple charakteristisch gewordene minimalistische Design geht auch auf sein Konto. Quelle: AP
Donna KaranDie Apple-Managerin ist eine echte Quereinsteigerin. Sie studierte Marketing und arbeitete für verschiedene Modehersteller wie Donna Karan. Von 2006 und 2014 stand sie an der Spitze der britischen Luxuskette Burberry. Apple-Chef Tim Cook holte sie als erste Frau in sein Management-Team. Dort ist die Amerikanerin seitdem für das Retail-Geschäft, allen voran die Apple Stores, zuständig. Quelle: REUTERS
Phil SchillerDer Manager ist seit der Rückkehr von Steve Jobs 1997 im Führungsteam von Apple. Er ist für das weltweite Marketing des iPhone-Herstellers verantwortlich. In den ausgefeilten Präsentationen des Konzerns stellt er häufig die neuen Produkte vor. Quelle: REUTERS

Apple setzt darauf, nicht nur Leute zu gewinnen, die noch kein Smartphone besitzen. Sondern die vielen bestehenden Eigentümer zu erreichen und zum Wechsel auf ein Smartphone aus dem Hause Apple zu gewinnen. Keine neue Strategie. Doch für Apple schwerer umzusetzen, weil es für seine Smartphones Premium-Preise verlangt. Zudem schrecken laut Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi mehr und mehr Kunden, vor allem die mit schmaleren Geldbeutel, davor zurück, regelmäßig auf ein neues Modell zu wechseln.

Erweiterte Realität wird bedeutend werden

So häufig wie Cook am Dienstagabend die Verheißungen der Zukunft pries, umso zugeknöpfter gab er sich, wie Apple diese konkret gestalten wird. Mehrfach versuchten Analysten ihn dazu zu bringen, zumindest die Premiere neuer iPhone-Modelle im Herbst einzugestehen. Erfolglos.

Dass Apple für das laufende Quartal bis zu 47,5 Milliarden Dollar Umsatz prognostiziert – vier Milliarden Dollar unter dem des Vorjahreszeitraums – spricht eher dafür, dass die neuen iPhone-Modelle erst Ende September, also kurz vor Schluss des Quartals, in den Handel kommen.

Immerhin deutete Cook an, dass es eventuell eine neue Version der Apple Watch geben könne. Nicht überraschend, denn die erste Generation ist seit April vergangenen Jahres im Markt, eine Ewigkeit im Computergeschäft.

Außerdem steckt Apple laut Cook eine Menge seiner Forschungsgelder in Produkte, „die noch nicht lieferbar sind“. Auch keine Enthüllung. Immerhin ließ sich Cook zu einer Jubelarie über erweiterte Realität (AR) hinreißen. „Wir haben bereits stark investiert“, so der Apple-Chef. Zwar sei er zurückhaltend mit Einschätzungen, dass erweiterte Realität die nächste große Computerplattform sein könne, doch: "Unabhängig davon, wird sie bedeutend sein". Dafür, dass Apple im Gegensatz zu fast allen großen Technologie-Schwergewichten momentan kein AR-Produkt offeriert, sind das interessante Aussagen.

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