Insolvenzen: Unternehmenspleiten im September: Vom Perlwein bis zur Tech-Hoffnung
Im September 2024 mussten wieder einige namhafte Unternehmen Insolvenz anmelden. Die Pleiten zogen sich quer durch alle Branchen.
Kein Wunder: Insgesamt ist die Stimmung in der Wirtschaft schlecht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigster Indikator erreichte in diesem Monat mit 85,4 Punkten einen neuen Tiefstand. Es war bereits der vierte Rückgang in Folge. „Die deutsche Wirtschaft gerät immer stärker unter Druck“, konstatierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Viele Unternehmen können dem nicht länger standhalten
Blickt man auf den bisherigen Jahresverlauf, so sieht es nach einer Rückkehr auf das Vor-Pandemie-Niveau aus. Das Statistische Bundesamt zog im September Bilanz für das erste Halbjahr. Bis Ende Juni wurden 10.702 Unternehmensinsolvenzen gemeldet, fast ein Viertel mehr als im Vorjahr – besonders betroffen waren die Bereiche Verkehr und Lagerei. Die vorläufigen Zahlen für Juli und August sehen nicht besser aus.
Auch im September dürften nach den bisherigen Anzeichen wieder Hunderte von Unternehmen den Gang zum Amtsgericht angetreten haben. Beim Blick auf die bereits bekannten Namen zeigt sich, wie breit sich der wirtschaftliche Abschwung bereits bemerkbar macht.
Enfore-Insolvenz: Hoher Flug und tiefer Fall
Gemessen an der Start-Euphorie war die Insolvenz des Digitalisierungs-Start-ups Enfore die mit Abstand größte Pleite des Monats. Das 2017 von Seriengründer Marco Börries gegründete Unternehmen wollte kleinen Firmen mit einem „maßgeschneiderten Kassensystem“ bei der Digitalisierung unter die Arme greifen. Vom einst als „zweite SAP“ gehandelten Star bleibt nur ein geplatzter Traum.
Die Zeit der Champagnerkorken ist auch beim Dosensekt-Hersteller Rich endgültig vorbei. Viel zu feiern hatte die Aktiengesellschaft, die beim Börsengang noch mit Hotelerbin Paris Hilton als Werbegesicht auftrumpfte, schon lange nicht mehr. Einen Jahresfehlbetrag von rund 2,6 Millionen Euro verbuchte die Rich AG im Geschäftsjahr 2022 – bei einem Jahresumsatz von 1,1 Millionen Euro. Das Aus kam für die Verantwortlichen daher wohl nicht überraschend.
Auch die Insolvenz des Automobilzulieferers WKW Automotive hat eine lange Vorgeschichte. Das Unternehmen mit weltweit rund 3800 Beschäftigten, das unter anderem Zierleisten für VW und BMW liefert, steckt seit Jahren in der Krise. Nach hohen Investitionen hatten die Wuppertaler ihre Reserven aufgebraucht. Als die Autohersteller dann wegen der Chipknappheit ihre Aufträge nicht mehr abriefen und gleichzeitig die Kosten stiegen, geriet das Unternehmen unter Druck.
Die Spezialpapierfabrik Ober-Schmitten musste ebenfalls Insolvenz anmelden. Nachdem türkische Investoren vor Kurzem noch Hoffnungen in der Belegschaft geweckt hatten, müssen die rund 190 Beschäftigten diese nun begraben.
Insolvenzen 2024: Rückkehr zur traurigen Normalität
Auch im Rest des Jahres 2024 hat es nicht an klangvollen Namen gemangelt. Zu den Dickschiffen gehörten unter anderem der Reisegigant FTI, die Warenhauskette Galeria und die Meyer Werft. Beim Schiffbauer im niedersächsischen Papenburg ging Mitte des Monats der Staat milliardenschwer in die Verantwortung. Geht es so weiter, dürfte die diesjährige Bilanz schlechter ausfallen als im Vorjahr. Einen Überblick der bedeutendsten Insolvenzen des Jahres 2024 finden Sie hier.
Insgesamt zählten die Statistiker im Jahr 2023 mit 17.814 Insolvenzen ähnlich viele wie 2019. Verglichen mit der Zeit kurz nach der Jahrtausendwende ist das aber bei weitem kein Spitzenwert. Im Jahr 2003 lag die Zahl mit über 39.000 Insolvenzen mehr als doppelt so hoch.
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