Was wurde aus...?: Snake gegen Smart – wie Nokia vom Marktführer zum Verlierer wurde
Das Dumbphone soll die Rettung sein. Für alle, die sich von ihrem Smartphone abgelenkt und gestresst fühlen, die genug haben von Likes und Emojis: ein Handy ohne Internet, mit dem man nur telefonieren und SMS schreiben kann.
Vor allem junge Menschen schwärmen neuerdings vom alten Knochen, dem app(le)losen Unterwegstelefon der 1990er-Jahre, in denen ein Nokia noch das Maß aller mobilen Dinge war. Der damalige Marktführer brachte 1987 sein erstes Modell Mobira Cityman 900 auf den Markt.
Nokias Ursprung liegt im Südwesten Finnlands, wo das Unternehmen 1865 gegründet wurde – als Papiermühle. In den folgenden Jahrzehnten erschloss Nokia neue Geschäftsfelder, produzierte etwa auch Gummistiefel. 1967 fusionierte das Unternehmen mit zwei weiteren zur Nokia Corporation und übernahm Radio- und Fernseher-Hersteller. Bald verlagerte sich der Fokus auf Telekommunikation. 1982 präsentierte Nokia sein erstes mobiles Autotelefon. Es wog zehn Kilogramm.
Der Mobira Cityman 900 brachte nur noch 800 Gramm auf die Waage, was aber recht unhandlich wegen seiner langen Antenne, den großen Tasten und der Schlaufe zum Festhalten. In die Massenproduktion stieg Nokia mit dem günstigeren Nokia 1011 ein, eines der ersten Handys, das den digitalen Mobilfunkstandard GSM unterstützte: ein Grundstein für die Mobilfunkrevolution der 1990er-Jahre – und für den Aufstieg von Nokia.
Die Handys von Nokia waren robust, punkteten mit einer langen Akkulaufzeit und einem unverwechselbaren Design. Auch das ab 1997 vorinstallierte Spiel Snake wurde zum Hit. Das Nokia 3210 kam ohne externe Antenne aus. Und bis heute ist das 1100, das 2003 auf den Markt kam, das meistverkaufte Mobiltelefon der Welt.
Seit 1998 war Nokia Marktführer, der größte Handyhersteller der Welt. Das Unternehmen unterstützte früh MMS und polyphone Klingeltöne und bot ein Luxushandy für 750 Euro an. Doch oft reagierte Nokia auf Trends zu früh, zu spät – oder setzte sie falsch um. So leitete die Vorstellung des ersten iPhones 2007 das Ende der Erfolgsgeschichte ein. Mit Apples Design-, Software- und Hardwareinnovationen konnte Nokia nicht mithalten. Auch eine Kooperation mit Microsoft, die zur Einführung der Lumia-Smartphones mit Windows-Betriebssystem führte, konnte die Marke nicht retten.
2012 musste Nokia seinen Platz als Marktführer an das südkoreanische Unternehmen Samsung abtreten. Ein Jahr später verkaufte das Unternehmen seine Handysparte an Microsoft. Der US-Konzern trennte sich 2016 von den Namensrechten. Sie liegen inzwischen bei HMD Global. Das Unternehmen bringt immer wieder Retrohandys auf den Markt.
Nokia selbst konzentriert sich inzwischen auf das Geschäft als Netzwerkausrüster. Doch berühmt bleibt die Marke für ihre kultigen Mobiltelefone, die heute Dumb- oder Boring Phones genannt und für ihre Einfachheit gefeiert werden.
Dieser Artikel erscheint in unserer Reihe WiWo History.