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Medizin Hamburger Arzt testet die Grenzen des Standesrechts aus

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Der Hang zum Unternehmertum war dem bedächtig wirkenden Auffermann, der auch einige Semester Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat, nicht in die Wiege gelegt worden. Beide Eltern arbeiteten als Ärzte in Duisburg, wo der begeisterte Klavierspieler seine Jugend verlebte. So bekam der junge Auffermann zwar mit, was Selbstständigkeit bedeutet und dass am Ende des Abrechnungsquartals die Einnahmen höher sein müssen als die Ausgaben. Doch fielen die wirtschaftlichen Entscheidungen der Eltern immer im Rahmen des geschützten Marktes für die Medizinerzunft mit festen Abrechnungssätzen, rigidem Werbeverbot und streng reguliertem Zugang zum Markt für junge Ärzte.

Der Sohn musste 46 Jahre alt werden, bevor er als Arzt richtiger Unternehmer sein durfte. 2004 kam der gesetzgeberische Befreiungsschlag. Nach dem neuen Gesetz waren nun medizinische Versorgungszentren möglich, in denen auch angestellte Ärzte arbeiten durften. Auch überregionale Gesellschaften waren erlaubt.

Auffermann konnte nun die Zentren an den Krankenhäusern ausbauen, Ärzte einstellen und seine Partner herauskaufen. In den vergangenen sieben Jahren gründete er fast im Jahrestakt Zentren im In- und Ausland. Heute betreibt Hanserad zehn Standorte mit mehr als 300 Mitarbeitern, darunter etwa 70 Ärzte. Der Gründer und Alleingesellschafter setzt in Hamburg, München, Sankt Petersburg oder in Dubai in diesem Jahr 35 Millionen Euro um.

Hanserad, so Auffermann, ermöglicht den Kunden den Zugang zur Fachkenntnis von fast 100 Experten weltweit. Dank Internet ist Fernanalyse von Röntgen-aufnahmen kein Problem mehr. "Kleine Radiologiepraxen haben heute oft nur zwei oder drei Fachärzte, es gibt aber über zehn Spezialgebiete."

Hinzu kämen Größenvorteile, die Einschränkung von Nachtdiensten, weil nachts Fachleute beim Partnerunternehmen RAS im kalifornischen Sacramento die Begutachtung leisteten, sowie die optimierten Prozesse eines großen Dienstleisters. Radiologischen Kleinpraxen gibt Auffermann deshalb wenig Überlebenschancen.

Auch nach den Deregulierungen der vergangenen Jahre reibt sich der Hanserad-Gründer an den Einschränkungen für Ärzte. So zum Beispiel, wenn er peinlichst darauf achten muss, stets mehr Stunden als Arzt denn als Kaufmann zu arbeiten, um nicht seine Approbation zu gefährden. Für ihn ist das bestehende Standesrecht ein Überbleibsel aus dem Mittelalter: "Es bremst die unternehmerische Initiative."

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