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Apollo 13: Blick auf den Mond Quelle: imago images

Wir sind heute alle Apollo 13

Lieferkettenchaos, Inflation, Klimawandel, Cybercrime und geopolitische Spannungen zwingen Unternehmer zu Improvisation – und gar Aktivismus.

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Das gab es noch nie. Beinahe 70 deutsche Konzerne benehmen sich wie Klimaaktivisten. Anfang Oktober fordern sie von der künftigen Regierung stärkere Maßnahmen. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien wie auch der erforderlichen Stromnetze muss massiv beschleunigt werden“, heißt es unter anderem in dem Appell.

Die überraschende Aktion passt zum new normal in den Chefetagen. Wo früher noch von mancher Gewissheit ausgegangen werden konnte, gilt jetzt die Improvisation als der neue Plan – und sei es eine Polit-Pop-up-PR-Aktion, um die für die Wettbewerbsfähigkeit notwendige Transformation zu beschleunigen und berechenbarer zu machen. Früher hätten diese Aufgabe Verbände in Hinterzimmern übernommen.

Schnell, fundamental und mitunter erratisch ändert sich gerade das Koordinatensystem für die Wirtschaft. Verlässlichkeit war gestern. Plötzlich entpuppt sich die Inflation als hartnäckiger als gedacht, Zinserhöhungen werden wahrscheinlicher, Energiepreise explodieren, der Klimawandel erfordert einschneidende Maßnahmen, im einst coronabedingten Homeoffice lässt die Loyalität der Mitarbeiter zu ihrem Arbeitgeber massiv nach, Hacker legen ganze Konzerne lahm, die Lieferketten brechen zusammen, Halbleiter fehlen, und das existenziell wichtige Chinageschäft droht im Kampf der Supermächte zwischen die Fronten zu geraten.



Wer nicht weiss, was kommt, der muss wissen, was er hat und was man daraus im Notfall machen kann. Die Helden dieser Disziplin hatten ihren Auftritt am 11. April 1970 – viele Hundert Kilometer von der Erde entfernt. Als in der Raumkapsel der Apollo-13-Mission ein Sauerstofftank explodierte, mussten sich die Astronauten in ein kleines Mondlandemodul retten. Dort reichte allerdings die Luftfilteranlage nicht für das ganze Kohlendioxid, das die Besatzung ausatmete. Erst nach einem behelfsmäßigen Umbau der Anlage mit Schläuchen, Plastiktüten und Klebeband war ihr Überleben gesichert.

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    Heute sind wir alle Apollo 13. Abwarten ist keine Option, das Vertrauen auf alte Handbücher auch nicht. Besonders die deutschen Weltmarktführer müssen heute kreativer und radikaler denn je in verschiedenen Szenarien denken, sich in früher undenkbaren Kooperationen austauschen, aus Mustern ausbrechen und die nötigen Notfallpläne entwerfen. Es gilt, das scheinbar Unmögliche zu denken. Dann sind sie auch bestens fürs Improvisieren gerüstet – und können am Ende ruhig durchatmen.

    Mehr zum Thema: Das sind die Weltmarktführer 2022.

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