WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Fabrik der Zukunft Welche Bedeutung der Standort Deutschland bei Industrie 4.0 hat

Siemens-Montage in Berlin Quelle: dpa

Noch vernetzter, noch intelligenter: Die Fabrik der Zukunft wird smart. Doch damit könnte der Standort Deutschland an Bedeutung verlieren. Hannover-Messe-Chef Köckler fordert daher die „optimale Infrastruktur“.

Vernetzung, intelligente Maschinen, allwissende Fabriken: Für den Standort Deutschland werden digitale Infrastruktur und schnelles Internet nach Einschätzung von Hannover-Messe-Vorstand Jochen Köckler immer wichtiger. „Natürlich müssen wir auf dem Gaspedal bleiben, um eine optimale Infrastruktur zu schaffen“, sagte der Messevorstand im Vorfeld der weltgrößten Leistungsschau für die Industrie. Aus seiner Sicht hat das die Politik erkannt. „Denn die moderne, sich selbst steuernde Fabrik wird immer standortunabhängiger“, betonte er. Das habe immense Bedeutung für den Produktionsstandort Deutschland.

Die Hannover Messe (23. bis 27. April) setzt unter anderem auf das Thema Assistenzsysteme. Die Messe selbst sei mit über 5000 Ausstellern „so gut wie ausgebucht“, die Ausstellungsfläche wachse gemessen an der Vergleichsmesse 2016 um acht Prozent. Mehr als 200.000 Besucher werden erwartet.

„Die Botschaft ist: Der Mensch steht im Mittelpunkt und wird in der Fabrik weiter zentrale Aufgaben übernehmen, aber er hat eine Vielzahl von Assistenzsystemen“, erklärte Köckler. Er nannte Virtual-Reality-Brillen, „aber auch bei Exoskeletten werden wir interessante Trends sehen. Harte und auch eintönige Arbeit gehört damit immer mehr der Vergangenheit an“. Auch Roboter würden ein flexibles, vom Menschen eingesetztes Werkzeug. „In der Vergangenheit standen Roboter in den Produktionsstraßen, jetzt werden sie Assistenten des Menschen.“

Diese Länder haben das schnellste Internet
Breitband-Internet Quelle: dpa
Platz 25: DeutschlandDeutschland landet mit einer durchschnittlichen Downloadrate von 14,6 Mbit/s noch knapp unter den 25 Ländern mit dem schnellsten Internet. Während das Internet in den Städten ordentliche Geschwindigkeiten vorweisen kann, tropft es in vielen ländlichen Gebieten mit nicht einmal zwei Megabit aus der Leitung. In einer zweiten Statistik hat Akamai erfasst, wie viele der Anschlüsse es über die Marke von recht lahmen 4 Mbit/s schaffen – hier liegt Deutschland mit nur 89 Prozent der Anschlüsse auf Rang 33. Anmerkung: Die Datenübertragungsrate wird in Megabit pro Sekunde (Mbit/s) gemessen. Ein Megabit entspricht einer Million Bit. Quelle: dpa
Platz 10: Niederlande Quelle: dpa
Platz 9: Japan Quelle: AP
Platz 8: Singapur Quelle: dpa
Platz 7: Finnland Quelle: dpa
Platz 6: Dänemark Quelle: dpa

Zwar werde die Digitalisierung die Arbeitswelt in den kommenden zehn Jahren deutlich verändern, sagte Köckler. „Aber aktuell haben wir eher mit Fachkräftemangel zu tun. Klare Botschaft: es gibt keine Anzeichen, dass eine Fabrik ohne den Menschen als Entscheider funktionieren kann.“

Weiteres großes Thema der Messe sind IT-Plattformen: „Jetzt können wir die Systeme nach einigen Jahren Vorbereitung tatsächlich implementieren. Plattformen für die Industrie sind die Voraussetzung für die allwissende Fabrik“, betonte Köckler. Es gehe um das Zusammenspiel von Mensch, Maschine und IT. „Jetzt sind wir auf dem nächsten Level von Industrie 4.0 – da geht es um die Plattform-Ökonomie. Ziel ist, die Daten zusammenzuführen, um dann mit den gesammelten Daten die Prozesse in der industriellen Produktion zu verbessern.“

„Roboter sind für den Einsatz am Kunden komplett unpraktisch“
Roboter Robby Pepper Quelle: AP
Die Gäste sind begeistert. „Er ist wie eine echte Person, er ist wirklich gut“, sagt etwa Mihail Slanina aus Moldau nach einer der ersten Schichten Robbys. „Er spricht, er hat mir sogar die Hand geschüttelt.“ Quelle: AP
Entwickelt wurde Robby von der japanischen Firma Softbank Robotics Quelle: AP
Die Verwendung von Robotern für Service-Aufgaben in Bereichen wie dem Tourismus kann die menschlichen Beschäftigten entlasten Quelle: REUTERS
Der Verband der Robotik-Industrie und Robotik-Forschungsinstitute ITR mit Sitz in Frankfurt rechnet damit, dass der Verkauf von professionellen Service-Robotern bis 2020 jedes Jahr um 20 bis 25 Prozent wächst. Im vergangenen Jahr wurden rund 79.000 Exemplare abgesetzt. Sie kommen nicht nur wie Robby für Informationszwecke zum Einsatz, sondern auch für Sicherheitsaufgaben, Reinigung, Medizin oder in der Logistik. Quelle: REUTERS
„Abgesehen davon, dass man die Kunden mit der technischen Neuerung vertraut macht, ist die aktuelle Verwendung von Robotern für den Einsatz am Kunden komplett unpraktisch und sehr einfach, weil die Vertreter der Künstlichen Intelligenz zu dumm sind für alles, was über die Zeit und das Wetter hinausgeht“, sagt Richard Windsor, Technologie-Experte aus London. Quelle: REUTERS
Die aktuellen Grenzen der Humanoiden würden auch von der Tatsache belegt, dass die beiden Hersteller der aus Expertensicht besten Systeme für Künstliche Intelligenz, Google Assist und das chinesische DuerOS, derzeit keine solchen Roboter bauten, sagt Windsor. Er erwartet, dass die heutigen Roboter verschwinden werden, wenn der Reiz des Neuen verflogen sei - um dann wieder aufzutauchen, wenn die Technologie besser sei. Dazu müsse man jedoch noch viele Daten sammeln. Quelle: AP

Köckler sagte: „Jede Maschine, jede Komponente, wird vernetzt, und über die Plattform wird das Zusammenspiel in der Fabrik gesteuert.“ Eine wichtige Bedingung, um die moderne, digitalisierte Fabrik umzusetzen, sei die Cyber-Sicherheit: „Bei einem umfassenden Datenaustausch, wenn ganz viele Daten künftig in die Cloud wandern, muss jeder Unternehmer wissen, was er da tut.“ Als großes Zukunftsthema betrachtet er die künstliche Intelligenz.

Partnerland der Messe ist als erstes lateinamerikanisches Land Mexiko, aus dem etwa 150 Aussteller kommen. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können, urteilte Köckler mit Blick auf die Drohung von US-Präsident Donald Trump, das nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) aufzukündigen: „Mexiko nutzt die Weltbühne Hannover Messe, weil es doch einige Herausforderungen mit dem klassischen Handelspartner im Norden zu bestehen gibt – hier haben sie die Chance, sich zu zeigen.“ Mexiko suche neue Absatzmärkte, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern.

Immer wieder laut werdende Kritik, die Digitalisierung mache Messen Sicht überflüssig, konterte er mit dem Hinweis auf den Zuwachs gerade von Messen in den vergangenen Jahren. „Man erlebt, wo die Branche und die Wettbewerber stehen“, sagte Köckler. „Innovationszyklen werden immer kürzer, davon profitiert die Hannover Messe. Was früher ein Jahr in der technischen Entwicklung war, ist heute ein Quartal.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%