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Rohstoffe Hohen Metallpreisen ein Schnippchen schlagen

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Von höherer Transparenz bis zu Preissicherung

Mann und Kakaobohnen Quelle: LAIF/Hachette Photos Illustrations

Bei den konkreten Maßnahmen lassen sich Unternehmen zwar ebenso ungern in die Karten blicken wie bei den technischen Details ihrer Produkte. Doch klar ist: Den größten Erfolg versprechen nach den Erfahrungen von Vorreitern wie Schwering oder Vattenfall fünf Punkte – von einer höheren Transparenz im Unternehmen über eine engere Kooperation mit Lieferanten und Abnehmern bis zu konkreten Maßnahmen wie mehr Recycling und Preissicherung der wichtigsten Rohstoffe.

Als Erstes sollten sich Unternehmen klar werden, welche Rohstoffe sie brauchen. „Oft ist den Unternehmen nicht klar, von welchen Metallen sie abhängig sind, weil sie nicht wissen, welche Materialien genau in ihren Vorprodukten stecken und ihre Kosten in die Höhe treiben können“, weiß Berater Kloepfel aus der Praxis.

Danach gilt es, die eigenen Produkte zu überprüfen, ob sich nicht die besonders teuren oder knappen Rohstoffe mithilfe leichter Änderungen in der Fertigung austauschen lassen. Der Elektrokonzern Philips etwa hat in seinen Energiesparlampen einige besonders knappe High-Tech-Metalle aus der Gruppe der Seltenen Erden durch weniger begehrte ersetzt. Ein Maschinenbauer aus Bayern sparte in seinen Maschinen teuren Spezialstahl, indem er die Wände dünner machte, Metallteile durch Kunststoffe ersetzte und in einem Fall eine schwere Bodenplatte ganz strich.

Grafik Kakaopreis

Banal, aber nicht leicht umzusetzen

Die Maßnahmen mögen auf den ersten Blick banal wirken. Doch in der Praxis sind sie nicht ganz leicht umzusetzen, beobachtet Berater Kloepfel: „Viele Mittelständler haben zwar clevere Ingenieure. Doch weil die Entwicklungsabteilungen in der Regel eher klein sind, befassen die sich bevorzugt mit neuen Produkten, statt ihre bisherige Arbeit durch eine gründliche Neukonstruktion quasi infrage zu stellen.“

Doch die Arbeit lohnt sich. „Wir haben in über 700 Projekten ein Sparpotenzial von im Schnitt gut 200.000 Euro entdeckt und eine Erhöhung der Umsatzrendite um 2,4 Prozentpunkte erreicht“, sagt Volker Härtwig, Vize-Chef der Deutschen Materialeffizienzagentur, die zum Bundeswirtschaftsministerium gehört. Zudem können besonders Mittelständler auf öffentliche Hilfe hoffen, etwa durch Förderprogramme wie „Go-Inno BMWi-Innovationsgutscheine Modul Rohstoff- und Materialeffizienz“, die bis zur Hälfte der Kosten übernehmen.

Kundendialog

Der zweite Schritt in Richtung mehr Rohstoffsicherheit ist eine engere Zusammenarbeit mit den Kunden. Zwar stimmen sich Mittelständler regelmäßig mit Lieferanten und Abnehmern ab. Doch dabei geht es vor allem im Einzelhandel in der Regel eher darum, welche Qualität die Unternehmen zu welchem Preis liefern. Doch einige Unternehmen etwa aus der Autoindustrie haben diese Runden bereits schrittweise um das Thema Rohstoffe erweitert.

Dabei geht es nicht nur darum, zu klären, bei welchem Material genau die Risiken liegen und wie diese sich in einer Art Schicksalsgemeinschaft besser verteilen lassen. Ebenso wichtig ist, wie die Lieferanten den Einsatz teurer Rohstoffe herunterfahren oder beispielsweise statt teurem Stahl aus Europa auch preiswerteren aus China einsetzen können, ohne dass am Ende das Produkt darunter leidet. „Dabei sehen in der Regel auch die knauserigsten Einkäufer ein, dass eine Verteilung von Risiken und Erträgen besser ist als eine nicht ganz sichere Lieferkette“, sagt Einkaufsberater Kloepfel.

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