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Helden Contra Corona – Erfahrungsbericht #3 „Wir könnten ein Jahr lang ohne Einnahmen überleben“

Ismet Koyun Quelle: PR

Software-Produkte kennen keine Lieferengpässe: Ismet Koyun, Gründer der IT-Sicherheitsfirma Kobil und „Held des Mittelstands“, erwartet trotz Corona ein Rekordjahr. Nur sein Nebengeschäft leidet: Fruchtsaftkonzentrat.

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Ismet Koyun (60) ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der IT-Sicherheitsfirma Kobil Gruppe im rheinland-pfälzischen Worms (200 Mitarbeiter, Umsatz: ca. 55 Millionen Euro).

Herr Koyun, wie geht es Ihnen?
Ismet Koyun: Danke, gut. Ich war vergangene Woche noch in Istanbul und musste mich schnell entscheiden: Bleibe ich in der Türkei – oder fliege ich zurück in die Zentrale, so lange das noch geht.

Und wo sind Sie jetzt?
In unserer Zentrale in Worms. Aber es ist ziemlich leer: Normalerweise habe ich 120 Mitarbeiter hier im Büro, jetzt sind wir noch zu zehnt. Homeoffice ist jetzt in, die Leute haben das rasch verstanden, ich auch. Überhaupt finde ich es interessant, dass die Menschen diese Änderungen so schnell akzeptiert haben, die noch vor ein paar Monaten undenkbar erschienen.

Inwiefern trifft die Corona-Pandemie Ihr Unternehmen?
Corona wird keine Auswirkungen auf unser Geschäft haben. Wir werden dieses Jahr einen Rekordumsatz machen, wir haben wirklich eine sehr gute, internationale Auftragslage. Mehr als 85 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit unserer Software – da gibt es keine Lieferengpässe, und unsere Produkte sind gerade sehr gefragt. Ich bin ein Sonderfall, ich habe Glück, das ist mir bewusst. Wir könnten sogar ein Jahr lang ohne Einnahmen überleben.

Im Ernst?
Wir sind eine sehr gesunde Firma, und ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch. Mein Bürogebäude ist abbezahlt, ich habe nie über meine Verhältnisse gelebt. Und wie gesagt: Man braucht uns jetzt. Unsere Software macht Chatsysteme und Mails sicher, auch Dokumente verschlüsseln wir. In Zeiten wie diesen mehren sich auch Hacker-Angriffe, auch dagegen kann man sich mit unserer Technologie schützen.

Wer fragt derzeit besonders nach Ihren Produkten?
Banken, Behörden, Versicherungen. Und wir merken an Anfragen, dass sehr viel mehr Privatpersonen ihre Daten schützen wollen, seit sie von zu Hause arbeiten.

Was ist mit den restlichen 15 Prozent vom Gesamtumsatz?
Das sind die kleinen Tan-Generatoren für das Online-Banking, die können wir gerade tatsächlich nicht liefern. Wir arbeiten dafür mit zwei Produzenten in Shenzhen zusammen. Seit dem chinesischen Neujahrsgeschäft konnten die dort nicht mehr arbeiten. Normalerweise ordern wir rund 50.000 Stück pro Monat. Jetzt habe ich direkt 150.000 Stück geordert; ich bin zuversichtlich, dass unsere chinesischen Partner in zwei Wochen wieder arbeiten und liefern können.

Sie betreiben auch noch die Apfelmost-Fabrik Meykon im türkischen Elmali nahe Antalya…
Das ist problematischer, weil wir dort Transportprobleme bekommen haben. Wir produzieren dort für die Getränkeindustrie Konzentrat von Äpfeln, aber auch von Sauerkirschen, Orangen, Zitronen und Granatäpfeln. Ich beschäftige über 100 Mitarbeiter, die arbeiten auch nach wie vor. Aber die Logistik leidet: Flugzeuge fliegen nicht, alle gehen nun auf Schiffe und LKW. Wir wollten nun eigentlich 20 Container Fruchtsaftkonzentrat aus Elmali nach Europa transportieren, jetzt schaffen wir nur fünf Container. Transport ist sehr teuer geworden. Aber darf ich noch etwas anderes sagen?

Bitte!
Corona macht uns bewusst, dass wir alle mehr Verantwortung übernehmen, rücksichtsvoller miteinander umgehen müssen. Denn so ein Virus behandelt alle gleich. Und wir sind alle miteinander verbunden und auch voneinander abhängig. Wenn China krank wird, trifft uns das in Europa auch. Das muss man erst einmal verstehen. Die Welt gehört uns allen. Ich denke, Corona wird unser Handeln nachhaltig beeinflussen – in einem positiven Sinne.

Inwiefern?
Wir müssen vorsichtiger, umsichtiger werden. Wir dürfen in Zukunft nicht nur kommerziell, materiell denken und handeln, sondern: sozialer. Und auch die Arbeit wird sich ändern: Ich schätze, 20 Prozent der Menschen werden in Zukunft von zu Hause arbeiten. Es wird ein neues Zeitalter anbrechen.

Mehr zum Thema: In der Rubrik Helden des Mittelstands porträtiert die WirtschaftsWoche regelmäßig einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat. Doch was tun diese Helden gegen die Coronakrise? Wir haben nachgefragt. Alle Folgen der Serie „Helden contra Corona“ finden Sie hier.

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