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Korruption Die unterschätzte Gefahr für den Mittelstand

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Mittelständler müssen Korruption zum Thema machen

„Studien zeigen, dass Korruption negativen Einfluss auf das Wachstum und die Produktivität eines Unternehmens hat“, sagt Rabl. „Forscher haben herausgefunden, dass, wenn die Rate von Bestechungszahlungen nur um ein Prozent steigt, die Wachstumsrate um 3,3 Prozent zurückgeht.“ Managern im Mittelstand sei das Ausmaß der rechtlichen sowie direkten und indirekten finanziellen Folgen allerdings häufig nicht bewusst, sagt Rabl.

Dabei sind Korruption und Compliance seit langem Gegenstand der Nachrichten. „Spätestens seit dem Fall Siemens ist das Thema Compliance in Deutschland in aller Munde und das dringt von den DAX-Unternehmen bis hinunter ans unterste Ende der Lieferkette zu den kleinen, mittelständischen Unternehmen“, sagt Geiß. Der Fall Siemens - damit meint der ehemalige Compliance-Experte der Fraport AG den milliardenschweren Schmiergeldskandal des Elektronikkonzerns, der im November 2006 mit einer Razzia der Münchner Staatsanwaltschaft öffentlich wurde. Der Vorwurf gegen Siemens: Über Jahre hinweg sollen rund 1,3 Milliarden Euro in schwarze Kassen geflossen sein, um mit dem Geld im Ausland schmieren zu können und so lukrative Auslandsaufträge an Land zu ziehen.

Die Aufarbeitung des Skandals kam Siemens teuer zu stehen: 2,5 Milliarden Euro Strafe mussten bezahlt werden, zahlreiche Beteiligte verloren ihren Job. Siemens etablierte daraufhin eine strikte Compliance-Strategie im eigenen Haus. Viele Compliance-Experten wie Geiß sind sich heute sicher - die Konsequenzen aus dem Siemensskandal durchdringen heute viele Teile der Wirtschaft und haben viele Antikorruptionskonzepte überhaupt erst möglich gemacht. Eine Folge laut Geiß: Der Umgang mit Firmen, die mit Korruption auffällig geworden sind, ist rigoroser geworden.

So werden bei öffentlichen Auftraggebern mittlerweile schwarze Listen geführt, in der Unternehmen aufgeführt sind, die wegen Korruptionsdelikten auffällig wurden. Durch ihre Auflistung werden sie von öffentlichen Auftrags-Vergaben ausgeschlossen. „Es gibt zwar noch nicht sehr viele – aber in einigen Bundesländern tut sich da etwas – und das trifft natürlich auch den Mittelständler“, sagt Geiß. Die Stadt Frankfurt mache etwa bei jeder Vergabe eine Abfrage beim hessischen Finanzministerium, ob die Firma, an die der Auftrag gehen soll, in dieser Liste steht. Darunter befinden sich laut Geiß auch klassische Mittelständler.

Um den Mittelstand für das Thema Korruptionsprävention zu sensibilisieren, hat Rabl mit ihrem Team im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts RiKo ein Workshop-Konzept entwickelt. Druck von Kunden, Geschäftspartnern und des Gesetzgebers sind ein wichtiger Faktor dafür, dass die Notwendigkeit erkannt wird, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Anstrengungen werden jedoch gescheut, wenn Manager nicht über das notwendige Wissen und die notwendigen Ressourcen zu verfügen glauben, um vorbeugend tätig zu werden.

Korruption: Phasen der Risikoanalyse

„Korruptionsprävention muss nicht unbedingt zeit- und kostenaufwändig sein“, sagt Rabl. Ihr Rat: Über eine individuelle Risikoanalyse sollen Mittelständler ermitteln, an welchen Stellen im Unternehmen für sie Korruptionsrisiken bestehen. Darauf zugeschnitten müssten dann entsprechende individuelle Vorkehrungen und Warnmechanismen erarbeitet werden. „Es macht keinen Sinn ein Bündel von Maßnahmen einfach auf das eigene Unternehmen zu übertragen. Eine One-Size-fits-all-Lösung gibt es für Korruptionsprävention in kleinen und mittleren Unternehmen nicht.“

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