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BetrugsmascheWie Miele ins Visier eines kriminellen Clans geriet

Eine Großfamilie soll eine Schwachstelle beim Hausgerätehersteller genutzt haben, um Hunderttausende Euro zu erbeuten. So funktionierte die Masche.Florian Weyand 16.01.2026 - 13:37 Uhr
Eine Großfamilie nutzte den Miele-Kundenservice für eine Betrugsmasche. Foto: IMAGO/Sven Simon

Der Hausgerätehersteller Miele steht vor herausfordernden Zeiten. Zuletzt wurde in Gütersloh ein Sparprogramm gestartet und das Familienunternehmen möchte bis 2028 etwa 500 Millionen Euro durch Stellenabbau, Standortverlagerungen und Effizienzanpassungen einsparen. Ein Kraftakt. „Wir haben harte Entscheidungen getroffen. Am Ende geht es darum, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und damit die Zukunft von Miele insgesamt“, hieß es zuletzt aus der Geschäftsführung.

Ausgerechnet in den schwierigen Zeiten der Transformation und des Umbruchs bekamen es die Verantwortlichen in Gütersloh mit Kriminellen zu tun. Eine Großfamilie aus dem Kosovo soll eine Schwachstelle im Miele-System genutzt haben, um das Familienunternehmen um Hunderttausende Euro zu betrügen. Nachdem der Betrug intern aufflog, erstattete Miele Strafanzeige. Die Behörden ermittelten und es kam sogar zu einem SEK-Einsatz, wie Lea Rhein von der Staatsanwaltschaft Bielefeld bestätigt.

Bonität wurde nicht geprüft

Doch wie geriet Miele in das Visier der Großfamilie? Diese nutze aus, dass Techniker von Miele seit einigen Jahren befugt sind, Kunden neue Geräte zu verkaufen. Die Geräte würden direkt geliefert und sollen vom Kunden innerhalb von vier Wochen bezahlt werden. Doch im direkten Verkaufssystem im Wohnzimmer des Kunden leistete sich Miele offenbar eine Nachlässigkeit. „Seinerzeit überprüfte Miele die Bonität der Besteller nicht“, sagt Rhein.

Das machten sich die Mitglieder des Clans zunutze. In einem ersten Schritt hatte ein Familienmitglied bei dem Servicetechniker einen Kaffeevollautomaten für 3399 Euro, einen Geschirrspüler für 2499 Euro und einen Staubsauger für 459 Euro bestellt. Dabei habe der Mann nicht seinen eigenen Namen angegeben, sondern den einer Verwandten, sagt Rhein.

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„Weil es ein ausländisch klingender Name war, konnte der Servicetechniker nicht erkennen, dass es ein Frauenname war.“ Als der Kunde die Rechnung nicht zahlte, stellte Miele offenbar Nachforschungen an. Doch beim Eintreiben des Geldes gab es Probleme, da der Mann als Empfänger der Ware nicht der Besteller war.

Da die Masche erfolgreich war, ging der Betrug weiter: Laut der Ermittlerin bestellte die Großfamilie bei Technikern von Miele innerhalb von sieben Wochen etwa 100 Hausgeräte – ohne dass die Bestellungen in Gütersloh offenbar für Misstrauen sorgten. Geliefert wurden Waschmaschinen, Trockner, Akkustaubsauger, Kaffeevollautomaten, Kochfelder, Kühlschränke und Dampfgarer. Also die ganze Produktpalette der Gütersloher. Wert: mehr als 200.000 Euro.

Clan flog im Mai 2025 auf

Der Clan benutzte die bestellten Geräte aber nicht, sondern verkaufte diese über Kleinanzeigenportale oder örtliche Händler. „Sobald die Waren geliefert waren, wurden sie originalverpackt verkauft, in der Regel für die Hälfte des Preises.“ Kaffeevollautomaten im Wert von 4000 Euro sollen für etwa 1700 Euro weiterverkauft worden sein.

Weil die Täter den Händlern die Originalrechnungen vorlegten und Miele dem Händler auf Nachfrage erklärte, dass die Geräte regulär verkauft worden waren, konnte der Händler keinen Verdacht schöpfen. „Gegen die Händler wird deshalb auch nicht ermittelt“, sagt die Staatsanwältin.

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Bei Miele flog die Masche des Clans im Frühjahr des vergangenen Jahres auf. Im Mai 2025 erstattete das Unternehmen Strafanzeige. Die Ermittlungen kamen bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld ins Rollen. Schnell kamen die Ermittler der Großfamilie auf die Schliche. Es folgten mehrere Durchsuchungen in Bad Salzuflen, Steinheim, Schloß Holte-Stukenbrock, Dortmund und Bremen.

Da es im Zusammenhang mit mindestens einem tatverdächtigen Clanmitglied zum Einsatz einer Schusswaffe gekommen war, kam bei den Durchsuchungen teilweise ein Spezialeinsatzkommando (SEK) zum Einsatz. Im Rahmen der Razzien wurde von den Beamten eine Schusswaffe sowie eine Stichwaffe in der Tür eines Autos gefunden, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Kein Nachspiel für Miele-Techniker

Drei Brüder wurden zwischenzeitlich in Untersuchungshaft genommen. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft Bielefeld haben die Männer die Taten bereits gestanden. Der Vater der Männer und die Lebensgefährtin eines der Angeklagten machten bisher keine Angaben. Gegen alle fünf wurde Anklage erhoben.

Für die Servicetechniker, die die etwa 100 Bestellungen in nur sieben Wochen angenommen haben, hat der Betrug durch den Familienclan wohl kein Nachspiel. „Sie bekommen zwar üblicherweise eine Provision für verkaufte Geräte, aber erst, wenn der Kunde sie bezahlt hat“, sagt Staatsanwältin Rhein. Gegen die Miele-Mitarbeiter wird nicht ermittelt.

Nachdem Miele die Schwachstelle im Verkaufssystem erkannte, hat das Unternehmen Maßnahmen ergriffen, um weitere Betrugsfälle auszuschließen. „Im Nachgang zum Vorfall haben wir unsere Sicherheitsvorkehrungen weiter verstärkt“, sagt Miele-Sprecher Dirk Haushalter auf Nachfrage der WirtschaftsWoche.

Ob Techniker künftig keine Geräte mehr verkaufen dürfen oder die Bonität der Besteller nun besser geprüft werde, ist unklar. Details nannte der Sprecher nicht. Er bitte um Verständnis, dass sich das Unternehmen „aufgrund des laufenden Verfahrens zum Sachverhalt nicht weiter äußern“ könne.

Erstpublikation: 16.01.2026, 12:02 Uhr.

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