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Uhren Rolex: Nichts verändern

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Wenig Profil in den ersten Jahren In den ersten Jahren bei Rolex zeigte Sohn Patrick wenig Profil. Als "entscheidungsschwach" und "wenig durchsetzungsfähig" wurde er kritisiert. "Ich bin nicht an die Spitze von Rolex gekommen, um etwas zu verändern", bekannte er damals. Doch nach dem Rückzug des Vaters baute Patrick den Konzern vorsichtig um. Er wechselte große Teile der alten Führungsriege aus. Auf sein Konto geht vor allem der Erwerb von mehreren Zulieferern und die Konzentration der zersplitterten Produktion von 15 Standorten auf drei Fertigungsstätten. Die Tochtergesellschaft Montres Rolex (Vermarktung) und die Rolex Industrie (Fertigung) fasste er zusammen, um den Aufbau von Rolex transparenter zu machen. Hauptanliegen von Heiniger war es dabei, die Unabhängigkeit von Rolex langfristig zu sichern. Der heute 51-Jährige überließ es den großen Luxuskonzernen wie Richemont (unter anderem Lange, IWC, Jaeger-LeCoultre, Cartier) oder LVMH (Tag Heuer, Ebel, Zenith), viel Geld für den Kauf von Uhrenmarken zu verpulvern, die heute für einen Bruchteil des damaligen Preises erhältlich wären. Lieber kaufte er in aller Stille wichtige Zulieferer auf. So kam der Genfer Aufzugskronenbauer Boninchi unter die Rolex-Fittiche, der Genfer Armbänderproduzent Gay Frères und der Ziffernblatthersteller Beyeler. Gleichzeitig baute Heiniger die eigenen Produk-tionsstätten für Uhrenteile aus. Andere Produzenten hängen heute stärker denn je von Swatch-Chef Nicolas G. Hayek ab, der sich in den Achtziger- und Neunzigerjahren in der Schweizer Zuliefererindustrie breit gemacht hatte. Auf komplizierte Teile wie Spiralfedern oder gebleute Stahluhrzeiger hat Hayek inzwischen ein De-facto-Monopol. Selbst die Werke in Zeitmessern von Baume & Mercier, Breitling, Cartier oder Tag Heuer kommen vom Uhrwerk-bauer ETA, der zum Reich Hayeks gehört. Rolex ist einer der wenigen Schweizer Uhrenhersteller, der fast alle Komponenten selbst fertigt. In einer original Rolex sind auch original Rolex-Teile drin. Was Heiniger dagegen nicht anrührte, war die Abhängigkeit von einer Produktlinie, der Oyster. 1926 erfand Gründer Wilsdorf die "Auster" als erste wasserdichte Armbanduhr für den Alltag. Fast 80 Jahre später bringt die Oyster noch im-mer über 95 Prozent des Konzernumsatzes. Lediglich die Marken Cellini und Tudor dürfen im Konzern neben der Hauptmarke ein Schattenda-sein führen. "Ich halte an der Tradition von Rolex als Monomarke und Monoprodukt fest", betonte der Rolex-Chef. Immerhin generiert Rolex mit der Oyster und den beiden Nebenmarken einen geschätzten Um-satz von knapp zwei Milliarden Euro. Dazu kommen die Erträge aus dem Großhandel, den Rolex im Gegensatz zu vielen Konkurrenten weit gehend selbst kontrolliert. Die machen pro Jahr schätzungsweise noch einmal etwa 1,2 Milliarden Euro aus. Offizielle Zahlen werden nicht publiziert. Erst recht die Höhe des Gewinns unterliegt der Geheimhaltung. Schweizer Rolex-Auguren schätzen ihn auf über 600 Millionen Euro – jedes Jahr. Eine Story aus der WirtschaftsWoche 52/2002.

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