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Deutsche Versicherer Versicherer jammern über Niedrigzins - und profitieren davon

Die deutschen Versicherer haben im vergangenen Jahr das größte Wachstum ihrer Beitragseinnahmen seit 1994 verbucht. Quelle: dpa

Auch dank der Niedrigzinspolitik der EZB verbuchen die deutschen Versicherer das größte Beitragswachstum seit 1994. Vor allem die Lebensversicherungen sorgen für Schwung, da sie wie reine Geldanlagen wirken.

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Die deutschen Versicherer haben im vergangenen Jahr das größte Wachstum ihrer Beitragseinnahmen seit 1994 verbucht. Dabei profitierte die Branche, die seit Jahren gegen die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wettert, gerade auch vom geringen Zins. Denn die Lebensversicherer sorgten für großen Schwung, in dem sie Kunden Policen verkauften, die wie reine Geldanlagen wirken. Dies sei eine „Paradoxie unserer Zeit“, sagte der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Wolfgang Weiler, am Mittwoch in Berlin. „Banken verlangen zunehmend Strafzinsen, Lebensversicherer bieten sichere, wenn auch gegenüber früher niedrigere Erträge - und dies für längere Zeit.“

Die Prämieneinnahmen kletterten um 6,7 Prozent auf 216 Milliarden Euro und damit so stark wie seit 25 Jahren nicht. „Das ist allerdings kein Grund für Euphorie, denn das Marktumfeld bleibt wegen der niedrigen Zinsen extrem herausfordernd“, sagte Weiler. Für 2020 peile man eine „Normalisierung“ des Wachstums auf 1,5 bis 2,0 Prozent an. Als Gefahr der ultralockeren EZB-Politik sehen die Versicherer, dass die Geldschwemme dafür sorgt, dass immer mehr Mittel in riskante Anlagen fließen und somit „Blasenbildung begünstigt“. Deshalb müsse die EZB unter ihrer neuen Chefin Christine Lagarde nun gegensteuern, sagte Weiler, oberster Lobbyist der Versicherer.

Wegen der Dauer-Niedrigzinses tüfteln vor allem die Lebensversicherer an neuen Policen. So verlieren klassische Produkte mit lebenslangen Garantien für die Kunden an Attraktivität. Versicherungen mit alternativen Garantiekonzepten machen beim Neugeschäft bereits 60 Prozent aus. Das Geschäft mit Lebensversicherungen stieg um elf Prozent auf 102,5 Milliarden Euro und damit so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Während das klassische Geschäft mit Leben-Policen und bei Pensionskassen und Pensionsfonds stagnierte, zogen die Versicherungen mit sogenannten Einmalbeiträgen kräftig um 37 Prozent an.

Denn in Zeiten, wo Banken Strafzinsen erheben, sind solche Policen für Anleger attraktiver als manche Bankgeschäfte. „Wir nehmen gerne diese Gelder an“, sagte der neue Chef von Deutschlands größtem Lebensversicherer Allianz Leben, Andreas Wimmer. Zudem könne man mit den Produkten den Wunsch der Kunden erfüllen - nach einer positiven Verzinsung sowie nach Sicherheit und Stabilität. Für die Lebensversicherer insgesamt rechnet der GDV 2020 nur noch mit gut einem Prozent Wachstum.

Auch für die Schaden- und Unfallversicherer lief es 2019 gut. Sie steigerten ihre Einnahmen um 3,2 Prozent und der sogenannte versicherungstechnische Gewinn dürfte bei 4,7 (Vorjahr: 4,1) Milliarden Euro liegen. In diesem Jahr erwartet der GDV hier ein Beitragsplus von 2,5 Prozent.

Nach der Thomas-Cook-Pleite ist die Versicherungsbranche derzeit mit der Bundesregierung in intensiven Gesprächen, um den Insolvenzschutz rund um Pauschalreisen neu zu regeln. Die Regierung kommt für den Schaden der Kunden auf, der nach der Thomas-Cook-Insolvenz nicht über den zuständigen Versicherer Zurich abgedeckt ist.

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