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Klimawandel und Unwetter„Die Zahl der tropischen Wirbelstürme steigt nicht an“

Rückversicherer Munich Re treffen Naturkatastrophen wie der Hurrikan Milton hart. Der Aktienkurs aber lässt sich nichts anmerken. Wieso eigentlich?Philipp Mattheis 10.10.2024 - 18:04 Uhr

USA, St. Petersburg: Ein Kran liegt auf der 1st Avenue South in der Nähe der Büros der Tampa Bay Times, als Hurrikan Milton auf Land trifft.

Foto: Chris Urso/Tampa Bay Times/AP/dp

In der Nacht auf Donnerstag hat der Hurrikan Milton bei Tampa in Florida das Festland erreicht. Es ist nach Helene bereits der zweite Wirbelsturm, der die amerikanische Küste verwüstet. Die Schäden von Helene werden auf 30 Milliarden US-Dollar beziffert – Milliarden, für die später zu großen Teilen Rückversicherer wie Munich Re aufkommen müssen. Dennoch klettert der Aktienkurs des Münchner Konzerns beharrlich nach oben. Warum das so ist, erklärt Tobias Grimm, Head of Climate Advisory and NatCat Data bei Munich Re.

WirtschaftsWoche: Innerhalb von wenigen Wochen trifft Florida schon der zweite Hurrikan. Subjektiv nehmen solche Extremschäden seit Jahren zu. Was sagen Ihre Daten?
Tobias Grimm: Wir haben tatsächlich einen reichen Schatz an Daten, der über 50 Jahre zurückreicht. Was wir sagen können: Es gibt einen ansteigenden Trend bei Schäden aus Extremwetter-Ereignissen. In den vergangenen sieben Jahren wurde mit Blick auf das jeweilige Gesamtjahr die 100-Milliarden-Dollar-Grenze für versicherte Schäden aus Naturkatastrophen weltweit sechsmal überschritten. Hurrikan Ian im Jahr 2023 alleine kostete 60 Milliarden.

Wie ist die wachsende Schadenssumme zu erklären? 
Das liegt zum einen daran, dass viele Gegenden dichter besiedelt und damit fragiler geworden sind. Wo früher ein Fischerdorf war, ist heute eine Stadt. Der letzte vergleichbare Hurrikan traf die Region Tampa in Florida im Jahr 1921. Damals war Tampa ein kleines Dorf, heute sprechen wir über eine Drei-Millionen-Metropole. Noch drastischer sind diese Entwicklungen in Schwellenländern, wo die Urbanisierung rasant stattfindet. Damit steigen auch die potenziellen Schäden. Hinzu kommt, dass in reichen Ländern Menschen auch gerne in Hochrisiko-Zonen leben, beispielsweise am Meer oder am Fluss. Das ist übrigens auch eine Erklärung für die hohen Schäden bei Waldbränden. In den vergangenen Jahren hat man immer mehr in und um diese Waldgebiete gebaut, weil das als attraktives Wohngebiet erscheint. Damit steigen natürlich auch die Schadensummen im Falle eines Brandes. 

Zur Person
Tobias Grimm ist Head of Climate Advisory and NatCat Data bei der Munich Re.

Ein weiterer Grund dürfte die Inflation sein, oder?
Hurrikan Katrina hat im Jahr 2005 Schäden im Wert von 62 Milliarden US-Dollar angerichtet. Heute entspricht das durch die Inflationsentwicklung in etwa 100 Milliarden. Ja, auch deswegen steigen die Schadensummen.

Nimmt die Zahl Extremwetter-Ereignisse ihren Erkenntnissen zufolge denn ebenfalls zu?
Die Inflationswirkung rechnen wir bei der Analyse der Veränderungen natürlich heraus. Zudem muss man stark nach Regionen differenzieren. Die Zahl der tropischen Wirbelstürme zum Beispiel steigt nicht an. Sie unterliegt Schwankungen, aber ist relativ konstant. Das sind 80 bis 85 Wirbelstürme im Jahr. Was wir aber beobachten, ist, dass deren Intensität zunimmt. 

Hurrikan Milton

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Hurrikan Milton hat eine beträchtliche Verwüstung hinterlassen. Was das für ansässige Unternehmen bedeutet, erklärt AHK-Chef Matthias Hoffmann.

von Angelika Melcher

Was bedeutet das?
Es gibt Attributions-Studien mit Blick auf den Klimawandel, die zeigen, dass die Regenmengen zunehmen, bei Hurrikan Helene waren es zehn Prozent mehr Regen. Das kann bei starken Überschwemmungsszenarien einen erheblichen Unterschied machen. Man kann also schon sagen, dass der Klimawandel eine wesentliche Rolle spielt. Derzeit ist die Wassertemperatur im Golf von Mexiko mit 30 Grad sehr hoch. Das begünstigt das Entstehen von schweren Wirbelstürmen wie Helene oder Milton.

Welche Einflussfaktoren gibt es außerdem?
Wir hatten im Mai unsere Prognose für die Saison veröffentlicht, die von Juni bis November reicht. Wir sind aufgrund von zwei Faktoren von einer starken Saison ausgegangen. Erstens dämpft das Wetterphänomen El Niño normalerweise das Entstehen von Hurrikans. Das fehlt dieses Jahr. Hinzu kommt die bereits erwähnte ungewöhnlich hohe Wassertemperatur im Nordatlantik und im Golf von Mexiko. Im August gab es dann aufgrund von Stürmen in der Sahara so gut wie gar keine Wirbelstürme, weil der Sand in den Atlantik hinein gewirbelt wurde, was die Entstehung von Hurrikans verhinderte. Die waren quasi aufgeschoben in den Herbst.

Wie reagiert die Munich Re auf solche Entwicklungen?
Wir sind einer der größten Risikoträger weltweit und sichern Spitzenrisiken ab. Das ist unser Kerngeschäft. Wir preisen solche Ereignisse weiterhin ein und berücksichtigen dabei neue Entwicklungen bestmöglich. Da irgendjemand immer den Schaden tragen muss – entweder die Versicherungsbranche, der Staat oder der Betroffene – versuchen wir, vermehrt die Prävention zu fördern. Dazu gehören Investitionen in Frühwarnsysteme und entsprechende Bauvorschriften. 

Sie passen doch sicherlich auch die Prämien an, oder nicht?
Wenn die Schadensummen steigen, müssen daran auch die Prämien angepasst werden, um das Risiko richtig widerzuspiegeln. Aber auch dabei spielt die Inflation eine Rolle. Wenn Immobilien um 50 Prozent im Wert steigen, wachsen die Prämien mit. Hinzu kommen aber auch komplexe Dinge wie Lieferkettenausfälle und andere sekundäre Konsequenzen, die das Risiko erhöhen, wie steigende Reparaturkosten nach großen Naturkatastrophen.

Der Aktienkurs steigt seit zwei Jahren konstant. Was erwarten Sie für die kommenden Jahre? Worauf müssen sich Versicherer, Rückversicherung und Kunden einstellen?
Die Risiken aus Naturkatastrophen nehmen zu und damit die Schäden. Wir alle sollten das begrenzen.

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