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Kein GründerlandDeutsche haben Angst vor Selbstständigkeit

Es gibt in Deutschland zwar viele Gründerwettbewerbe und Gründerpreise - doch die Deutschen bevorzugen die Festanstellung. Warum? 21.07.2014 - 16:37 Uhr

Platz 17: Berlin

Das Projekt Startup Genome hat ermittelt, was die besten Standorte für Gründer sind. Immerhin auf dem 17. Platz landet eine deutsche Stadt. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zum Anziehungspunkt für Start-Up-Gründer entwickelt. Besonders die Gegend um den Rosenthaler Platz hat es vielen angetan, die mittlerweile schon Silicon Allee genannt wird.

Erfolgreiche Berliner Start-Ups der vergangenen Jahre waren unter anderem kaufda, die Werbeprospekte ins Internet stellen, der Gutscheinhändler Groupon, Zalando oder eDarling. Auch das von US-Schauspieler Ashton Kutcher unterstützte Start-Up Amen hat seinen Sitz in Berlin.

Foto: dpa

Platz 10: Moskau

Zwanzig Kilometer außerhalb von Moskau entsteht in Skolkowo ein neues „russisches Silicon Valley“. Das Innovationszentrum soll im gleichen Stil wie das Original neue Hochtechnologien hervorbringen. Dazu sollen dort in Zukunft über 30 000 Wissenschaftler an neuen Ideen tüfteln. Eröffnet wird „Innograd“ wahrscheinlich frühestens 2016.

Foto: dpa

Platz 9: Bangalore

Immer erinnernd an das amerikanische Vorbild, hat Bangalore den Beinamen „indisches Silicon Valley“ bekommen. Nicht zu Unrecht: In der Stadt haben sich viele IT-Firmen wie SAP, Oracle und IBM niedergelassen. Deswegen ist auch die Zahl der Informatiker in der Stadt hoch.

Foto: Reuters

Platz 8: Sao Paulo

Brasilien, und allen voran Sao Paulo, ist im Beliebtheitsranking von Start-Up-Gründern schnell nach oben geklettert. Im Gegensatz zu anderen Metropolregionen haben die Gründer hier viel Platz um sich auszuleben. Investoren schätzen das große Potential in Südamerika und stellen bereitwillig Gelder bereit.

Auch die deutschen Samwer-Brüder, die unter anderem auch in Zalando, Jamba oder Groupon investiert haben, sind in Sao Paulo aktiv. Der Skype-Gründer Niklas Zennström hat in einen Online-Shop für Babyartikel investiert.

Foto: Reuters

Platz 7: Singapur

Der Tigerstaat hat sich eine kleine Stadt im Inneren geleistet: Die Biopolis. Über 220 000 Quadratmeter groß, arbeiten hier Wissenschaftler aus der ganzen Welt an neuen Entwicklungen für die Medizin und Biotechnologie.

Diese Bereiche sind bei Risikokapitalgebern sehr beliebt, da sie gute und vergleichsweise sichere Renditen versprechen. Start-Ups in diesen Bereichen kommen hier schnell an einen Investor.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 6: Los Angeles

Start-Ups fühlen sich wohl in der Nähe von Unterhaltungsindustrie, die ständig auf der Suche nach neuen technischen Möglichkeiten oder Ideen sind – und welcher Ort könnte dafür besser sein, als Los Angeles. Auch die Nähe zu vermögenden Bewohner der Stadt, wie zum Beispiel zum bekannten Schauspieler und Risikokapitalgeber Ashton Kutcher, zieht junge Unternehmensgründer an.

Foto: AP

Platz 5: Tel Aviv

Auch in Israel gibt es eine Niederlassung des Silicon Valley: Das Silicon Wadi. Laut „The Globe and Mail“ sollen 422 Start-Ups – alleine in den ersten drei Quartalen vergangenen Jahres - fast 1,9 Milliarden Euro Risikokapital eingesammelt haben.

Auch die großen US-Konzerne bedienen sich gerne an den kreativen Start-Ups im Silicon Wadi. So hat Ebay im September sein Portfolio für 20 Millionen Dollar um „The Gifts Projekt“ erweitert, eine Plattform, auf der Freunde gemeinsam Geschenke für eine andere Person kaufen können.

Foto: Reuters

Platz 4: Toronto

Die kanadische Metropole ist der wichtigste Finanzplatz des Landes. Hier sind auch viele Investmentfirmen angesiedelt – was die Stadt für Startup-Gründer besonders attraktiv macht. Aus Kanada kommt unter anderem die Idee des „1-Dollar-Business“, die unter anderem von der Freien Universität Berlin aufgegriffen wurde: Die Studenten erstellen einen Business-Plan der von einer Jury aus Wirtschaftsvertretern bewertet wird. Der beste Plan gewinnt.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 3: London

Die Strahlkraft des Silicon Valley ist so groß, dass Ortsteile in denen sich viele junge Unternehmensgründer ansiedeln, schnell einen Namen tragen, der an das amerikanische Vorbild erinnert. In London ist es das „Silicon Roundabout“ rund um die U-Bahn Haltestelle „Old Street“.

Hier sitzt zum Beispiel auch die 2008 gegründete Internetfirma „Mixcloud“. Dort können sich die Nutzer ihr eigenes Radioprogramm zusammenstellen und mit Freunden teilen.

Foto: Reuters

Platz 2: New York City

Die Stadt gilt gemeinhin als Schmelztiegel der Kulturen, indem neue Ideen viel Raum finden. Und weil man sich in der Millionenmetropole nicht so leicht durch Zufall über den Weg läuft, haben Dennis Crowley und Naveen Selvadurai 2009 das Start-Up Foursquare gegründet. Über das Internet oder eine App können sich Nutzer an einem Ort „einchecken“ und sehen, wo sich ihre Freunde gerade befinden.

Foto: Reuters

Platz 1: Silicon Valley

Im Silicon Valley, rund um San Francisco, Palo Alto, San José und Oakland, tummelt sich alles, was in der IT-Branche Rang und Namen hat: Steve Jobs hat hier an den ersten Macs gebastelt, Marc Zuckerberg mit Facebook Milliarden verdient und auch der Suchmaschinengigant Google hat es sich im Valley bequem gemacht.

Kein Wunder also, dass dies der perfekte Nährboden für Start-Ups ist. Die Foto-App Instagram – zwei Jahre alt, 13 Mitarbeiter – ist gerade für eine Milliarde US-Dollar von Facebook übernommen worden. Auch der Facebook-Konkurrent Pinterest sitzt in Palo Alto.

Foto: Fotolia

Deutschland ist das Land der Gründermuffel: Im vergangenen Jahr wurden hier so wenige Betriebe neu gegründet wie seit 2003 nicht mehr. Und in den nächsten Jahren wird es wohl nicht besser werden: Laut der Umfrage "Beruf und Karriere 2014" ist nur für 23 Prozent der Deutschen die Selbstständigkeit erstrebenswert, laut dem Amway Global Entrepreneurship Report sind es 26 Prozent.

Unabhängig davon, welcher Prozentwert der Wahrheit näher kommt - im Vergleich zu anderen Nationen bleiben die Deutschen lieber im sicheren Angestelltenverhältnis, statt selbst ein Unternehmen ins Leben zu rufen. Für viele Studenten ist sogar der öffentliche Dienst attraktiver als den eigenen Betrieb zu führen.

Studenten-Umfrage

Traumberuf Sesselpupser

von Lin Freitag

German Angst

Doch woran liegt es? Der Amway Global Entrepreneurship Report hat ein paar Antworten auf diese Frage gefunden. Und der Hauptgrund ist: Angst. 80 Prozent fürchten sich davor, mit ihrer Idee am Markt zu scheitern - also versuchen sie es gar nicht erst. Zum Vergleich: In den USA hat nur jeder Dritte Angst, mit seinem Unternehmen zu scheitern.

Dabei geht es den Deutschen gar nicht unbedingt um die Konsequenzen der Pleite, sondern um das Scheitern an sich. Mit einem Unternehmen zu scheitern gelte zwar zunehmend weniger als Makel, wie Marc Evers, Existenzgründungsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, bei einer Veranstaltung von und für gescheiterte Gründer sagte. "Aber bei diesem Kulturwandel sind wir noch ganz am Anfang."

Darüber hinaus bezeichnen 46 Prozent der Studienteilnehmer Deutschland als gründerfeindlich. So sagt auch Unternehmer Claude Ritter, dass es in Deutschland besonders schwierig sei, Investoren zu finden. "Anstatt Innovation zu fördern, wird lieber auf Modelle gesetzt, die an anderen Orten bereits erfolgreich sind und bei denen der Businessplan schnelles Geld verspricht", sagt er. Er ist überzeugt, dass das nächste Facebook oder Twitter kommen wird - nur eben nicht aus Deutschland. Und wer keine Investoren findet, kann schnell in finanzielle Nöte geraten. Das ist ein Faktor, vor dem 41 Prozent der Umfrageteilnehmer Angst haben. Dicht gefolgt von der Bürokratie, die 40 Prozent als Hindernis nennen.

Gäbe es mehr staatliche Finanzhilfen, wären auch mehr Deutsche bereit, den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen, so das Ergebnis der Studie. 52 Prozent halten staatliche Fördermittel für richtig und wichtig, wenn Deutschland mehr Gründer anlocken und fördern möchte. Denn derzeit gibt es kaum Zuschüsse.

Wer sich selbstständig machen möchte, muss das nötige Kleingeld besitzen. Nur bei sogenannten Notgründungen gibt es Zuschüsse - wenn auch weniger als noch bis zum Jahr 2012. Doch diese "lieber selbstständig als arbeitslos"-Unternehmen sind in den wenigsten Fällen innovativ.

ked
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