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StellensucheWas Sie bei jeder Bewerbung beachten sollten

Bewerbungsexperte Jürgen Hesse erklärt, wie man mit schlechten Arbeitszeugnissen umgehen sollte, was Traumprinzen mit der Jobsuche zu tun haben und warum ein Bewerbungsfoto in Schwarz-Weiß besser ist.Kristin Rau 18.02.2013 - 11:42 Uhr

Bewerbungsexperte Jürgen Hesse erklärt, was alles zu beachten ist für eine perfekte Bewerbung.

Foto: WirtschaftsWoche

WiWo: Herr Hesse, bevor ich eine Bewerbung schreiben kann,  muss ich erst mal das richtige Stellenangebot finden. Wo sollte ich suchen?

Jürgen Hesse: Online-Stellenbörsen werden immer wichtiger, weil mittlerweile selbst der Bäckermeister seine Verkäuferinnen via Internet sucht. Dennoch sollten gerade Spezialisten auch einen Blick in Fachzeitschriften werfen. Das kann das kostenlos verteilte Anzeigenblättchen sein, wo die Aushilfsverkäuferin gesucht wird, das kann die Verbandszeitschrift des deutschen Sekretärinnenbundes sein oder die wissenschaftliche Publikation Medizin heute.

Ein dritter Weg, den viele vernachlässigen, ist das persönliche Netzwerk. Reden Sie mit ehemaligen Kollegen, Vorgesetzten und Bekannten. Das ist unglaublich ergiebig.

Eine ansprechende Stelle ist gefunden. Aber ich erfülle nicht alle Suchkriterien. Wann sollte ich mich dennoch bewerben?

Es gibt natürlich Jobs für die brauchen Sie eine Art Lizenz. Sie können nicht Medizin studiert haben und auf einmal als Rechtsanwalt arbeiten wollen. Das funktioniert natürlich nicht.

Aber…

Im Beruf ist es wie in der Liebe. Jeder hat ein Bild vom Traumprinzen oder der Traumprinzessin, aber der eigene Partner wird dieses Bild nicht absolut erfüllen. Deshalb rate ich Bewerbern, die 50 oder 60 Prozent der Anforderungen erfüllen, sich trotzdem zu bewerben. Das Meiste lernen Sie sowieso, wenn Sie schon angestellt sind.

Sie haben eben von Lizenzen gesprochen – also letztendlich Urkunden und Zeugnisse. Muss ich mein Universitätsdiplom und mein Abiturzeugnis bei jeder Bewerbung einreichen?

Wenn Sie ein 50-Jähriger Ingenieur sind, der 25 Jahre Berufserfahrung hat, wirkt es eher lächerlich das Abiturzeugnis einzusenden. Als Richtlinie würde ich sagen, dass nach zehn Jahren Berufserfahrung kein Arbeitgeber mehr das Universitätsdiplom oder sogar das Abiturzeugnis sehen möchte. Wenn doch, können Sie es immer noch nachreichen.

Persönliche Motivation

"Ich suche nach einer Herausforderung, bei der ich mich in ähnlicher Weise engagieren kann wie bei dem Unternehmen xyz. Außerdem wünsche ich mir ein Umfeld, in dem ich mich selbst weiterentwickeln kann."

Foto: Fotolia

Qualifikation

"Ich bin mir sicher, dass ich auf einer Position mit einer solchen Entwicklungsperspektive langfristig sehr viel positiv bewegen und somit zum Unternehmenserfolg beitragen kann."

Foto: Fotolia

Beispiele für Fähigkeiten geben

"Bei der Firma xyz konnte ich beweisen, dass ich Mitarbeiter gut motivieren kann. Der Krankenstand in meinem Team ist gesunken und die Fluktuation hat sich bei x Prozent eingependelt."

Foto: Fotolia

Was die Stärken dem Unternehmen bringen

"Ich begegne Kunden fachlich auf Augenhöhe und erziele überdurchschnittliche Geschäftsabschlüsse, was sich für meinen Arbeitgeber in barer Münze bemerkbar macht."

Foto: Fotolia

Einzel- oder Teamplayer

"Es ist wie im Sport: Manches geht nur mit einem guten Team, während es auch Disziplinen gibt, in denen nur der Einzelne gewinnen kann. Es kommt auf die gesteckten Ziele an, welcher Weg der bessere ist."

Foto: dapd

Neue Projekte umsetzen

"Ich spiele mit Kollegen und Vorgesetzten gemeinsam einige Ansätze durch, dadurch lassen sich Ideen oft in eine praxisnähere Form bringen."

Foto: Fotolia

Schwächen zugeben und daran arbeiten

"Ich kann sehr direkt sein und bringe die Dinge gern auf den Punkt. Ich habe mir aber angewöhnt, mehr zu hinterfragen und anderen mehr Zeit zu geben."

Foto: Fotolia

Negatives für sich behalten

"Ich kann nichts Schlechtes über meinen Arbeitgeber sagen. Und würde ich das tun, würde mich das aus charakterlichen Gründen für den Job disqualifizieren."

Foto: Fotolia

Umgang mit schwierigen Kunden

"Das Wichtigste ist, dass man auf sachlicher Ebene zusammen arbeitet und gesteckte Ziele erreicht."

Foto: Fotolia

Nicht verunsichern lassen

"Das sind jede Menge Fragen auf einmal. Lassen Sie mich zunächst eine Teilfrage beantworten. Folgenden Aspekt finde ich persönlich am spannendsten:"

Foto: Fotolia

Jeder Arbeitnehmer hat einen Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis. Es gibt zwei grundlegende Arten von Zeugnissen. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten.

Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.

Foto: imago images

Arbeitszeugnisse sind meist ähnlich aufgebaut. Folgende Bestandteile sollte jedes Zeugnis enthalten: Informationen über die Arbeitsbereitschaft, die Arbeitsbefähigung, Fachkenntnisse, Arbeitsweise, Arbeitserfolg, herausragende Erfolge und eine Leistungszusammenfassung zum Schluss. "Wichtig ist, dass keine Dopplungen vorkommen", sagt Rechtsanwalt Daniel Hautumm.

Foto: Fotolia

Verlangt der Arbeitnehmer, dass seine Leistung im Zeugnis mit "gut" ( "stets zur vollen Zufriedenheit") anstatt mit "befriedigend" ("zu ihrer vollen Zufriedenheit") bewertet wird, so muss der Arbeitnehmer beweisen, warum er eine bessere Bewertung verdient hat. „Fordert ein Arbeitnehmer eine sehr gute Bewertung ein, muss sein Vortrag beim Arbeitgeber klar machen, dass er eine nicht mehr steigerungsfähige Bestleistung erbracht hat“, erklärt Daniel Hautumm, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht.

Foto: imago images

Das Arbeitszeugnis muss auf den letzten Tag des Arbeitsverhältnisses ausgestellt werden. Will sich ein Arbeitnehmer direkt nach seiner Kündigung bewerben, kann er ein vorläufiges Zeugnis verlangen. Außerdem hat jeder Arbeitnehmer noch drei Jahre nach Ausscheiden aus dem Unternehmen einen Anspruch auf sein Arbeitszeugnis. „Arbeitsverträge können jedoch auch Ausschlussfristen von in der Regel drei Monaten enthalten“, sagt Rechtsanwalt Hautumm. „Dann hat der Arbeitnehmer nur drei Monate Zeit, den Zeugnisanspruch geltend zu machen.“

Foto: Fotolia

Auch für das Aussehen eines Arbeitszeugnisses gibt es verbindliche Regeln: So sagt das Gesetz, dass "die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ausgeschlossen" ist. Das Zeugnis muss auf das reguläre Firmenpapier gedruckt werden.

Foto: imago images

Außerdem muss jedes Arbeitszeugnis vom Arbeitgeber oder einem Personalverantwortlichen handschriftlich unterschrieben werden.
Auf eine Schlussfloskel wie: "Wir wünschen Herrn oder Frau XY weiterhin viel Erfolg" haben Arbeitnehmer keinen Anspruch (Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, 9 AZR 44/00), sie ist aber bei den meisten Unternehmen üblich.

Foto: imago images

Sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag – also eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsvertrages – verhandeln, „sollte der Arbeitnehmer in die Zeugnisklausel schreiben lassen, dass das Zeugnis eine Schluss-, Dankes- oder Bedauernsformel enthält“, rät Rechtsanwalt Hautumm. Eine solche Klausel im Arbeitszeugnis kann bei der künftigen Stellensuche hilfreich sein.

Foto: imago images

Doppeldeutigkeiten wie "er hat sich stets bemüht" (gemeint ist: aber leider nichts auf die Reihe bekommen") haben im Zeugnis dagegen nichts verloren. Auch hier sagt der Gesetzgeber deutlich:
Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

Foto: imago images

Das Arbeitszeugnis muss zwar keine Lobeshymne sein, soll aber wohlwollend formuliert sein und darf dem Arbeitnehmer bei seinem weiteren beruflichen Werdegang nicht im Wege stehen. "Herr Schmidt ist eine Riesenpfeife und feiert ständig krank" darf also nicht drin stehen - auch wenn es vielleicht so ist. Das hat der Bundesgerichtshof bereits 1963 festgelegt.

Foto: Fotolia

Einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben übrigens nicht nur reguläre Arbeitnehmer. Auch Teilzeit-Mitarbeiter, freie Kräfte, Praktikanten, Auszubildende und Aushilfen haben ein Recht auf eine entsprechende Beurteilung. Wer versetzt oder befördert wird, in Erziehungsurlaub geht oder einen neuen Vorgesetzten bekommt, kann vom alten Chef ein Zwischenzeugnis verlangen.

Foto: Fotolia

Kann ich Arbeitszeugnisse, die nicht gerade schmeichelhaft sind, einfach weglassen?

Davon rate ich ab, da das eher misstrauisch macht. Reichen Sie von Ihren letzten fünf Arbeitszeugnissen Nummer drei und vier nicht ein, wird der Personaler ziemlich sicher danach fragen.

Das heißt, auch ein schlechtes Zeugnis einreichen?

Meistens sind sowieso nur die letzten drei Zeugnisse beziehungsweise die letzten zehn Jahre relevant. Ist da eine Bewertung dabei, die Sie in ein schlechtes Licht rückt, empfehle ich damit offen umzugehen.

Das bedeutet?

Verfassen Sie eine Stellungnahme und legen Sie diese dem Arbeitszeugnis bei. Darin können Sie sich erklären.

Ein zentraler Bestandteil jeder Bewerbung ist der Lebenslauf. Was sind hierfür Ihre drei wichtigsten Tipps?

Erstens: Unterschreiben Sie Ihren Lebenslauf mit Vor- und Zunamen. Damit bürgen Sie nochmal zusätzlich für die Richtigkeit Ihrer Angaben und schaffen Vertrauen. Zweitens: Der Lebenslauf ist mehr als eine Auflistung der bisherigen beruflichen Stationen. Schreiben Sie jeweils auf, was Ihre Aufgaben und die erzielten Ergebnisse waren. Der Lebenslauf ist eine Art Speisekarte. Dem Leser muss das Wasser im Mund zusammenlaufen und sagen: Ja, genau das will ich!

Wie lautet Tipp Nummer drei?

Das ist der Wichtigste von allen. Der Mensch ist sehr emotional und lässt sich häufig eben doch von seinem ersten optischen Eindruck treiben. Ein außergewöhnliches Deckblatt, die Schrift in Königsblau oder spezielles Papier können einen positiven Eindruck hinterlassen. Ein sympathisches Bewerbungsfoto ist das A und O.

"Welches Küchengerät wären Sie gerne?"

Bewerbungsgespräche sind Kennenlern-Situationen. Beide Seiten gehen auf Tuchfühlung und wollen wissen: Wer ist das eigentlich, der mit uns zusammenarbeiten möchte? Schräge Fragen haben daher die Funktion, herauszufinden, wie kreativ, humorvoll und einfallsreich man ist. Es gilt, was in der Verkäuferwelt immer gilt - man darf nichts persönlich nehmen, und daher auch niemals schnippisch auf schräge Fragen reagieren. Wer es doch tut, ist schnell raus.

Bei der Frage kann man also zunächst verdutzt dreinschauen - und dann seine Kreativität unter Beweis stellen: "Ich könnte der Wasserkocher sein: Verlässlich mache ich meine Arbeit, immer auf Knopfdruck".

Alle folgenden Fragen wurden tatsächlich in Vorstellungsgesprächen gestellt.

Foto: CLARK/obs

"Wie würden Sie Ihr Erinnerungsvermögen einschätzen?"

Bewerber müssen sich auf das jeweilige Unternehmen vorbereiten, bei dem sie sich beworben haben. Unvorbereitet in ein Jobinterview zu gehen, endet selten mit einer Einstellung. Und Stresssituationen sollten geübt sein - ein vorheriges Training mit einem Kumpel, der mittels einem Frage-Antwort-Spiel künstlich Druck erzeugt, kann helfen.

Ehrliche Antworten sind natürlich nur von Vorteil. Wer pokern möchte, sollte das gut machen. In diesem Fall hilft als Antwort: Eine schöne Kindheitserinnerung als Beispiel für das Erinnerungsvermögen. Natürlich mit der passenden Begründung.

Foto: Fotolia

"Was ist Ihr Lieblingssong? Singen Sie ihn für uns!"

Auch wenn man kein geborener Pavarotti ist: einfach mal losträllern. Das beweist Mut zum Risiko.

Foto: dapd

"Schätzen Sie, wie viel Fenster es in New York gibt"

Hier gilt: Kurz das mathematische Denken einschalten und grob schätzen. Keine Antwort bedeutet: Der Bewerber hat keine Vorstellungskraft. Im schlimmsten Fall erscheint der Bewerber dann einfallslos. Eine richtige Antwort gibt es eh nicht. Die Art und Weise, wie man reagiert, ist ausschlaggebend: Zu beweisen, dass man souverän reagiert, zum Beispiel.

Foto: dapd

"Benennen Sie den Winkel des Uhrzeigers, wenn es 11:55 ist"

Die Frage mag überraschend, doch auch hier möchte der Interviewer eine kreative, wenn möglich richtige Antwort hören. Der Bewerber sollte das Bildgedächtnis einschalten. Und bestenfalls mit geometrischen Grundkenntnissen aufwarten. Die Antwort "ein spitzer Winkel" wäre zumindest nicht falsch.

Foto: dapd

"Der Chef kommt rein und bietet Ihnen eine Million Euro an, mit der Sie Ihre beste unternehmerische Idee verwirklichen können. Welche Idee wäre das?"

Stottern wäre jetzt fatal. Eine vorformulierte Phrase allerdings auch. Hier gilt wieder: Kreativität anschmeißen, kurz nachdenken - und dem Interviewer eine Antwort auf dem Tisch servieren, die eine tatsächliche unternehmerische Phantasie zur Schau stellt.

Foto: Fotolia

"Woran denken Sie, wenn Sie alleine in Ihrem Auto sitzen?"

Auch hier gilt: eine kreative Antwort ist die einzig richtige Antwort. Am besten man baut ein Bild auf: Feierabendverkehr, das Auto steckt fest und der Bewerber denkt am liebsten darüber nach, wie er den Salat am Feierabend garniert. Unglaubwürdig wäre es zu sagen: "Ich bereite im Kopf schon das nächste Meeting vor". Warum? Weil man sich damit in die Seelennähe eines Workaholics bringt.

Foto: dpa

"Wie würden Sie jemanden beim Zubereiten eines Omeletts anleiten?"

Eine kreative Antwort mag in diesem Fall weiterhelfen, doch tatsächlich zielt diese Frage darauf ab, wie man Anweisungen gibt und wie gut man etwas erklären kann.

Foto: dpa

"Wenn wir Sie zu Hause zum Essen besuchen werden, was würden Sie dann für uns kochen?"

Kreativer Humor hilft hier weiter. Man holt sich besser etwas Wissen - darüber, was der andere eher nicht isst. "Kein Schwein?! Dann kann ich mir den Serrano-Schinken schon mal schenken."

Foto: AP

"Meine Frau und ich fahren in den Urlaub. Welches Ziel würden Sie uns empfehlen?"

Gleiches gilt für diese Frage. Wer eine Gegenfrage stellt ("Was mögen Sie denn nicht?"), der beweist Einfühlungsvermögen.

Foto: Presse

"Welche zwei Prominenten hätten Sie gerne als Eltern?"

Wie wir die Welt sehen, sagt viel über uns aus. Bei dieser Frage also besonders gut nachdenken. Im Bild: Brad Pitt und Angelina Jolie, samt Großfamilie.

Foto: dpa

"Wenn Sie jemand anders sein könnten, wer wären Sie dann?"

Natürlich ist hier auch kurzes Nachdenken wichtig, bevor man die Frage beantwortet. Auch bei dieser Frage kommt es auf die Begründung an. Lassen Sie sich eine gute Geschichte einfallen.

Foto: WirtschaftsWoche

"Haben Sie jemals einen Kugelschreiber am Arbeitsplatz gestohlen?"

Vorsicht: Humor wäre hier nicht angebracht, die Gegenfrage - "Wer hat denn nicht schon mal einen Stift aus Versehen mit nach Haus genommen?"- zu flapsig. Im Zweifel zeugt es davon, dass man es mit Kleindelikten nicht ganz genau nimmt. Jemanden, der regelmäßig Stifte und Schreibpapier mitgehen lässt, wird man eher nicht einstellen.

Foto: REUTERS

Frust

Wenn Sie gar keine Freude mehr an dem haben, was Sie tun, wenn Sie schon morgens mit Bauchschmerzen aufstehen und die positivste Stimmung, zu der Sie an der Arbeit fähig sind, eine genervte Grundhaltung ist, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dauerhaft so weitermachen wollen. Die Düsseldorfer Outplacement-Beraterin Heike Cohausz rät in einem solchen Fall: "Stellen Sie sich zunächst folgende Fragen: Was genau hat meinen Frust ausgelöst? Wieso möchte ich nicht mehr mit meinem Chef arbeiten? Welche konkreten Situationen haben dazu geführt, dass ich gehen will?" Können Sie die Faktoren, die Ihren Frust auslösen, nicht verändern oder beeinflussen, sollten Sie ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken.

Foto: Fotolia

Zu wenig Gehalt

Ihre Arbeit sollte Ihrem Chef mehr Geld wert sein? Dann sollte Sie natürlich der erste Weg zu Ihrem Vorgesetzten führen. Wenn Ihr Unternehmen wegen seiner wirtschaftlichen Lage aber nicht mehr zahlen kann, gibt es zwei Möglichkeiten: das Ganze so hinnehmen oder gehen. Gerade für Arbeitnehmer, die bereits öfter bei Lohnerhöhungen übergangen worden sind, wäre letzteres der richtige Weg. Laut einer Studie von TNS Infratest zusammen mit der Personalberatung Cribb ist gerade für Männer die Unzufriedenheit mit ihrem aktuellen Gehalt ein Wechselgrund.

Von einem Jobwechsel versprechen sich laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Online-Stellenbörse Jobware rund 30 Prozent der Befragten ein höheres Einkommen - und das kriegen Sie in der Regel auch. So bestätigt eine Umfrage des Personaldienstleisters Experis unter 1049 Arbeitnehmern, dass 56 Prozent der Befragten mit dem neuen Arbeitsplatz auch mehr Gehalt bekommen. Marcus Schmidt, Geschäftsführer der Personalberatung Hanover Matrix, sagt: "Steigerungen um zehn Prozent liegen dabei im Normbereich."

Foto: Fotolia

Gestiegene Anforderungen
Immer mehr, immer schneller: Sie müssen immer mehr Arbeit bestenfalls in der gleichen, am liebsten aber in der Hälfte der Zeit, erledigen? Kollegen, die in den Ruhestand gehen oder kündigen werden nicht ersetzt, sondern die Arbeit bleibt an den übrigen Mitarbeitern hängen? Wenn es sich nicht nur um kurze Stressphasen - beispielsweise wegen Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen - handelt, sind stetig steigende Anforderungen ohne entsprechende (pekuniäre) Würdigung für 17 Prozent ein Grund für eine Kündigung. Wenn Sie dem wachsenden Arbeitsberg nicht mehr Herr werden und auch keine Besserung in Sicht ist, wäre ein Jobwechsel eine Option.

(Quelle: Umfrage des Personaldienstleisters Kelly Services unter 2200 Beschäftigten)

Foto: Fotolia

Langeweile

Doch auch das Gegenteil gibt es häufig: Die Aufgaben, die Sie zu erledigen haben, sind überschaubar - und vor allem monoton. Sie langweilen sich nine to five. Bei einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter mehr als 2400 Fachkräften sagte beispielsweise jeder zweite deutsche Arbeitnehmer, dass er für die Chance auf mehr Abwechslung sofort bei einem neuen Arbeitgeber anheuern würde. Und ein Jobwechsel kann dann tatsächlich etwas bewirken. Die Experis-Umfrage unter 1049 Jobwechslern zeigt, dass 46 Prozent derer, die den Schritt gewagt und gekündigt haben, ihre Tätigkeit nun für vielfältiger halten. Ein Viertel der Studienteilnehmer bemerkte, dass sich das sehr positiv auf die eigene Motivation auswirkte.

Foto: dpa

Pendeln

Deutschland ist ein Land der Pendler: Jeder fünfte verbringt einen Teil seiner "Freizeit" im Stau auf dem Weg zur Arbeit beziehungsweise nach Hause oder steht in Bussen und Bahnen. Rund 1,5 Millionen Menschen haben einen Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometern. Laut der Bundesagentur für Arbeit gelten zweieinhalb Stunden Weg allerdings als zumutbar. Aber mal ehrlich: Sind Sie damit zufrieden? Täglich rund fünf Stunden unterwegs, neun Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen - dann bleiben Ihnen zwei Stunden Zeit für Familie, Freunde, Haushalt, essen, Sport und entspannen. Auf Dauer macht das nicht nur unzufrieden, sondern auch krank.

Laut der Studie des Personaldienstleisters Kelly Services von 2011 nagt die tägliche Pendelei ins Büro bei 16 Prozent der Befragten an der Motivation. Wenn Umziehen keine Option ist, hilft nur, sich einen Arbeitsplatz am Wohnort zu suchen.

Foto: AP

Zeit für die Familie

Ob wegen Pendelei, Arbeitsberg oder Überstunden - manchmal fehlt einfach die nötige Zeit für Freunde, Familie und Privatleben. In diesem Fall müssen Sie sich die Frage stellen, ob Ihnen Ihr Job das Wert ist. "Jede Lebenssituation ist anders und auch die Ziele können im Lauf der Zeit variieren", sagt Beraterin Cohausz. Wenn es für den Berufseinsteiger noch völlig in Ordnung war, 60 Stunden die Woche zu arbeiten und durch die Welt zu jetten, ist dieses Modell für junge Eltern gänzlich ungeeignet. Auch für den älteren Arbeitnehmer wäre ein anderes Arbeitsmodell eventuell sinnvoll, auch wenn das alte Jahre lang gut funktioniert hat.

"Ein Seiten- oder Rückschritt kann für eine ruhigere Phase im Leben, etwa um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, sinnvoll und wichtig sein", sagt Cohausz. Auch ein Funktions- oder Branchenwechsel können sinnvoll sein. Fragen Sie sich: Wo möchte ich in zehn Jahren stehen? Bringt mich der Schritt dorthin? Ist mir Führungsverantwortung wirklich wichtig?

Foto: Fotolia

Karrierechancen

Für viele soll es allerdings nicht seit- oder rückwärts, sondern nach vorne gehen. Aber viele können in ihrem Unternehmen maximal 67 werden, mehr geben die Perspektiven nicht her. Wer mehr von seinem Berufsleben möchte, muss sich in diesem Fall nach einem neuen Job umsehen.

Tiemo Kracht, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kienbaum empfiehlt unzufriedenen Arbeitnehmern zu überprüfen, ob die Unternehmens- und Ertragsentwicklung eine tragfähige Basis für eine weitere Karriere bietet. "Wenn die nächste Führungsebene, für die Sie sich vorbereitet haben, mit einem Kandidaten besetzt wird, der jünger, im gleichen Alter oder geringfügig älter ist, kann der nächste Karriereschritt auf Jahre versperrt sein", sagt er.

Foto: Fotolia

Burnout

Die Zahl der Gestressten und psychisch Erkrankten wächst seit Jahren bedenklich. Burnout gilt längst als Volkskrankheit. Psychologen attestieren immer mehr Arbeitnehmern, vollkommen ausgebrannt zu sein. Überall schwelt der Frust. Und mit ihm die Bereitschaft, den Job zu wechseln. Wer wegen Überlastung im Job psychische Probleme bekommt, sollte neben einer Therapie unbedingt auch über einen Job- oder zumindest Arbeitsplatzwechsel nachdenken. Hier finden Sie einige Tipps, die vor einem Burnout schützen können.

Foto: dpa

Unmögliche Arbeitszeiten

Ein Auslöser für Burn-out, zumindest aber ein Garant für Unzufriedenheit und damit den Wunsch nach einem Jobwechsel, sind unmögliche Arbeitszeiten. Für 32 Prozent der Arbeitnehmer sind immer längere Arbeitszeiten und regelmäßige Überstunden ein Grund, den Arbeitgeber zu wechseln.

Foto: Fotolia

Arbeitsklima

Aber nicht nur die Bedingungen, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern aufoktroyiert, können die Lust am Arbeiten schmälern, auch das vorherrschende Arbeitsklima kann ein Motivationskiller sein. Wenn Sie weder mit Ihrem Chef noch den Kollegen auf Dauer zusammen arbeiten können oder wollen, müssen Sie gehen. Sonst machen Sie sich unglücklich. "Spaß und Freude an der Aufgabe und jeden Morgen gerne ins Büro zu gehen, sind absolute Voraussetzung für einen erfolgreichen Job. Nur lassen sich die eigenen Stärken voll für das Unternehmen einsetzen", bestätigt auch Heike Cohausz von P4 Career Consultants. Und die Experis-Studie zeigt, dass ein Drittel der Jobwechsler das Arbeitsklima im neuen Unternehmen als angenehmer empfindet.

Das hat laut Experis-Geschäftsführer Attilio Berni aber nicht zwangsläufig etwas mit netteren Vorgesetzten oder Kollegen zu tun. "Vielmehr kommen die Mitarbeiter positiv eingestellt in den neuen Job, was sich auf ihr Umfeld auswirkt", sagt Berni.

Foto: Fotolia

Worauf muss ich bei diesem so entscheidenden Foto achten?

Sparen Sie nicht an den Bewerbungsfotos. Zwischen 50 und 150 Euro sollten Sie dafür schon ausgeben. Der Fotograf sollte sich Zeit für Sie nehmen und mit Ihnen über Ihre Erwartungen sprechen. Nehmen Sie verschiedene Outfits mit. Mit Krawatte, ohne Krawatte, mit Jackett oder nur im Hemd. Schwarz-Weiß Fotos sind nach meiner Erfahrung besser für Bewerbungen geeignet.

Warum?

Weil der Betrachter sich den Kandidaten nochmals vorstellten muss – vor seinem inneren Auge – und diese Leistung zu noch mehr Sympathiezuschreibung führen kann. Und Sympathie ist die Basis von Vertrauen und Vertrauen die Basis von Zutrauen. Darum geht es ja schlussendlich, dass Ihnen zugetraut wird, Sie können den Job.

Gehören Hobbys in den Lebenslauf?

Unbedingt. Der Vorgesetzte möchte schließlich wissen, mit wem er es zu tun hat und Sie können damit Ihr Image beeinflussen. Hierbei geht es um Sympathie und nicht um gut oder schlecht. Listen Sie Golf spielen oder Fechten bei Ihren Hobbys auf, findet der eine das snobistisch, der andere teilt Ihr Interesse vielleicht sogar.      

Auch die Bewertung der eigenen Sprachkenntnisse stellt viele Bewerber vor Herausforderungen. Was tun?

Waren Sie längere Zeit im englischsprachigen Ausland, können Sie in den meisten Fällen getrost verhandlungssicher oder fließend schreiben. Sie können sich auch mit Schulnoten von sehr gut bis befriedigend einschätzen. Ausreichend sollten Sie nicht schreiben – dann doch lieber Grundkenntnisse. Das hört sich besser an. 

Gibt es auch für das Anschreiben wichtige Tipps?

Natürlich. Finden Sie heraus, an wen das Anschreiben geht. Eine personalisierte Anrede ist immer besser als „Sehr geehrte Damen und Herren“. Außerdem sollte das Schreiben kurz gehalten werden und nach dem Prinzip „Ich-Du-Wir“ verfasst werden.  Im Idealfall stellt das Anschreiben eine Kurzzusammenfassung dar, wer ich bin, was ich geleistet habe und was ich für den neuen Auftraggeber gerne tun möchte. 

Was noch?

Am Ende des Anschreibens kann es nicht schaden, ein kleines P.S. einzubauen. Denn an solchen Formeln bleibt das menschliche Auge hängen. Da könnte zum Beispiel stehen:

Über Ihren Webauftritt würde ich sehr gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen, denn...

Oder: Zu Ihrem neuen Projekt, über das ich gelesen habe, würde ich gerne anmerken... 

Nehmen wir an ich habe Ihre Ratschläge befolgt und werde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Was ziehe ich an?

Das ist in der Tat sehr wichtig. Bei uns hat sich mal jemand in kurzen Hosen vorgestellt. Das geht überhaupt nicht – egal wie warm es draußen ist. Auch die Damen sollten sich nicht zu freizügig kleiden. Sexy Tops sind beim Vorstellungsgespräch unangebracht und wirken unseriös. Dennoch gibt es Unterschiede. Ein Banker wird sich anders kleiden als der neue kreative Kopf einer Marketingagentur. Im Zweifelsfall lieber overdressed als underdressed. Ansonsten gilt: schlichte Eleganz.

Auf welche Fragen sollte ich auf jeden Fall vorbereitet sein?

Ganz klar die Klassiker: Warum bewerben Sie sich bei uns? Und:  Warum sollen wir uns für Sie entscheiden?   Aber auch: Erzählen Sie uns etwas von sich? Dabei ist es wichtig innerhalb von zwei oder drei Minuten ein ausdruckstarkes Bild von sich selbst zu zeichnen und auf den Punkt zu kommen. Sie sollten  dabei immer herausstellen, was Sie dem Unternehmen bieten können.

Vor allem Berufseinsteiger tun sich schwer, wenn es um die Gehaltsvorstellung geht. Wie finde ich heraus, wie viel angemessen ist?

Mit ein bisschen Recherche im Internet sollte das kein Problem sein. Es gibt sehr gute Gehaltsrechner mit realistischen Einschätzungen je nach Branche, Region und Unternehmensgröße.

Am Ende des Vorstellunggesprächs wird oftmals gefragt, ob der Bewerber noch Fragen hat. Was sollte ich in diesem Fall ansprechen?

Stellen Sie inhaltliche Fragen. Zum Beispiel: Welche Aufgaben kurz -, mittel- und langfristig auf Sie zukommen würden. Damit zeigen Sie, dass Sie sich vorbereitet haben und am Job interessiert sind. Fragen nach Überstundenregelung  oder Urlaubstagen sind unpassend. 

Das Vorstellungsgespräch ist gut gelaufen und ich warte auf Rückmeldung, höre aber länger nichts von meinem potentiellen Arbeitgeber. Wann sollte ich mich nochmal melden?

Haben Sie bei der Verabschiedung keinen konkreten Termin für die Rückmeldung ausgemacht, ist es ratsam sich nach drei bis sechs,  spätestens neun Tagen nochmal zu melden – am besten per Email. Bedanken Sie sich  für das angenehme Gespräch, betonen Sie Ihr Interesse an dem Job und fragen Sie höfflich nach, wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können. So bleiben Sie in Erinnerung.       

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