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GebäudeversicherungWie Sie Haus und Hof vor Katastrophen schützen

Das Hochwasser hat riesige Flächen in Deutschland fest im Griff, die Schäden gehen in die Milliarden. Alte und neue Hausbesitzer fragen sich, wie sie ihr Gebäude versichern sollen. Worauf bei einer Wohngebäudeversicherung zu achten ist, welche Fallstricke lauern.Andreas Toller 19.06.2013 - 10:32 Uhr

Wenn das Hochwasser schwindet, werden die immensen Schäden erst sichtbar.

Foto: dpa

Die Wasserpegel in den überschwemmten Gebieten sinken nur langsam. In Süd- und Ostdeutschland ist es in den Überschwemmungsgebieten vielerorts zu früh, um die Folgen des Hochwassers abschätzen zu können. Dennoch gehen viele Beobachter davon aus, dass die Schäden jene der „Jahrhundertflut“ von 2002  übersteigen. Die Ratingagentur Fitch schätzt bereits den volkswirtschaftlichen Schaden auf zwölf Milliarden Euro. Versichert seien allerdings nur Schäden in Höhe von geschätzten 2,5 bis drei Milliarden Euro. Die klaffende Finanzlücke bei den Kosten für die Schadenbeseitigung wollen nun Bund und Länder durch einen Fonds in Höhe von vorerst acht Milliarden Euro schließen – auf Kosten der Steuerzahler. Wie schon 2002 ist daher zwischen Politik, Versicherungsbranche, Verbraucherschützern und Wissenschaftler eine lebhafte Debatte um eine mögliche Pflichtversicherung gegen Naturkatastrophen entbrannt.

Hochwassergebiete in Deutschland (zum Vergrößern bitte anklicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Mühsames Aufräumen

Für viele Hausbesitzer beginnt nach der Flut die schwerste Zeit, denn um dauerhafte Schäden oder die endgültige Zerstörung des Wohnraums zu verhindern, müssen Schlamm und Unrat so schnell wie möglich entfernt und die Gebäude wieder trocken gelegt werden. Das kostet viel Zeit, Nerven und Geld. Parallel beginnt die Schadenregulierung mit der Versicherung, sofern der Eigentümer oder Bewohner überhaupt eine Wohngebäude- und Hausratversicherung abgeschlossen hat. Schließlich erfordern geflutete Gebäude nicht selten umfangreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen, um sie wieder bewohnbar zu machen. Einnahmeausfälle wegen unbezahlten Urlaubs der Betroffenen oder bei Ladenbesitzern und Gewerbetreibenden kommen noch hinzu.

Die Versicherungsbranche hat die Deutschlandkarte in Risikozonen in vier unterschiedlichen Stufen aufgeteilt. Risikozone 1 bedeutet etwa, dass Hochwasser nicht einmal alle 200 Jahre auftritt, in Risikozone 4 ist hingegen alle zehn Jahre damit zu rechnen. Doch das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS Geo), das praktisch alle Versicherer für die Risikoeinschätzung bei der Wohngebäude- und Elementarschadenversicherung nutzen, könnte vor einer Überarbeitung stehen. Schließlich nehmen Naturkatastrophen der Versicherungswirtschaft zufolge immer mehr zu – und betreffen nicht nur die bekannten Hochwassergebiete, sondern praktisch jeden. Denn nicht nur durch überlaufende Flüsse und gebrochene Deiche können das Hab und Gut unter Wasser setzen, sondern auch durch sintflutartige Regenfälle oder ein Rückstau in der Abwasserkanalisation. „In Deggendorf etwa liegen viele der betroffenen Gebäude in den Risikozonen 1 und 2 und wären somit problemlos versicherbar.“, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Oft geht es um die Frage, wie ernst die Hausbesitzer das Risiko nehmen. Starkregen etwa, der Ende Mai in Niedersachsen das Hochwasser auslöste, betrifft nach Forschungsergebnissen alle Regionen, und ist auch für Lagen weitab vom Fluss ein Risiko. Hier geht es darum, aufzuklären und zu informieren.“

Das Ernst-Abbe-Stadion in Jena (Thüringen) ist vom Hochwasser der Saale überflutet. Wie in anderen Landesteilen sollen auch hier die Schulen und Kindergärten am Montag und Dienstag geschlossen bleiben.

Foto: dpa

So ein Hochwasser wurde für die Dreiflüssestadt Passau nicht vorhergesagt: In der Nacht zum Sonntag stieg der Wasserstand innerhalb weniger Stunden auf mehr als 9,50 Meter - weite Teile der Altstadt sind überflutet. Viele Menschen wurden von den Wassermassen überrascht und können ihre Häuser nicht mehr verlassen oder betreten. Am Sonntagmittag löste die Stadt gar Katastrophenalarm aus.

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In Würzburg wurde das bis zum 2. Juni geplante Africa-Festival wegen Hochwassers vorzeitig abgebrochen. Auch auf dem Main wurde die Schifffahrt unterbrochen.

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In der sächsischen Stadt Chemnitz ist der gleichnamige Fluss über die Ufer getreten und überschritt kurzzeitig die Schwelle der Hochwasser-Alarmstufe 4. Für die Zwönitz galt bereits die höchste Alarmstufe. Auch in Zwickau und im Landkreis Leipzig riefen die Behörden den Katastrophenfall aus. In Zwickau begann die Evakuierung eines Ortsteils. Das Wasser der Mulde war dort nur noch wenige Zentimeter von der Dammkrone entfernt.

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Die Hochwasserstände vergangener Jahre sind im Zentrum von Grimma (Sachsen) in einer überschwemmten Straße an einer Mauer angezeichnet. Nach tagelangen Regenfällen ist die Lage an den Flüssen angespannt: Nach einer ruhigen Nacht stiegen die Pegelstände der Mulde allerdings wieder an. Es soll noch am Sonntag entschieden werden, ob es Evakuierungen geben wird.

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Die Verschalungen eines Brückenneubaus in Hartenstein (Sachsen) brechen in den Fluten der Zwickauer Mulde weg. Im Hintergrund ist die Burg Stein zu sehen.

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Auch auf dem Rhein wurde die Schifffahrt eingestellt: Wie hier unter der Rheinbrücke in Rheinfelden kam es in Baden-Württemberg zu vielen Überschwemmungen.

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In Tschechien droht die Moldau nach den starken Regenfällen der vergangenen Tage, die Prager Altstadt zu überfluten. Die Stadtverwaltung nannte die Hochwasserlage „sehr ernst“. Fahrten in die Moldaumetropole sollten vermieden werden, warnte die Behörde. Im August 2002 hatte Tschechien das schlimmste Hochwasser seiner Geschichte erlebt. Damals stand etwa ein Drittel des Landes unter Wasser, 17 Menschen kamen in den Fluten ums Leben.

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Damit Hausbesitzern nicht vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, wenn Naturgewalten oder andere Katastrophen Haus, Hab und Gut dahinraffen, raten Versicherer und Verbraucherschützer unisono zur Hausratversicherung sowie zur Wohngebäudeversicherung mit sogenanntem Elementarschutz. Damit seien die Menschen zumindest vor den finanziellen Folgen solcher Ereignisse weitgehend geschützt.

Wann springt die Hausratpolice ein?

Sie ersetzt bei Feuer, Einbruch, Diebstahl, Blitzschlag, Vandalismus, Explosion und Implosion, Sturm, Hagel oder Leitungswasser alle Schäden an Gegenständen im Haushalt. Zum Hausrat zählen zum Beispiel Möbel, Teppiche, Bekleidung, Haushaltsgeräte, Bücher oder Arbeitsgeräte. Auch Computer, Campingausrüstungen, Sportgeräte, Satellitenschüsseln oder Solaranlagen fallen darunter. Ersatz gibt es aber nur bis zur vereinbarten Versicherungssumme. Je wertvoller der Hausrat ist, desto mehr lohnt sich ein Versicherungsschutz.

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Was ist ebenfalls abgedeckt?

Die Hausratversicherung schließt auch Bargeld, Schmuck, Münzen, Gold und Kunstwerke mit ein. Aber: Die Entschädigung für Wertsachen ist meist auf 20 Prozent der Versicherungssumme begrenzt, sofern nicht mehr vereinbart wurde. Wird Geld nicht im Tresor aufbewahrt, ist eine Entschädigung in der Regel auf 1500 Euro beschränkt. Das Limit für Sparbücher, Urkunden oder sonstige Wertpapiere liegt meist bei 2500 Euro. Teure Fahrräder oder E-Bikes sind nicht automatisch mitversichert. Der Schutz muss ausdrücklich vereinbart werden. Gleiches gilt für Überspannungsschäden an Fernsehern oder Computern nach Gewittern.

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Wie hoch muss die Versicherungssumme sein?

Sie sollte im Idealfall genau dem Betrag entsprechen, der nötig ist, um nach Totalverlust den Wohnstandard ohne finanzielle Einbußen wiederherzustellen. Bei vielen Verträgen geht die Summe wegen dynamischer Anpassungsklauseln zwar automatisch über die Jahre etwas nach oben, deckt aber trotzdem lange nicht den wahren Wert des Hausrats ab. Wer Lücken schließen und im Ernstfall nicht den Großteil des Schadens aus eigener Tasche zahlen will, kann seinen Versicherungsbedarf mit Hilfe der kostenlosen Liste der Stiftung Warentest aktualisieren.

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Was passiert bei Unterversicherung?

Verbraucher versuchen immer wieder, die Versicherungssumme bewusst zu niedrig anzusetzen, um am Beitrag zu sparen. Das kann sie teuer zu stehen kommen: Ist der Hausrat wertvoller als die versicherte Summe, zahlt der Versicherer auch nach kleinen Schäden nur einen Teil des Verlusts. Beispiel: Die Wohnungseinrichtung hat einen Wert von 60.000 Euro. Die Police lautet aber nur auf 30.000 Euro. Muss der Teppich nach einem Wasserschaden herausgerissen und für 2000 Euro ersetzt werden, übernimmt der Versicherer wegen Unterversicherung nur die Hälfte, also 1000 Euro.

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Was, wenn der Versicherer pauschal rechnet?

Häufig ist die Versicherungssumme von der Assekuranz vorgegeben, in der Regel mit 650 Euro pauschal je Quadratmeter Wohnfläche. Bei 80 Quadratmetern wäre der Bewohner damit bis 52.000 Euro abgesichert. Ist seine Einrichtung hochwertig, sei er mit der Pauschalmethode allerdings unterversichert, gibt Köster zu bedenken. Zugleich gilt: Ist der Hausrat zum vorgeschlagenen Mindestbetrag versichert, prüft der Versicherer im Schadensfall nicht, ob der Kunde unterversichert war. Aber Vorsicht: Schummeln und die Quadratmeterzahl niedriger ansetzen, kann zum Bumerang werden. Bei arglistiger Täuschung zahlt die Hausratversicherung gar nicht.

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Was tun bei Rädern?

Wer wertvolle Fahrräder oder E-Bikes angeschafft hat, sollte über eine Erweiterung seiner Police nachdenken. Der Mehrbeitrag liegt zwischen 15 und 30 Euro im Jahr (pro 1000 Euro Versicherungssumme). Hat der Tarif einen Nachtschutz, ist das Rad rund um die Uhr, also auch nachts und außerhalb der Wohnung gegen Diebstahl versichert. Fehlt der Passus und müssen die Räder nachts in den Keller oder Abstellraum, macht die Erweiterung oft keinen Sinn. Einen Rundum-Schutz bieten separate Policen von Fahrradclubs. Sie kosten zwischen 80 und 120 Euro im Jahr (pro 1000 Euro Versicherungssumme).

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Bringt ein Wechseln eine Ersparnis?

Häufig ja. Wer seinen Vertrag aktualisieren will, findet meist preiswerte Alternativen. Verträge können drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres gekündigt werden. Die Preisunterschiede sind riesig. Junge Leute, Familien oder Senioren können oft 200 bis 400 Euro im Jahr sparen, wenn sie auf ein günstigeres Angebot umsteigen, im Extremfall sogar 1000 Euro. Wechselwillige können sich bei Verbraucherzentralen kostenpflichtig beraten lassen oder online von der Stiftung Warentest gegen zwölf Euro Gebühr.

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Rein rechtlich

Hochwasser - Welche Pflichten hat der Vermieter?

Der Unterschied zwischen einer Hausrat- und einer Wohngebäudeversicherung ist am besten bildhaft zu erklären: Um zu wissen, welche Versicherung wofür zahlt, muss sich der Versicherungsnehmer nur vorstellen, er könne das bewohnte Haus auf den Kopf stellen. Alles, was dann aus dem Haus rausfällt, ersetzt im Schadenfall die Hausratversicherung. Alles, was fest installiert ist und im Haus bleibt sowie das Gebäude selbst sind ein Fall für die Wohngebäudeversicherung. In den Überschwemmungsgebieten bedeutet das zum Beispiel, dass Mieter, deren Teppiche, Möbel oder Fernseher unter Wasser standen, sich für Ersatz nur an die eigene Hausratversicherung wenden können. Die Wohngebäudeversicherung des Vermieters kommt für den Schaden der Mieter nicht auf.

Grundsätzlich gilt: Wer etwas mit Absicht zerstört, muss auch für den Schaden selber aufkommen. Bei Vorsatz zahlt die Versicherung nicht.

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Ebenfalls wichtig zu wissen: Die Haftpflicht erstattet jeweils nur den Istwert eines Gegenstandes, nicht den Neuwert.

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Wer länger ins außereuropäische Ausland muss, sollte sich seine Versicherung noch einmal ganz genau ansehen. Bei vielen Versicherungen gilt der Schutz außerhalb der EU nämlich nur für ein Jahr. Wer beruflich in die USA muss und dort nach zwei Jahren einen Schaden verursacht, muss also im schlimmsten Fall selber zahlen - trotz abgeschlossener Haftpflicht.

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Und noch eine schlechte Nachricht für Haftpflichtversicherte: Die Police deckt zwar viele Bereiche des Lebens ab, aber eben nicht alle: das Internet bleibt außen vor. Wer - unabsichtlich - einen Virus weiterverteilt und damit materiellen Schaden anrichtet, kann als Verursacher haften. Ob er den Virus programmiert hat, spielt in dem Fall keine Rolle.

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Auch für Schäden, die von Kindern unter sieben Jahren verursacht werden, zahlen die Versicherer in der Regel nicht. Kinder ab dem siebten Lebensjahr sind über die Haftpflichtversicherung der Eltern mitversichert.

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Haftpflichtversicherungen übernehmen teilweise Schäden, die von Haustieren verursacht werden. Wird allerdings ein Mensch von einem Tier gebissen oder anderweitig verletzt, muss der Halter, sofern er keine Tierhalter-Haftpflichtversicherung besitzt, für Arztkosten und Schmerzensgeld selber aufkommen.

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Auch für Schäden, die durch ein Auto entstehen, haftet die Privathaftpflichtversicherung nicht. Dabei ist es egal, ob man nun einen Unfall verursacht, sich ein paar Kratzer eingefangen oder Öl verloren hat. In diesen Fällen wird der Schaden über die KFZ-Haftpflichtversicherung abgewickelt.

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Wer sich dagegen von einem Bekannten Auto oder Rad leiht, sollte wissen, dass die private Haftpflicht nur für die Schäden zahlt, die mit der geliehenen Sache verursacht werden, nicht aber für die Sache selbst.

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Geht bei einem Umzug einem der Helfer etwas zu Bruch, zahlt die Haftpflicht des Geschädigten nur bei kleineren Summen. Wird allerdings ein teures Möbelstück zerstört, muss die Versicherung des Umzugshelfers beziehungsweise der Verursacher selbst für den Schaden aufkommen.

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Laufen Spül- oder Waschmaschine aus und verursachen in der Wohnung unten drunter einen Wasserschaden, zahlt die Versicherung. Bei Schäden zahlt die Haftpflichtversicherung allerdings nicht. Wer dann keine Hausratsversicherung hat, bleibt auf dem Schaden sitzen.

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Die Schäden, die die Versicherer regulieren, liegen bei Gebäudeschäden regelmäßig um ein Vielfaches höher als in der Hausratversicherung. Daher kommt der Wohngebäudeversicherung für Immobilienbesitzer auch die größere Bedeutung zu. Obwohl die Wohngebäudeversicherung von allen Seiten als ein Muss bezeichnet wird, ist sie dennoch keine Pflichtversicherung wie etwa eine Kranken- oder Kfz-Haftpflichtversicherung. Lediglich Häuser, die noch mit einem Hypothekenkredit belastet sind, benötigen eine Wohngebäudeversicherung, weil die Banken diese als Sicherheit verlangen. Bundesweit sind nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft schon rund 90 Prozent der Haushalte mit einer solchen Police ausgestattet. Aber nur ein Drittel ist auch mit der optionalen Elementarschadenversicherung ausgestattet. Zudem ist der gewählte Leistungsumfang ganz unterschiedlich. Wenn nun wegen des zweiten großen Hochwassers innerhalb von zehn Jahren Wirtschaftswissenschaftler, Justizminister und Umweltforscher die Einführung einer Pflichtversicherung fordern, bezieht sich das auch nur auf den Zusatzbaustein der Elementarschadenversicherung.

Zwei Drittel ohne Elementarschutz

Damit sind noch immer zwei Drittel der Gebäudeinhaber den Risiken einer Überflutung durch Hochwasser oder Starkregen, Erdbeben, Erdrutsche, Vulkanausbrüche, Lawinen oder Schneedruck finanziell ausgeliefert. Hilft nicht gerade wieder der Staat, müssen sie ihre Schäden aus eigener Tasche beseitigen. Die können schnell in die Zehntausende Euro gehen, bis hin zum Abriss und kompletten Neubau der Immobilie. Tatsächlich bekommt auch nicht jeder, der dies wünscht, einen Elementarschutz zu seiner Wohngebäudeversicherung. „Dort, wo das Risiko solcher Schäden besonders hoch ist, gibt es keinen Versicherungsschutz. Das ist auch nachvollziehbar, denn welchen Versicherungsbeitrag wollen Sie denn nehmen, wenn man weiß, alle zehn Jahre muss das Haus für 150.000 Euro saniert werden?“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. „Deshalb lässt sich das Problem nur lösen, wenn alle Bundesbürger in einen Topf einzahlen und damit automatisch gegen Elementarschäden versichert sind. So lässt sich auch für alle ein bezahlbarer Versicherungsbeitrag ermitteln.“

Die Top Ten

Das Rating der Ratings von Manfred Poweleit fasst die Ergebnisse in den fünf umsatzstärksten Versicherungssparten auf Konzernebene zusammen. Dies sind die Lebens-, Kranken-, Auto-, Hausrat- und Wohngebäudeversicherung. Dabei gibt es zwölf Punkte für ein hervorragendes Rating, genannt „mmm“, zehn Punkte für ein sehr gutes Rating (mm), acht Punkte für eine gute Bewertung (m), sechs Punkte für ein befriedigendes

„m-“.

Map-Report-Herausgeber Manfred Poweleit urteilt: „Transparenz lohnt sich, auch wenn noch nicht alle Ergebnisse des Unternehmens und seine Produkte optimal sind. Denn Erfolg beginnt mit der richtigen Einstellung zum Verbraucher.“

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Platz 10: Cosmos Direkt

Der Direktversicherer ist wie einige andere Versicherer aus dem Hause der Generali Deutschland kein Datenverweigerer. Allerdings verkaufen die Saarbrücker keine Krankenversicherungen. Dies ist in dem Konzern die Aufgabe der Central. Platz zehn ist daher ein gutes Ergebnis. Allerdings fällt auf: Zwei Sparkassenversicherer und eine Gruppe aus Hannover mit dem gleichen Handicap liegen noch ein wenig besser.

Foto: Screenshot

Platz 9: VHV/Hannoversche
Die Gruppe fällt durch ihre prominenten Werbepartner auf: Dieter Bohlen und Anke Engelke. In Leben, Auto und Hausrat kommt sie auf gute Bewertungen beim Map-Report.

Foto: Presse

Platz 8: Öffentliche Braunschweig
Der Sparkassenversicherer arbeitet nur im Raum Braunschweig, dort verfügt er aber über sehr hohe Marktanteile. Das Unternehmen belegt zudem, dass sich ein hoher Marktanteil und gute Bewertungen nicht ausschließen. Zudem ist die Gruppe ein Beispiel dafür, dass hohe Prämieneinnahmen kein Gütesiegel für gute Produkte und Zufriedenheit der Kunden sein müssen. Nachholbedarf gibt es allerdings in der Gebäudeversicherung.

Foto: Screenshot

Platz 7: Provinzial Nordwest

Die drittbeste Bewertung in der Gruppe der Sparkassenversicherer holt sich der Versicherer aus Münster, der derzeit mit den Kollegen aus Düsseldorf über eine Fusion verhandelt. Da eine Krankenversicherung fehlt, ist eine höhere Platzierung nicht möglich. Vor allem in der Auto-, Hausrat- und Gebäudeversicherung ist der Versicherer stark – dank seiner regionalen Verankerung.

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Platz 6: Ergo

Der Versicherer, um den es in den vergangenen Jahren viele Diskussionen gab, entzieht sich offenbar keinem wichtigen Rating, auch wenn die Ergebnisse mitunter nicht so gut ausfallen. Der Lohn: ein guter Platz hinter der Spitze und deutliche zehn Plätze vor dem großem Konkurrenten Allianz. Top-Bewertungen erhält die Ergo-Tochter DKV in der Krankenversicherung, gut schneidet die Autoversicherung ab, eher mäßig liegen noch die anderen Sparten.

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Platz 5: Huk-Coburg

Der Versicherer ist überraschend aus den Medaillenrängen herausgefallen. Der Grund: Die Gruppe entzog sich überraschend erstmals dem jüngsten Rating in der Krankenversicherung, obwohl in diesem Bereich vorher immer gute Ergebnisse zu Buche standen. Der Grund: Kapazitätsengpässen durch die Einführung der Unisex-Tarife. Auch die Huk-Gesellschaft Pax-Familienfürsorge stellte keine Daten zur Verfügung. Ansonsten sammelte die Huk in den anderen Bereichen nur Höchstnoten.

Foto: dpa

Platz 4: VGH

Der große Sparkassenversicherer aus Hannover profitiert im Gegensatz zur Provinzial Nordwest davon, dass er auch einen Krankenversicherer in der Gruppe hat. Top in Auto und Hausrat, gut in Kranken und Gebäude, befriedigend in Leben.

Foto: Presse

Platz 3: Öffentliche Oldenburg

Der kleine Sparkassenversicherer aus Niedersachsen schaffte den Sprung aufs Podium aus zwei Gründen: Die Huk beteiligte sich nicht am Krankenrating. Und gegenüber der benachbarten VGH erhielt der öffentliche Versicherer in der Gebäudeversicherung die Top-Note. Die Gruppe profitiere von der Neuordnung ihrer Krankenversicherungsaktivitäten mit Provinzial Kranken/Alte Oldenburger.

Foto: CLARK/obs

Platz 2: DEVK

Der Versicherungsverein aus Köln ist dem Klassensieger dicht auf den Fersen. Nur in der Krankenversicherung reichte es noch nicht zu der Top-Bewertung. Deshalb bleibt am Ende die Silbermedaille.

Foto: Handelsblatt

Platz 1: Debeka
Der Versicherungsverein aus Koblenz liegt traditionell in den Ratings des Map-Reports weit vorne. Die Gruppe arbeitet sehr kostenbewusst und verfügt im Gegensatz zu anderen Gruppen über einen angestellten Außendienst. Als einziger Versicherer kassiert die Debeka in allen Wertungsbereichen die Höchstnote.

Foto: dpa

Die besten Fünf im Vergleich

Das sind die Sieger im Rating des Branchendienstes Map-Report.

Foto: Handelsblatt

Wer es nicht unter die Top Ten geschafft hat

Einige große Versicherer rangieren relativ weit hinten. Der Grund ist: Sie beteiligen sich am Map-Report-Rating nur in Versicherungsbereichen, wo sie offenbar mit einem guten Ergebnis rechnen. Map-Herausgeber Manfred Poweleit sagt dazu: „Demnächst sollen Hausrat/Wohngebäude aktualisiert werden. Mehrere prominente Marktteilnehmer haben dann die Chance, Punktedefizite im Rating der Ratings abzubauen.“

Foto: dpa

Signal Iduna

Der Versicherer aus Dortmund schafft es in der Rangliste nur auf Platz 15. Der Grund: In der Hausrat- und Gebäudeversicherung entzog sich der Konzern einer Bewertung durch Map-Report, weil keine Daten geliefert wurden.

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Allianz

Der größte Versicherungskonzern Deutschlands rangiert bloß auf Platz 16. Der Grund: Keine Bewertung in der Auto-, Hausrat- und Gebäudeversicherung. Insbesondere in der Autoversicherung fällt dies auf, weil die Allianz dort im Privatkundengeschäft die führende Stellung an den Konkurrenten Huk-Coburg abgeben musste.

Foto: dpa

R+V

Der große Versicherer aus dem Genossenschaftssektor liegt auf Platz 17. Der Grund ist wie bei der Allianz: Keine Bewertung in der Auto-, Hausrat- und Gebäudeversicherung.

Foto: R+V

Foto: WirtschaftsWoche

R+V

Der große Versicherer aus dem Genossenschaftssektor liegt auf Platz 17. Der Grund ist wie bei der Allianz: Keine Bewertung in der Auto-, Hausrat- und Gebäudeversicherung.

Foto: Presse

Versicherungskammer Bayern (VKB)

Der größte Sparkassenversicherer erreicht bloß Platz 22. Nur in der Auto- und der Lebensversicherung beteiligten sich die Münchner am Map-Rating. Da sind etliche andere Sparkassenversicherer wesentlich transparenter.

Foto: WirtschaftsWoche

Versicherungskammer Bayern (VKB)

Der größte Sparkassenversicherer erreicht bloß Platz 22. Nur in der Auto- und der Lebensversicherung beteiligten sich die Münchner am Map-Rating. Da sind etliche andere Sparkassenversicherer wesentlich transparenter.

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Nürnberger

Nur Platz 28 für die große Gruppe aus Franken. Schlechte Ratings in der Leben- und Krankenversicherung und keine Bewertung in den anderen Kategorien.

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Alte Leipziger/Hallesche

Platz 36 für den Versicherer, der in der Lebensversicherung so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und der regelmäßig für seine Kapitalstärke gelobt wird. Allerdings beteiligt sich die Gruppe nur in der Krankenversicherung am Map-Rating. Der Grund: Die Bewertung ist in dieser Sparte gut.

Foto: Presse

Generali

Insgesamt hat der Map-Report 40 Versicherungsgruppen bewertet, teilweise aber nur in einer Kategorie. Völlig entzogen haben sich zwei wichtige Versicherer der Generali Deutschland, nämlich Generali Leben aus München und die Aachen-Münchener.

Foto: dpa

Aachen Münchener

Der Kooperationspartner des Finanzvertriebs DVAG beteiligt sich ebenfalls nicht am Map-Rating.

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Axa

Auch der große Konkurrent der Allianz in Europa, die Axa, lässt sich in Deutschland vom Map-Report nicht beurteilen.

Foto: REUTERS

Fraglos würde eine Pflichtversicherung die Risiken dieser wenigen Nicht-Versicherbaren auf die breite Solidargemeinschaft verteilen und die Beitragshöhe im Zaum halten. Die Versicherungswirtschaft will davon dennoch nichts wissen. „Wir reden hier von einem Prozent der Fälle, wo der Versicherer rausfährt, sich Grundstück und Haus anschaut und mit dem Versicherungsnehmer darüber redet, was für Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit hier eine Elementarschadenversicherung möglich ist. Das können wasserdichte Fenster und Türen sein, Schutzmauern oder höhere Selbstbehalte“, sagt Kathrin Jarosch vom GDV. “Von diesen Fällen bleibt dennoch ein Teil, die wirtschaftlich nicht sinnvoll versicherbar sind.“

Zudem fürchtet die Versicherungsbranche, dass der Anreiz, möglichen Schadenquellen zu beseitigen oder geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen weder bei der öffentlichen Hand – die zum Beispiel für den Deichbau verantwortlich ist – noch bei den Hauseigentümer nach Einführung einer Pflichtversicherung verloren geht. Schließlich müsste im Schadenfall die Versicherung bezahlen.

Egal, ob Pflichtversicherung oder freiwillig: Fakt ist, dass immer noch viele Gebäude nicht gegen Elementarschäden versichert sind, obwohl dies durchaus möglich sei und der Schutz durchaus an die individuellen Bedürfnisse der Hausbesitzer angepasst werden kann. „Gut 90 Prozent der Gebäude sind für weniger als 100 Euro im Jahr gegen Elementarschäden versicherbar. Bei der Wohngebäudeversicherung ist das Spektrum sehr breit und sehr individuell“, sagt Jarosch.

World Insurance Report

Nur jeder Dritte ist zufrieden mit seiner Versicherung

Platz zehn: Die Glasbruchversicherung
Eine Glasbruchversicherung lohnt sich eigentlich nur, wenn Sie einen Wintergarten besitzen oder ihr gesamtes Haus verglast ist – womöglich noch mit verspiegeltem Spezialglas. Andernfalls ist es deutlich günstiger, wenn Sie eine kaputte Scheibe selber bezahlen, als jeden Monat ein paar Euro dafür zu zahlen, dass Sie vielleicht einmal eine Scheibe ruinieren.
Quelle: Bund der Versicherten e.V.

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Platz neun: Die Brillenversicherung
Wer eine Brillenversicherung abschließt, bekommt den Wert seiner Brille im Schadensfall nicht vollständig ersetzt. Die Versicherung zahlt ein neues Gestell, wenn die Brille zerbrochen oder beschädigt oder mindestens zwei Jahre alt ist. Einfache Gläser gibt es nur bei Beschädigung oder einer deutlichen Sehstärkenveränderung (mindestens 0,5 Dioptrien). Wer spezielle Gläser oder eine schicke Fassung statt des Kassenmodells will, zahlt kräftig dazu. Also ganz so, wie beim Brillenkauf an sich auch.

Foto: dpa

Platz acht: Die Krankenhaustagegeldversicherung
Ob die Krankenhaustagegeldversicherung die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, ist mehr als fraglich. Mit diesem Argument bieten jedenfalls Versicherer solche Policen an.

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Platz sieben: Die Reisegepäckversicherung
Wer sein Reisegepäck gegen Diebstahl und Schaden versichern will, muss es trotzdem hüten, wie seinen Augapfel. Sonst zahlt die Versicherung nämlich nicht. Koffer dürfen nicht unbeaufsichtigt sein, Wertgegenstände sind in der Regel nur unzureichend mitversichert. Grundsätzlich werfen die Versicherer ihren Kunden gerne vor, grob fahrlässig mit dem Gepäck umgegangen zu sein. Der Geschädigte muss das Gegenteil beweisen können.

Foto: dapd

Platz sechs: Die Handyversicherung
Wer ein Handy versichern möchte, sollte wissen, dass er bei Verlust oder Diebstahl nur den aktuellen Wert, nicht aber den Kaufpreis zurückerstattet bekommt – und den auch nicht vollständig. Ein neues Handy zu kaufen, dürfte nervenschonender sein.

Foto: AP

Platz fünf: Die Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung
Wenn eine Hochzeit platzt, ist das für alle Beteiligten schon unschön genug. Eine Versicherung, die die Stornokosten für Partylocation, Hochzeitstorte und Kleid anteilig übernimmt, macht es auch nicht besser. Schon gar nicht, wenn sie nur dann greift, wenn Braut oder Bräutigam schwer erkranken oder die Wohnung des Brautpaares am Hochzeitsmorgen in Flammen steht.

Foto: dpa

Platz vier: Die Versicherung gegen „häusliche Notfälle“
Sie haben sich ausgesperrt? Ihre Heizung ist ausgefallen? In solchen und anderen Fällen werden Sie vermutlich einen Notdienst rufen. Zwar kostet das mehr als der Handwerker üblicherweise, aber in finanzielle Not geraten Sie damit sicherlich nicht. Deshalb wird sich eine Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ kaum für Sie auszahlen. Denn die träte auch nur begrenzt ein. Mieter müssen ohnehin nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben.

Foto: dpa

Platz drei: Die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr
Diese Police ist eine „Milchmädchen-Rechnung“: Denn sie zahlt sich keineswegs aus: Den Betrag, den Sie nachher zurückbekommen, haben Sie vorher zusätzlich einbezahlt. Obendrein wird die Erstattungssumme nur mäßig verzinst. Wenn Sie genau hinschauen, sind auch die Versicherungsleistungen meistens nicht ausreichend.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz zwei: Die Insassenunfallversicherung
Verursachen Sie einen Unfall, springt Ihre eigene Kfz-Haftpflicht ein. Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung. Auf eine zusätzliche Insassenunfallversicherung können Sie also verzichten.

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Platz eins: Die Sterbegeldversicherung
Die unnötigste Police ist laut dem Bund der Versicherten e.V. die Sterbegeldversicherung. Den Titel bekam sie, weil sie eine geldzehrende Kapitallebensversicherung sei. Wer sie abschließt, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen. Wer seinen Angehörigen teure Beerdigungskosten ersparen will, sollte also lieber auf eine vernünftige Geldanlage setzen.

Foto: Fotolia

Höchste Zeit also, sich um einen geeigneten Versicherungsschutz zu kümmern. Da die Versicherer nach dem Hochwasser in diesem Jahr ihre Risikoeinstufungen ändern und aufgrund der hohen Schadensummen auch die Versicherungsbeiträge erhöhen könnten, kann es sich sogar lohnen, jetzt zügig einen Vertrag abzuschließen. Die gelten in der Regel für ein Jahr, sind aber auch mit drei Jahren Laufzeit zu bekommen. Nach Ende dieser Zeit verlängern sich die Verträge meist automatisch um ein weiteres Jahr. Dann hat der Versicherer allerdings auch das Recht, den Versicherungsbeitrag zu erhöhen. Will der Versicherungsnehmer die Beitragserhöhung nicht akzeptieren, kann er von seinem Kündigungsrecht Gebrauch machen und sich eine günstigere Versicherung suchen.

Im Schadenfall sowie zum Ende der Vertragsbindung haben sowohl Versicherung als auch Versicherungskunde ohnehin ein Kündigungsrecht. Kündigt allerdings der Versicherer, kann es für den Versicherten schwer werden, einen neuen Anbieter zu finden. Um das Risiko einer Kündigung durch den Versicherer zu minimieren, sollten Hausbesitzer besser darauf verzichten, in kurzer Abfolge viele kleine Schäden zu melden, denn auch kleine Schadensummen verursachen in den Assekuranzen üppige Bearbeitungskosten. Der Bund der Versicherten empfiehlt daher, Wohngebäudeversicherung mit einer Selbstbeteiligung abzuschließen, dem sogenannten Selbstbehalt. Der liegt üblicherweise 250 bis 500 Euro. Übernimmt der Versicherte Schäden bis zu dieser Höhe selbst, muss er auch weniger Beitrag zahlen. Bei einem Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche kann die Beitragsersparnis durchaus 100 Euro im Jahr betragen.

Was wird versichert?

Die meiste Wohngebäudeversicherungen versichert das Haus oder die Wohnung standardmäßig gegen Schäden durch Feuer, Sturm, Hagel, Blitzeinschlag, Leitungswasser, Explosion oder den Aufprall eines Flugzeuges. Das Gute daran: Wenn die Bleibe komplett durch eines dieser Ereignisse zerstört wird, zahlt die Versicherung einen gleichwertigen, aber modernen Neubau – auch wenn die Kosten dafür in Euro bemessen viel höher liegen, als der Marktwert des alten Hauses. Die Branche spricht dabei von einer gleitenden Neuwertversicherung. Dabei richtet sich die sich die Versicherungssumme an der Entwicklung des Baupreisindex, der die Entwicklung der Neubaukosten abbildet. Somit bietet eine Wohngebäudeversicherung einen immanenten Inflationsschutz. Umgekehrt können die Beiträge auch mit dem Anstieg von Baupreisindex und Versicherungssumme steigen.

Um eine Wohngebäudeversicherung zu beantragen, muss zunächst geklärt werden, wie hoch der Wert des Gebäudes ist. Dazu nutzen die Versicherer umfangreiche Fragebögen. Lange üblich war eine Wertermittlung nach den Versicherungswert von 1914. Basierend auf dem Preisgefüge vor hundert Jahren wird die Anpassung des Gebäudewerts mit dem Baupreisindex fortgeschrieben und Jahr für Jahr angepasst. So steht am Ende der Rechnung immer der Preis für einen gleichwertigen Neubau zu aktuellen Preisen. Aber immer mehr Versicherer gehen hier neue Wege. „Der Versicherungswert nach 1914 wird uns vermutlich nicht mehr lange erhalten bleiben. Es gehen die meisten Wohngebäudeversicherungen dazu über, die Versicherungssumme nach Quadratmetern Wohnfläche zu ermitteln – so wie es auch viele Hausratversicherungen machen“, stellt Bianca Boss vom Bund der Versicherten fest. Am Ende sollte dennoch ein vergleichbarer Wert stehen wie bei der Berechnung nach 1914. Wer ein Haus kauft, sollte keinesfalls einfach die Police der Voreigentümer übernehmen. Zum einen könnte die Versicherungssumme zu niedrig sein, weil zwischenzeitliche wertsteigernde Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen nicht berücksichtigt wurden. Zum anderen bieten aktuelle Versicherungen durchaus günstigere und leistungsstärkere Tarife als zum Beispiel vor 20 Jahren.

Ist der Gebäudewert ermittelt und die Versicherungssumme somit bekannt, geht es um die Auswahl der gewünschten Leistungen. Teilweise bieten Versicherer noch einzelne Policen gegen Feuer- oder Leitungswasserschäden an. Üblich und durchaus sinnvoll sind aber Wohngebäudeversicherung, die verschiedene Risiken im Paket versichern. Die Schadensummen sind in den einzelnen Sparten stark unterschiedlich. Der GDV hat den Schadenaufwand für 2012 vorläufig geschätzt: Von den Schäden in Höhe von insgesamt 4,1 Milliarden Euro entfallen voraussichtlich 930 Millionen Euro auf Feuerschäden, 560 Millionen Euro auf Sturm- und Hagelschäden sowie 60 Millionen Euro auf Elementarschäden wie etwa Hochwasser oder Erdrutsch. Der größte Kostentreiber aber sind Schäden durch Leitungswasser. Sie kosteten die Versicherer 2012 schätzungsweise 2,48 Milliarden Euro. Rohrbrüche und Frostschäden an Wasserleitungen sind somit für die Versicherungen der Kostentreiber schlechthin.

Verbraucherschützer raten allerdings dringend dazu, auch das Kleingedruckte in den Verträgen genau zu lesen. So sollte die Versicherung etwa auf den „Einwand grober Fahrlässigkeit“ verzichten. Wer beispielsweise beim Verlassen des Hauses die Spülmaschine nicht ausschaltet oder eine Kerze brennen lässt, muss sonst mit deutlichen Kürzungen der Schadenersatzsummen durch die Versicherung rechnen – je nach Schwere der Schuld. Außerdem sollten Schäden an Ableitungsrohren auch außerhalb des Gebäudes auf dem eigenen Grundstück versichert sein. Bei einem Blitzeinschlag sollten zudem auch Überspannungsschäden an elektrischen Geräten ersetzt werden. Viele Versicherer beschränken hier den Schutz auf beispielsweise zehn Prozent der Versicherungssumme, andere decken sie immer in voller Höhe ab.

Zusatzbaustein Elementarschäden

Stehen Leistungsumfang und Versicherungssumme der Wohngebäudeversicherung fest, kann der Versicherte einen zusätzlichen Schutz vor Elementarschäden gegen einen Beitragsaufschlag ergänzen. Auch hier sind Paketlösungen verbreitet, Risiken wie durch Schneelast eingedrückte Dächer oder Hochwasser lassen sich in der Regel nicht ausklammern. Nur wenige Versicherungen bieten auch den Schutz vor Überschwemmung, Rückstau oder Starkregen oder vor Erdbeben einzeln an. Die Elementarschaden-Zusatzpolice schützt auch nicht vor Schäden durch Sturmflut oder Grundwasser.

Im Schadenfall

Ist die Katastrophe eingetreten und ein Schaden entstanden, müssen Versicherte unbedingt ihre Pflichten gegenüber der Versicherung wahrnehmen, wenn sie vollen Schadenersatz wollen. Die sofortige Kontaktaufnahme mit der Versicherung ist dringend zu empfehlen. Grundsätzlich hat der Versicherungsnehmer nämlich eine Schadenminderungspflicht. Selbst wer gut versichert ist, darf sich nicht zurücklehnen und warten bis der Bautrupp anrückt. Vielmehr hat er die Pflicht, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Hat ein Sturm das Dach abgedeckt, sollte der Hausbesitzer also sobald wie möglich eine Plane aufs Dach legen, damit der Schaden nicht noch schlimmer wird. Wer diese Pflicht vernachlässigt, riskiert, dass seine Versicherung die Zahlung verweigert oder kürzt.

Ich empfehle, bei Sofortmaßnahmen immer Rücksprache mit der Versicherung halten. „Die Kostenübernahme für eine Sofortmaßnahme sollten sich die Versicherungsnehmer schriftlich bestätigen lassen, ebenso wie eine Absage der Versicherung zu der Maßnahme. Sonst riskiert der Hausbesitzer, auf Kosten sitzen zu bleiben“, rät Verbraucherschützerin Boss. Ist man sich uneins mit dem Sachbearbeiter muss ein Gutachter vorbeikommen und sich die Schäden und Begebenheiten vor Ort angucken.

Dagegen, dass ein Haus oder eine Wohnung unbewohnbar wird, kann freilich keine Versicherung schützen. Aber zumindest die größten finanziellen  Risiken kann sie auffangen. Und damit wäre auch in den Hochwassergebieten in Süd- und Ostdeutschland schon viel gewonnen. Denn sonst zahlt die Rechnung am Ende wieder der Steuerzahler.

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