Gesundheit: Warum Männer Angst vorm Arztbesuch haben

Gesundheit: Warum Männer Angst vorm Arztbesuch haben

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Männer schieben den Arztbesuch häufig bewusst auf.

Vor allem Männer sind es, die laut amerikanischen Forschern häufig einen Arztbesuch meiden – obwohl sie krank sind. Welche Beweggründe Männer haben, wenn sie den Besuch einer Arztpraxis aufschieben.

Der tiefrot angeschwollene Insektenbiss? Wird schon von alleine wieder verschwinden. Der über Wochen andauernde Reizhusten? Kein Grund zur Beunruhigung. Wenn es um Arztbesuche geht, gelten Männer immer noch als eher zurückhaltend, auch in Deutschland. Warum ist das so? Dieser Frage ging eine Umfrage aus den USA nach.

Meinungsforscher wollten im Auftrag der Orlando-Health-Kliniken von Teilnehmern wissen, welche Aussagen für sie gegen die Vereinbarung eines jährlichen Hausarzttermins sprechen. Vor allem Männer zwischen 18 und 44 Jahren stimmten der Aussage zu, sie seien zu beschäftigt. Viele äußerten auch Angst vor einer schlimmen Diagnose und wollten keine unangenehmen Untersuchungen, etwa an der Prostata, über sich ergehen lassen.

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Die Keine-Zeit-Ausrede sei „unentschuldbar“, erklärte der US-Urologe Jamin Brahmbhatt dazu. Männer könnten pro Woche mehrere Stunden mit Sport-Gucken verbringen, da müssten sie auch für eine 90-minütige Untersuchung Zeit aufbringen können, findet er. Besteht angesichts der nahenden Fußball-EM auch Grund zur Sorge um Männer in Deutschland?

Das sind typische Männerkrankheiten

  • Darmkrebs

    Auch wenn Frauen von Darmkrebs ebenso betroffen sein können wie Männer, liegt die Erkrankungsrate bei Männern rund 20 Prozent höher als bei Frauen, berechnet das Robert-Koch-Institut. 2014 prognostiziert das Institut mehr als 35.000 Neuerkrankungen an Darmkrebs unter Männern.

  • Diabetes

    Rund eine Millionen Männer erkranken jährlich an Diabetes, einer Berechnung der AOK zur Folge. Damit liegt die Zahl der Neuerkrankungen bei Männern knapp doppelt so hoch wie die von Frauen.

  • Herzinfarkt

    Nach Angaben der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zählt der Herzinfarkt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Besonders gefährdet: Übergewichtige Männer.

  • Prostatakrebs

    Mit mehr als 63.000 Neuerkrankungen jährlich ist der Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung unter Männern, so das Robert-Koch-Institut. Besonders gefährdet sind Männer ab 35 Jahren.

  • Schlaganfall

    Rund 200.000 Deutsche erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall. Meist müssen die Betroffenen anschließend mit gravierenden Einschränkungen im Alltag leben. Im Alter von 65 bis 74 Jahren erleiden dabei Männer besonders häufig einen Schlag.

  • Testosteron-Mangel

    Das Königshormon des Mannes sorgt für Müdigkeit und Abgeschlagenheit, wird es nicht ausreichend produziert. Hauptgrund für eine solche Mangelproduktion sind Stress und Überanstrengung. Die Folge: Abgeschlagenheit und gesunkenen Leistungsfähigkeit.

Wohl weniger: „Es ist immer wieder zu beobachten, dass manche Patienten und insbesondere auch Männer nicht zum Arzt gehen, weil sie schlichtweg Sorge vor der Diagnose haben“, erklärt der Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands, Vincent Jörres. Wichtig sei ein „langjähriges Vertrauensverhältnis“ zum Arzt - dann falle es Patienten leichter, bestimmte Beschwerden anzusprechen.

Deutsche Männer haben Angst vorm Wartezimmer

Gut belegt sei für Deutschland jedoch, dass gerade die Wartezeit beim Arzt Männer abschrecke, sagte Theodor Klotz, Vorstand der Stiftung Männergesundheit. Sie wollten es vermeiden, lange mit Menschen zusammenzusitzen, die über Krankheiten sprechen. Erfolgreiche Vorsorgepraxen böten deshalb Terminsprechstunden an.

Auch hätten Männer ein anderes Körpergefühl als Frauen: Der Körper werde eher als Werkzeug betrachtet, sagte Klotz. Männer gehen, da sind sich Experten einig, vergleichsweise spät zum Arzt: Wenn etwas sehr weh tut und es unbedingt sein muss.

In der Mehrzahl der Fälle seien es dann die Frauen, die ihre Männer in die Sprechstunde schicken, sagte Gerd Thomas von der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit. Seinen Worten nach schwankt die Selbsteinschätzung enorm je nach Geschlecht.

Im Männergesundheitsbericht 2014 kommen Experten des Robert Koch-Instituts zu dem Schluss, dass Männer ihre Gesundheit häufiger als gut oder sehr gut einschätzen. Mögliche Erklärung: Männer nehmen körperliche Symptome weniger wahr oder reden weniger darüber.

Vorsorge wird wichtiger Männer sind seltener krank, dafür schlimmer

Männer sterben früher und leben ungesünder. Trotzdem gehen Sie seltener zum Arzt als Frauen. Wieso das so ist, erklärt ein Experte für Männergesundheit im Interview.

Quelle: Fotolia

Experten sehen aber auch Generationsunterschiede: Während bei den Über-70-Jährigen noch ein traditionelles Verständnis vorherrsche, habe sich das bei den gesundheitsbewussten 40- bis 60-Jährigen in den vergangenen 10 bis 15 Jahren gewandelt: Der Besuch beim Männerarzt oder Urologen sei inzwischen enttabuisiert, sagte Klotz.

Der Wandel hat für Klotz eine Ursache: Er spricht vom „Viagra-Effekt“. Die Einführung der blauen Pille in den 90er-Jahren sei ein Türöffner gewesen, so dass sich vermehrt Männer mit Erektionsstörungen in ärztliche Behandlung begaben und Ursachen wie Depression oder Übergewicht erkannt wurden. „Vorher musste der Mann funktionieren“, so Klotz. Impotente seien zum Psychiater geschickt worden.

Der Umgang mit der eigenen Gesundheit kostet die Männer auch Lebenszeit – wie viel, weiß man nicht genau. Statistisch betrachtet leben Frauen fünf Jahre länger als Männer. Das hat aber viel zu tun mit den Lebensumständen: Männer sterben jünger, weil sie beruflich wie privat riskanter leben. Bei einer Studie zur Lebenserwartung von Brüdern und Schwestern im Kloster lebten Frauen nur ein Jahr länger, wie Klotz sagte. Seiner Ansicht nach holen die Männer auch im „normalen“ Leben auf.

Dass sich die Geschlechter am Ende so erheblich nicht unterscheiden, zeigt die US-Umfrage: Zwischen Frauen und Männern herrschte annähernd Einigkeit über die wichtigsten Gründe, nicht zum Arzt zu gehen.

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