Softwareunternehmen: Wie die SAP-Gründer um ihr Lebenswerk kämpfen

Softwareunternehmen: Wie die SAP-Gründer um ihr Lebenswerk kämpfen

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SAP-Zentrale in Walldorf (c) dpa - Bildfunk

von Michael Kroker

Der Wechsel an der Spitze läutet das Ringen um die Zukunft von SAP ein. Bleibt der Software-Riese eigenständig, oder gehört er bald zu einem US-Konkurrenten? Die Entscheidung treffen die Gründer, die sich längst nicht mehr so einig sind wie früher.

Es ist fünf Uhr Nachmittag am Montag der vergangenen Woche. Hasso Plattner tritt im Gebäude WDF20 in Walldorf an der nach ihm benannten Allee, Hausnummer 5, vor rund 1000 Mitarbeiter in der Kantine von SAP. Der Mitgründer der deutschen Software-Ikone, der seit 2003 an der Spitze des Aufsichtsrats steht, wirkt müde. Der 66-Jährige hat einen anstrengenden Tag hinter sich und ein noch anstrengenderes Wochenende. In aufreibenden Gesprächen war es ihm gelungen, den Aufsichtsrat auf seine Seite zu bekommen und dem erst seit Mai 2009 allein amtierenden SAP-Chef Léo Apotheker den Ende 2010 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Daraufhin sah sich Apotheker gezwungen, zurückzutreten.

Trotz der Strapazen gibt sich Plattner kämpferisch. „Wir müssen es jetzt schaffen, das Unternehmen neu aufzustellen“, beschwört er die Anwesenden. An seiner Seite sitzt mit offenem Hemdkragen der Däne Jim Hagemann Snabe, einer der zwei Apotheker-Nachfolger, die nach Plattners Willen den Software-Riesen künftig lenken sollen. Sein künftiger Co-Chef, der Amerikaner Bill McDermott, steht in hellblauem Hemd und dunkelblauer Krawatte vor tropischen Pflanzen und ist per Satellit zugeschaltet. Er kann nicht persönlich in Walldorf sein, weil er gerade auf Hawaii verdiente SAP-Vertriebsmitarbeiter bespaßt.

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"Plattners SAP"

SAP-Gründer und Quelle: REUTERS

SAP-Gründer und Aufsichtsratschef Plattner verteidigt die Eigenständigkeit des Walldorfer Konzerns mit Zähnen und Klauen ror/ Photo by Ralph Orlowski REUTERS

Bild: REUTERS

Plattner selbst wirkt in seinem dunklen Hemd und dunklen Sakko beinahe wie auf einer Trauerfeier, findet mancher SAP-Mitarbeiter. Und auch wenn „Plattners SAP“, wie mancher in Walldorf gerne spöttelt, heute alles andere als zu Grabe getragen wird, ist jedem Zuhörer klar: Es geht um nicht weniger als die Zukunft des berühmtesten deutschen High-Tech-Unternehmens, das, 1972 gegründet, bislang fast nur von Erfolg zu Erfolg eilte – kurzum: um Plattners Lebenswerk im nordbadischen Walldorf.

Denn der wahre Beweggrund für den hastigen Rauswurf Apothekers liegt weniger in dessen gern kolportierter Arroganz gegenüber Mitarbeitern oder Kunden. Gewiss, Apotheker hat bei den Unternehmenskunden die Daumenschrauben angezogen – und vor allem bei der Erhöhung der Wartungskosten für Software überdreht. Auch intern war das Klima zuletzt schlecht, nicht zuletzt durch den oft als abschätzig empfundenen Umgangston von Apotheker. Doch begann sein Spar- und Rationalisierungskurs gerade, sich finanziell auszuzahlen. Und immerhin räumte der 56-Jährige in einer E-Mail an die SAP-Mitarbeiter am Abend seiner Demission selber ein: „Meine Kommunikation mit Ihnen war nicht immer optimal.“

Mächtige Konkurrenz

Der wahre Grund für Apothekers Abgang liegt denn auch woanders, wie Insider berichten. Denn offenbar schwelt insbesondere unter den drei SAP-Gründern und -Großaktionären Hasso Plattner, Dietmar Hopp und Klaus Tschira ein Konflikt über den künftigen Kurs des Unternehmens. Während Plattner die Eigenständigkeit des Walldorfer Konzerns mit Zähnen und Klauen verteidigt, scheint Hopp ein Stück weit von seinem Buddy Plattner abgerückt zu sein, während Tschira viele Entwicklungen bei SAP bereits kritisch beäugt.

Im Kern geht die Auseinandersetzung zwischen den Dreien in den kommenden Monaten um die Frage: Haben die Walldorfer auch in Zukunft eine Chance als alleiniger Fels in der Brandung gegen die mächtigen US-Konkurrenten Hewlett-Packard (HP), IBM, Microsoft und Oracle? Oder muss SAP irgendwann einmal bei einem Wettbewerber unterschlüpfen? Damit würde Deutschlands einziger IT-Konzern von internationalem Rang möglicherweise zum Spielball irgendeines Hauptquartiers im fernen Amerika – mit allen Gefahren für Arbeitsplätze und Standorte, wenn die Geschäfte mal nicht so laufen wie erhofft.

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