ThemaGreen Economy

alles zum Thema
_

Nachhaltigkeit: Mit diesen Tricks waschen sich deutsche Unternehmen grün

von Sebastian Matthes, Benjamin Reuter und Susanne Donner

Nicht verrottende Ökotüten, nachhaltiges Klopapier mit Tropenholz und Bioprodukte, die keine sind: Oft steckt hinter den nachhaltigen Verlautbarungen wenig mehr als grüner Schein. In Wirklichkeit wird vertuscht, lasch kontrolliert – und gelogen. Eine Spurensuche.

Danone-Produkte in einem Regal Quelle: Reuters
Mit immer ausgefeilteren Tricks versuchen Unternehmen ihre Produkte nachhaltig wirken zu lassen. Aber nicht nur bei Danone wurde das aufgedeckt Quelle: Reuters

Es grenzt an ein kleines Wunder, dass Konsumenten grünen Werbebotschaften überhaupt noch glauben. Da bringen Handelsketten kompostierbare Plastiktüten auf den Markt, die kaum verrotten. Forscher entdecken Spuren von Tropenholz in nachhaltig zertifiziertem Klopapier. Modeketten hängen ohne Scham Hemden mit fragwürdiger Herkunft als Bioprodukte in ihre Schaufenster. Und Kosmetikhersteller bewerben wortreich Inhaltsstoffe wie Bioolivenöl in Cremes, unterschlagen aber, dass der Rest der Pflegeprodukte aus synthetischen Stoffen besteht.

Anzeige

Von Bio also in Wirklichkeit keine Spur. Wie so oft.

Fast im Wochentakt fliegen neue Ökoflunkereien auf. Immer ausgefeiltere Tricks, fragwürdige Siegel und teils kriminelle Methoden verleihen dem Problem eine neue Dimension – mit gravierenden Folgen für die Glaubwürdigkeit der gesamten Wirtschaft. Nachhaltig, klimaneutral und öko: Begriffe, die einst als Leitplanken eines bewussten Lebensstils gedacht waren, verkommen zu inhaltsleeren Worthülsen. Eine gute Idee wird ramponiert.

"Robin Hood der Verbraucher"

Jürgen Resch muss nur daran denken, schon wird er wütend. Der 52-Jährige ist Chef der Deutschen Umwelthilfe. Er zerrt ein Unternehmen nach dem anderen vor Gericht. Manchmal gelingt ihm dabei ein Coup, wie vergangenes Jahr, als sich Danone öffentlich dazu verpflichtete, einen Joghurtbecher nicht mehr als "umweltfreundlicher" im Vergleich zu seinem Vorgänger aus Rohöl zu bezeichnen.

Resch versteht sich als eine Art Robin Hood der Verbraucher. Er kritisiert, dass viele Unternehmen mit aufwendigem Marketing und ein paar Tricks versuchen, sich einen grünen Anstrich zu verpassen. Dem will er ein Ende bereiten. Mit allen Mitteln.

Sustainovation Award Wer sind die Effizienz-Champions Deutschlands? 

Wer sind die Effizienz-Champions Deutschlands? 

Sustainovation Award: Wer sind die Effizienz-Champions Deutschlands? 

Denn es geht um ein Milliardengeschäft. In Deutschland wird sich der Umsatz mit grünen Produkten und Technologien laut Bundesumweltministerium bis 2020 auf 3,1 Billionen Euro verdoppeln. Doch mit dem kometenhaften Aufstieg der grünen Industrie wächst ihr schmutziger Schweif: Scharlatane, Trittbrettfahrer und Betrüger stürzen sich auf den boomenden Markt.

Werbekampagnen sind teurer als der Umweltschutz

Experten nennen es Greenwashing, wenn Unternehmen mit viel PR-Tamtam darauf abzielen, ihre Marken als nachhaltig darzustellen – mitunter gar, um von umweltschädlichem Verhalten abzulenken. Oft seien dabei die Werbekampagnen teurer als die Umweltschutzmaßnahme selbst, kritisiert Greenpeace.

Aber so klar Greenpeace oder Aktivisten wie Resch die Grenze zeichnen, so deutlich verlaufen die Fronten nur noch selten. Das alte Bild der bösen Konzerne, die versuchen, die schmutzige Wahrheit ihres Handelns zu vertuschen, trägt nicht mehr. Unternehmen wie Hess Natur-Textilien warnen schon länger vor den Folgen des Greenwashing.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 31.10.2012, 12:52 Uhrwinne2

    Bio-Siegel haben natürlich (!) ihre Skandale. Aber: Es gibt derzeit viele gute Gründe Banken nicht positiv zu bewerten - der Bankraub zählt aber nicht dazu. Der Artikel ist bemüht einen Skandal zu erzeugen - koste es welches Argument auch immer. So wird die Missbrauchsbekämpfung (Beispiel Baumwoll Indien), die schwarze Schafe assortiert, als Zwischen-den-Zeilen-Argument rangezogen dafür das Bio-Siegel alle Greenwashing seien. Bio-Siegel sind und bleiben Not-Hilfsmassnahmen, um das Schlimmste zu verhindern. Sie sind überwiegend von privaten (NGO etc.) geschaffen worden, gerade WEIL es keine gesetzlichen Massnahmen gibt. DIE müsste es aber geben. Ein Feigenblatt sind sogesehen die Biosiegel nur für die untätige Politik.
    Und wenn man denn schon über Siegel und Zertifikate spricht, dann sollte man wenigstens inhaltlich auf dem Laufenden sein. Wenn da ein Experte (Physiker! Schwerpunkt Technikfolgenabschätzung!) rumpalavert "Wer kann schon garantieren, ob der Baum in 50 Jahren noch steht", weißt er nur, dass er die letzten 20 Jahre Entwicklung in der CO2-Zertifizierung von Waldprojekten verschlafen hat - oder noch zur Schule ging.

  • 26.10.2012, 16:50 UhrEuroTanic

    Bio ist von der Idee her gut. Schlecht wird Bio erst, seit die grossen Konzerne entdeckt haben, dass man damit Profit generieren kann. Das beste Bio ist immer noch der Salat aus dem Garten, das Fleisch vom Bauern nebenan, Äpfel aus der Gegend usw.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Microsoft gegen Apple: Weniger Gelaber von Siri, mehr Aufgaben erledigen
Microsoft gegen Apple: Weniger Gelaber von Siri, mehr Aufgaben erledigen

Der Softwaregigant aus Redmond nutzt die Sprach-App beim iPad in einem Werbe-Spot für Windows-8-Tablets. Microsoft lernt...

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.