Deutsche Bahn: Warum Rüdiger Grube Ronald Pofalla braucht

Deutsche Bahn: Warum Rüdiger Grube Ronald Pofalla braucht

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Ronald Pofalla rückt in den Vorstand der Deutschen Bahn.

von Christian Schlesiger und Jacqueline Goebel

Der neue Chef-Lobbyist der Deutschen Bahn wirkt bislang im Hintergrund – aber dort bastelt der Ex-Kanzleramtsminister an seiner Karriere. Nun soll er schon im Sommer in den Vorstand aufrücken. Dort will er zeigen, dass er auch das Zeug zur Nachfolge von Bahn-Chef Rüdiger Grube hat.

Ronald Pofalla steht in der hintersten Reihe einer Gruppe von Bahn-Mitarbeitern, seine Arme hängen seitlich herab. Ganz vorne steht sein Chef, Rüdiger Grube, er eröffnet in der Technischen Universität in Berlin ein Akustiklabor. Die Kameras zoomen auf Grube, als er doziert, wie die Deutsche Bahn Schienenlärm reduzieren will: mehr Flüsterbremsen, höhere Lärmschutzwände, bessere Schienenschleifsysteme.

Auf Pofalla zoomt niemand, ganz still steht er an seinem Platz ganz hinten. Als Grube fertig ist, trottet er hinter seinem Chef zurück zur Bahn-Zentrale am Potsdamer Platz. Den ganzen Termin, 90 Minuten lang, hat er kein Wort gesagt.

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Hinten stehen und zuhören – das ist Pofallas neue Welt. Seit Januar dieses Jahres ist der CDU-Politiker Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen der Deutschen Bahn. Er tauschte Macht gegen Geld. Als Chef des Bundeskanzleramts war Pofalla engster Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel. Wer zu ihr wollte, bat ihn um Audienz. Heute ist der gebürtige Klever selbst einer derjenigen, der Zugänge sucht; ein Dienstleister. Pofalla hilft nun anderen dabei, zu gestalten.

Selbst gestaltet er eher seine Karriere: Noch im August soll Pofalla in den Vorstand des Konzerns aufrücken, erfuhr die WirtschaftsWoche aus Bahn-Kreisen. Er soll den Aufgabenbereich von Rechtsvorstand Gerd Becht übernehmen, der offenbar in den Ruhestand wechselt. Gleichzeitig behält Pofalla seine Zuständigkeit für die Kontaktpflege in die Politik.

Bis dahin möchte man bei der Bahn aber wenig Lärm um die Personalie machen. Das liegt auch daran, wie sein Wechsel zustande kam. Grube wollte Pofalla direkt in den Vorstand holen. Doch Opposition und Medien empörten sich, der Widerstand im Aufsichtsrat wurde zu groß. Grube parkte Pofalla auf der zweiten Führungsebene. Die Bundesregierung beschloss gar ein Gesetz, das längere Wartezeiten für Minister vorsieht, wenn diese in die Wirtschaft wechseln.

Pofallas leiser Einstieg bei der Bahn

Nach so viel Aufsehen hat sich Pofalla in seinen ersten 200 Tagen für einen leisen Einstieg in die Welt der Bahn entschieden. Termine wie die Grube-Begleitung an der TU Berlin sind typisch in seinem Arbeitsleben. Antrittsbesuch mit dem Chef beim Minister, den Staatssekretären, den Länderverkehrschefs. Wie ein Schulbub sitzt Pofalla dann da, erzählen Leute, die ihn beobachtet haben. Er hört artig zu und spricht nur, wenn er gefragt wird. „Geschieht das, dominiert er aber gleich die Diskussionen“, erzählt einer, der bei solchen Terminen dabei war.

Schließlich ist Pofalla ein politisches Schwergewicht. Grube holte ihn zur Bahn, weil er Kontakte in die Ministerien hat und bei der Bahn wichtige Weichenstellungen anstehen: Bund-Länder-Verhandlungen über das zukünftige Budget für den Nahverkehr, neue Gesetze zur Eisenbahnregulierung, Streit über das Vorhaben, Nacht- und Autoreisezüge einzuschränken: Grube wurde all dies zu viel. Pofalla muss die Stimmung bei Kommission, Bund und Ländern zugunsten der Bahn beeinflussen. Er soll die Bahn als Partner ins Gespräch bringen und aus der Schusslinie holen.

Die wichtigsten Baustellen der Bahn 2015

  • S-Bahn Berlin

    Von Mitte Januar bis Anfang Mai wird auf der Nord-Süd-Verbindung der Oberbau, die Leit- und Sicherungstechnik und der Tunnel unter die Lupe genommen. In dieser Zeit ist die Strecke zwischen Gesundbrunnen und Yorkstraße gesperrt. Von Ende August bis Ende November wird außerdem eine Brückenkonstruktion am erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof saniert. Fernzüge halten dann im unteren Teil des Kreuzungsbahnhofs.

  • Hannover-Göttingen

    Mitte Mai sollen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwölf Weichen erneuert werden. Während der Bauzeit wird die Strecke gesperrt. Der Fernverkehr wird von Hannover über die alte Strecke nach Göttingen umgeleitet. Das dauert 30 Minuten länger.

  • Köln-Frankfurt

    Von Mitte April bis Mitte Mai werden auf der ICE-Strecke 44 Kilometer Schienenstrang ausgewechselt. Dazu wird die Strecke durch den Westerwald an vier Wochenenden gesperrt. Die Züge werden dann am Rhein entlang fahren. Die Fahrzeit verlängert sich um 60 Minuten.

  • Köln-Aachen

    Die Strecke bekommt von Ende Juni bis Mitte August auf 22 Kilometern neue Gleise. Fernzüge fahren einen Umweg über Venlo und brauchen dafür 45 Minuten länger. Auf der Route Köln-Siegen werden im gleichen Zeitraum 35 Kilometer Gleise renoviert. Davon sind in der Bauzeit 77 Nahverkehrszüge betroffen, die durch Busse ersetzt werden.

  • Mannheim-Stuttgart

    Von Mitte September bis Ende Oktober werden auf der Schnelltrasse Gleise und Weichen ausgetauscht. Dafür wird die Strecke zwischen Kraichtal und Stuttgart-Zuffenhausen zeitweise gesperrt. Die Umleitung über die alte Strecke kostet 40 Minuten Fahrzeit.

  • Nürnberg-Ansbach

    Von Anfang März bis April wird ein zehn Kilometer langer Streckenabschnitt saniert. Zeitweise ist eine Sperrung nötig. Die Fernzüge der Linie Nürnberg-Karlsruhe werden über Treuchtlingen umgeleitet. Das dauert 40 Minuten länger als sonst.

  • München-Ingolstadt

    Auf dieser Route wird voraussichtlich noch bis August 2015 die Schienentechnik erneuert, damit Züge künftig dort mit Tempo 200 fahren können. Dabei muss ein alter Damm saniert, Gleise erneuert und neue Signalkabel verlegt werden. Ein Teil der Fernzüge muss über Augsburg umgeleitet werden. Das führt zu einer 30 Minuten längeren Fahrzeit.

Gesprächspartner empfängt der 56-Jährige in seinem Zimmer im Bahn-Tower, nicht weit von seinem alten Arbeitsplatz, dem Kanzleramt. Von dort aus hat er sein derzeit wichtigstes Thema zumindest vorerst aufs Gleis gesetzt: Grubes Expansionsstrategie im Fernverkehr. Die Bahn will die ICE- und Intercity-Strecken bis 2030 ausbauen. Intercity-Züge sollen künftig auch mittelgroße Städte wie Magdeburg, Trier und Regensburg mindestens alle zwei Stunden anfahren. Das begrüßen die Länder. Sie mögen aber nicht, dass die Bahn sie an der Finanzierung beteiligen will.

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