Fernbuslinie: Debüt für den ADAC Postbus
Der Automobilclub ADAC und die Deutsche Post stellen ihr gemeinsames Fernbus-Angebot vor.
Foto: dpaHumor ist die beste Verteidigung. Ende September verschickten Torben Greve und Panya Putsathit einen Brief an ausgewählte Politiker und Journalisten und legten eine Papierbrille mit blauer Plastikfolie bei. „Wenn Sie jetzt schon sehen möchten, wie der beliebteste Fernbus in Deutschland aussieht“, schrieben die beiden Geschäftsführer des Berliner Start-ups MeinFernbus, „dann setzen Sie doch bitte einfach die beigefügte Brille auf und betrachten den ADAC Postbus“. Durch die blaue Folie verändert sich das strahlende Gelb der Postbusse in grün: „Fahr grün!“ posaunen die Jungunternehmern selbstbewusst in dem Schreiben.
Die humoristische Attacke aus Berlin dürfte in Bonn nicht ungehört geblieben sein. Vor einigen Wochen präsentierten Deutsche Post und der Allgemeine Deutsche Automobilclub in der rheinischen Provinz den ADAC Postbus der Öffentlichkeit. Ab Freitag kommt er zunächst auf fünf Strecken innerhalb Deutschlands zum Einsatz. Ab 2014 will das Tandem ein bundesweites Netz aufziehen.
Mit aller Macht schicken sich die finanzstarken Partner an, den Fernbusmarkt mit Verspätung aufzurollen. Ein gelber Siegeszug ist längst nicht gewiss. Zahlreiche Start-ups wie MeinFernbus und FlixBus haben sich bereits etabliert und können deutlich günstiger anbieten. Einige Wettbewerber wie National Express, ein Verkehrskonzern mit mehreren Milliarden Euro Umsatz, setzen zudem auf extrem niedrige Preise. Auch die Deutsche Bahn baut ihre Fernbustochter weiter aus.
Die gelben Riesen wollen vor allem mit Qualität punkten. „In den ADAC Postbus bringen wir die Kompetenzen ein, die uns auch im Kerngeschäft erfolgreich machen - Zuverlässigkeit, gute Netzplanung, Nähe zum Kunden“, sagt Post-Vorstand Jürgen Gerdes. „Unsere Qualität und die starken Marken werden auch im umkämpften Fernbusmarkt Zeichen setzen." Die Sitze sind mit Steckdosen und Drei-Punkt-Gurten ausgestattet. Wie bei anderen Wettbewerbern auch, verfügen die Busse über kostenloses WLAN. In 5000 Filialen wollen Post und ADAC ihre Tickets an den Mann bringen. Hinzu kommt die Möglichkeit, Fahrkarten im Internet und telefonisch zu buchen. Die Vertriebskraft ist die größte Stärke des Postbusses.
Konkurrenz ist aggressiv
Doch ob das reicht, um im Markt zu bestehen, ist keinesfalls sicher. Die Wettbewerber setzen bereits jetzt auf teils extrem niedrige Preise und werden den ADAC Postbus vor sich hertreiben. Aggressive Konkurrenten wie National Express verlangen für eine Fahrt von Frankfurt nach München acht Euro. Der Postbus kostet 19 Euro. Offiziell wollen sich Post und ADAC zwar nicht auf einen Preiskampf einlassen. Das Angebot solle „nicht zwingend das Billigste, sondern das Beste sein“, sagt ADAC-Präsident Peter Meyer.
ADAC Postbus: Der Automobilclub ADAC und die Deutsche Post stellen ihr gemeinsames Fernbus-Angebot vor. Der Postbus soll ab dem 1. November zunächst auf fünf Strecken starten. Ab 2014 will das Tandem ein bundesweites Netz aufziehen.
Foto: dpaDie Planungen der Geschäftsführer der Fernbuslinie MeinFernbus.de, Panya Putsathit (links) und Torben Greve, sind groß: "Wir wollen Monat für Monat weitere Strecken eröffnen. Wie schnell, hängt von den Genehmigungsbehörden ab", sagte Greve dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". "Dem Berlintourismus wird der neue Busfernverkehr noch einmal einen neuen Schub geben, ähnlich wie vor ein paar Jahren die Billigflieger", zeigte er sich überzeugt. Bisher...
Foto: dpaMeinFernbus
... hatte das Berliner Startup nur eine Strecke aus der Hauptstadt fest. Geplant ist aber insgesamt ein bundesweites Netz mit mittelständischen Busunternehmen. Die Busse bieten 70 cm Sitzabstand und WLAN an Bord. Bereits acht Linien sind per Ausnahmegenehmigung im Betrieb – etwa die Linien München-Zürich und München-Freiburg mit mehr als 100.000 Fahrgästen in 2012.
Berlin Linien Bus (Deutsche Bahn)
Die Tochter der Deutschen Bahn vermarktet Busfahrten von Autokraft und Bayern Express & P. Kühn – ebenfalls Bahn-Töchter. Die Bahn transportiert so mehr als 1000 Fahrgäste pro Tag. Die Berlin-Routen wurden per Sondergenehmigung schon zu DDR-Zeiten bedient. Eine Expansion ist nicht geplant.
DeinBus
Das Geschäftsmodell des Startups aus Friedrichshafen fußt auf zwei Säulen:
1. Ausbau von täglichen Fernbuslinien – zunächst mit Schwerpunkt in Süddeutschland.
2. Organisation von Busfahrten bei Bedarf, wenn sich genügend Mitfahrer finden. Derzeit vier Linien per Sondergenehmigung, weitere Anträge laufen.
Deutsche Touring
Das Frankfurter Unternehmen betreibt mehr als 100 europäische Fernbuslinien unter der Marke Eurolines. Ab Januar öffnet es sechs Strecken für innerdeutsche Fahrten, weitere 35 folgen im Laufe des Jahres. Touring will die Eurolines-Busse so besser auslasten und Kampfpreise ab neun Euro anbieten.
National Express
Der finanzstarke Verkehrskonzern aus Großbritannien setzte 2011 rund 2,8 Milliarden Euro um. Das Unternehmen startet zunächst mit bis zu fünf Linien – das genaue Netz ist noch unklar. Ziel ist ein bundesweites Netz mit 25 Prozent eigenen Bussen, restliche Routen übernehmen Buspartner. Enge Partnerschaft mit Touring.
Veolia Verkehr
Der französische Mutterkonzern Veolia Transdev befindet sich in einer Phase der Umstrukturierung. Die Deutschland-Tochter Veolia Verkehr wartet daher noch ab und will die bislang drei beantragten Linien im Zuge der Marktöffnung neu bewerten. Markteinstieg mit Fragezeichen.
Doch dauerhaft werden sich die Partner einem Preiskampf kaum entziehen können. Das wissen die Verantwortlichen selbst am besten. Als die WirtschaftsWoche im Vorfeld des Marktstarts vor einigen Wochen einen der Geschäftsführer mit dem Satz „Wir verzichten ganz bewusst auf einen Preiskampf“ zitieren wollte, weil die Aussage am Telefon so oder so ähnlich viel, strich die PR-Abteilung des ADAC den Satz wieder heraus. Im Journalismus ist es nicht unüblich, dass Zitate vor Druck abgestimmt werden. Das Beispiel zeigt, dass Post und ADAC wohl eher davon ausgehen, dass sie die Preise für ihre Tickets bald senken müssen.
Doch das bringt die gelben Partner in die Bredouille. Die Kosten der Fernbusalternative sind deutlich höher als die der Konkurrenz. Das neu gegründete Unternehmen DP Mobility mit Sitz in Bonn besteht gleich aus zwei Geschäftsführern, deren Gehälter auf Konzernniveau liegen dürften. Gleichzeitig sollen mehrere Dutzend Mitarbeiter beschäftigt sein. Die teure Unternehmensberatung Roland Berger war vor dem Start involviert. Zum Vergleich: National Express beschäftigt weniger als zehn Leute. Außerdem dürften Post und ADAC mit deutlich höheren Betriebskosten unterwegs sein.
Nach Brancheninformationen zahlt die Tochtergesellschaft 1,25 Euro pro gefahrenen Kilometer an die Subunternehmer, die im Auftrag die ADAC Postbusse betreiben. Üblich sind in der Branche Preise von 1,05 bis 1,10 Euro pro Kilometer. Für die Konzerne hat das sicher den Vorteil, dass sie sich damit nicht dem Vorwurf aussetzen, Lohndumping zu betreiben. Gleichzeitig bleibt die Wirtschaftlichkeit auf der Strecke.
Kleine Unternehmen gehen leer aus
Post und ADAC können sich Anfangsverluste natürlich leisten. Wettbewerber wie MeinFernbus kritisieren den Einstieg des Logistikkonzerns daher scharf. Es sei „nicht hinnehmbar, wenn Überschüsse aus dem Briefmonopol zu einer Quersubventionierung der Post-Fernbussparte genutzt werden sollten“, sagt MeinFernbus-Gründer Greve. Staatliche und teilstaatliche Konzerne dürften die mittelständischen Kooperationen nicht mit Dumpingpreisen und Rabatten aus dem Markt drängen. „Wenn dieser aufkommende Verdrängungswettbewerb nicht durch die Politik eingedämmt wird, verfehlt die Fernbus-Liberalisierung ihr Ziel.“
In einigen Städten wird den Großunternehmen zudem bei der Vergabe von Haltestellenslots der rote Teppich ausgerollt, während die Kleinen leer ausgehen. „Konzerne wie die Deutsche Bahn oder die Post schaffen es immer wieder, an 1-a-Lagen zu kommen, während andere kleine Anbieter vor ein Krematorium am Stadtrand oder in Gewerbegebiete verbannt werden“, sagt MeinFernbus-Gründer Greve. „Da wird einfach nicht fair gespielt“.
Juli 2015
Wegen der großen Hitze sind die Luftkühlungen mehrerer IC-Züge ausgefallen. Anders als im Sommer 2010 reagierte die Bahn diesmal schnell: Sie stellte für die besonders betroffene Linie Berlin-Amsterdam zwei Ersatzzüge bereit. Sie sollen eingesetzt werden, wenn die Luftkühlung in anderen IC auf der Strecke versagt, wie ein Sprecher mitteilte. Außerdem wurden in Osnabrück mehrere Busse stationiert.
Dort mussten insgesamt mehrere Hundert Fahrgäste in nachfolgende Züge umsteigen, weil in ihren Zügen die Klimaanlage ausgefallen war. Es habe aber kein Fahrgast gesundheitliche Probleme bekommen, so der Sprecher. Bei etwa einem Dutzend älterer Intercitys auf der Linie Berlin-Amsterdam hatten die Klimaanlagen ihre Arbeit eingestellt.
Foto: dpaOktober 2014
Ein Warnhinweis sorgt für Lacher, Spott und eine Entschuldigung der Deutschen Bahn: „Cannstatter Wasen: Es ist mit Verspätungen, überfüllten Zügen und verhaltensgestörten Personen zu rechnen“ ist am Samstag auf den Anzeigetafeln an mehreren Bahnhöfen in der Region Stuttgart zu lesen gewesen, wo das Volksfest an seinem letzten Wochenende in diesem Jahr wieder Tausende Besucher anlockte. „Wir entschuldigen uns dafür“, sagte eine Bahn-Sprecherin am Sonntag und bestätigte Online-Berichte der „Stuttgarter Nachrichten“ und der „Stuttgarter Zeitung“. Ein Mitarbeiter habe den Text entgegen aller Vorgaben verfasst. Er werde Anfang der Woche zum Rapport bestellt. Dann solle auch der gesamte Vorgang aufgeklärt werden.
August 2013
Ein ungewöhnlich hoher Krankenstand in der Urlaubszeit sorgte im August 2013 für ein Fahrplanchaos am Mainzer Hauptbahnhof - und für massiven Ärger bei den Fahrgästen. Die Deutsche Bahn hat für das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof wegen massiver Personalprobleme auf Facebook um Entschuldigung gebeten. „Für die derzeitigen Einschränkungen möchte ich mich entschuldigen“, antwortete ein Mitarbeiter in dem Sozialen Netzwerk auf Beschwerden einer Nutzerin. Die Situation sei „wahrlich nicht schön“.
August 2013
Um dem Problem der häufig verstopften und verdreckten Zugtoiletten Herr zu werden, setzt die Bahn ab sofort neue Reinigungskräfte, sogenannte Unterwegsreiniger, in ICE-Zügen ein. Die Reinigungskolonne, die auf der Fahrt die Toiletten putzt, wird um 50 Beschäftigte auf 250 aufgestockt, wie der Vorstandsvorsitzende DB Fernverkehr, Berthold Huber, ankündigte. Die Mitarbeiter sollen zugleich stärker entsprechend der Zugauslastung eingesetzt werden. Damit würden die Toiletten in besonders gefragten Bahnen mindestens zweimal und damit doppelt so oft auf der Fahrt gereinigt wie bisher.
Der Fahrgastverband Pro Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) lobten die Initiative, wiesen aber zugleich auf andere Probleme hin. „Neben den kaputten oder dreckigen Toiletten gibt es tagtägliche Kundenbeschwerden vor allem über die Klimaanlagen und Verspätungen“, sagte Pro-Bahn-Bundessprecher Gerd Aschoff. Und das sind nicht die einzigen Pannen der Deutschen Bahn...
Foto: dpaNovember 2011
Nach der persönlichen Anmeldung im neuen elektronischen Ticketsystem „Touch & Travel“ waren für nachfolgende Nutzer die Kundendaten sichtbar.
Foto: dpaJuli 2010
Am einem Wochenende fallen in mehreren ICE-Zügen die Klimaanlagen aus. Fahrgäste kollabierten, Schüler mussten dehydriert ins Krankenhaus eingeliefert werden. Im Zuge der Panne wurde bekannt, dass die Klimaanlagen der Bahn nur bis 32 Grad funktionieren. Damals fielen in Dutzenden Zügen die Klimaanlagen aus.
Foto: dpaApril 2010 - ICE verliert Tür
Bei voller Fahrt verliert ein ICE auf dem Weg von Amsterdam nach Basel eine Tür. Das Stahlteil schlägt in einen entgegenkommenden ICE ein. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt und Köln werden sechs Menschen leicht verletzt. Ursache für den Unfall ist eine lose Stellmutter an der Verriegelung. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheApril 2010 - ICE verliert Tür
Die Tür riss aus der Verankerung und traf einen entgegenkommenden Zug. Vorübergehend durften ICEs der gleichen Baureihe nur noch gedrosselt fahren. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheJanuar 2010 - S-Bahn-Chaos in Berlin
Bahnchef Rüdiger Grube teilt mit, dass die Züge der Berliner S-Bahn erst 2011 wieder in vollem Umfang fahren sollen. Die Berliner Bürger ärgern sich schon seit Anfang 2009 immer wieder über Zugausfälle, Verspätungen, mangelhafte technische Kontrollen und diverse Defekte im Nahverkehr. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheJanuar 2010 - S-Bahn-Chaos in Berlin
Und es wurde immer schlimmer: Wegen Reparaturen und Wartungen war im vergangenen Jahr zwischenzeitlich nur noch ein Viertel der S-Bahn-Flotte der Hauptstadt im Einsatz. Die Folge: Massive Störungen im regionalen Zugverkehr. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheDezember 2009 - Oberleitungen vereisen
An Silvester und zu Jahresbeginn 2010 führen vereiste Oberleitungen in Nord- und Westdeutschland, eine Weichenstörung am Berliner Hauptbahnhof und technische Störungen an Stellwerken in Berlin zu Verspätungen und Zugausfällen. Foto: ap
Foto: WirtschaftsWocheAb Januar 2009 - Überwachungsskandal
Die Affäre, die auch Hartmut Mehdorns Karriere als Bahnchef beendete: Zuerst waren es 1.000 Mitarbeiter, die man zugab durch einen externen Dienstleister gecheckt zu haben, dann 173.000. Letztlich räumte Mehdorn ein, alle Mitarbeiter seien überprüft worden. Dann wurde bekannt, dass die Bahn über Jahre E-Mails von Mitarbeitern überwacht hat. Politik und Gewerkschaften schäumten, der Bahn-Chef (hier mit seinem inzwischen ebenfalls abgelösten Anti-Korruptionsbeauftragten Wolfgang Schaupensteiner) empfand Vorwürfe in diesem Zusammenhang dagegen als „unverantwortliche Skandalisierung“. Schließlich habe man ja nur Korruption bekämpfen wollen. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheNovember 2008 - Börsengang platzt
Der Börsengang war Mehdorns Lieblingsprojekt seit seinem Amtsantritt 1999. Alles hatte sich diesem Ziel unterzuordnen. Selbst als die Finanzmärkte schon längst abwärts gerauscht waren, glaubte der Vorstandschef noch an den Sprung aufs Parkett: Im Zweifel sollten eben Ölscheichs oder Staatsfonds Anteile an der Tochtergesellschaft DB Mobility Logistics kaufen. Die Bundesregierung, nervös angesichts der absehbar niedrigen Einnahmen, zog die Notbremse und verschob den Börsengang auf unbestimmte Zeit. Eine schwere Schlappe für die Bahn. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheOktober 2008 - Streit um Vorstandsprämien
Für den Fall, dass der Teil-Börsengang erfolgreich über die Bühne geht, sollte der Bahn-Vorstand Prämien in Höhe von vier Mio. Euro erhalten. Als das bekannt wurde, war die Öffentlichkeit wieder sauer und Mehdorn der Buhmann. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) wollte erst spät von den Bonus-Plänen gehört haben, gab sich sogleich ebenfalls schwer empört und überließ seinem Staatssekretär die Bauernopfer-Rolle. Der Börsengang floppte, die Vorstandsprämien auch. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheOktober 2008 - Riss in der Radsatzwelle
Die Bahn zieht einen Teil ihrer ICE-Flotte kurzfristig aus dem Verkehr. Nahezu die gesamte Flotte der Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ ICE T mit Neigetechnik soll technisch überprüft werden. Zuvor war bei einer routinemäßigen Ultraschall-Untersuchung ein Riss in der Radsatzwelle eines ICE T entdeckt worden. Von Mitte Juni 2009 an werden wieder alle 67 Züge der ICE-T-Flotte eingesetzt, fahren aber ohne Neigetechnik. Foto: ap
Foto: WirtschaftsWocheOktober 2008 - Riss in der Radsatzwelle
Die Überprüfung aller ICE-Neigetechnikzüge richtete Chaos im Bahnverkehr an, nachdem bei einer Routineüberprüfung ein Haarriss an einer Achse entdeckt worden war. Die Bahn wütete angesichts der vielen Zugausfälle und Behinderungen gegen die Hersteller und drohte mit Schadensersatzforderungen. Das Eisenbahnbundesamt hatte nach einer Zugentgleisung im Juli in Köln die Bahn dazu verdonnert, die Achsen häufiger zu prüfen. Foto: ap
Foto: WirtschaftsWocheSeptember 2008 - Das kurze Leben der Schaltergebühr
Im September stellte die Bahn ihr neues Tarifsystem vor, das den Konzern nach dem geplanten Börsengang zukunftsfähig machen sollte. Heftige Prügel holte sich Mehdorn dabei mit seiner Idee ab, neben allgemeinen Fahrpreiserhöhungen von im Schnitt 3,9 Prozent künftig 2,50 Euro beim Kauf einer Fahrkarte am Schalter zu erheben - für jede Strecke. Mehdorn hielt trotz Warnungen aus dem eigenen Konzern noch eine Weile trotzig an seiner Gebühr fest („Alle tun so, als ob die Welt untergeht“), bis Kanzlerin Angela Merkel persönlich zum Hörer griff und den Bahn-Chef vor den Folgen warnte. Die Schaltergebühr wanderte in den Papierkorb. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheJuli 2008 - Achsbruch in Köln
Kurz nach der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof springt ein ICE drei - das modernste Modell der ICE-Flotte - mit einem Achsenbruch aus den Gleisen. Da der Zug nur mit Schrittgeschwindigkeit fährt, wird niemand verletzt. Ursache für das Unglück ist eine defekte Radsatzwelle. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheJuni 2008 - Mehdorn holt Hansen
Die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA waren Mehdorn lange gewogen. Doch im Juni vergangenen Jahres machte der damalige Bahn-Chef ausgerechnet den Transnet-Vorsitzenden Norbert Hansen zu seinem Personalvorstand. Der Seitenwechsel des Gewerkschafters stieß den Genossen übel auf, was deren Verhältnis zum Konzern nicht gerade verbesserte und die Rauflust von Hansens Nachfolger nicht schmälerte. Das Ergebnis ließ sich am vergangenen Wochenende studieren: Ungewöhnlich schnell schloss der Konzern für 4,5 Prozent mehr Lohn plus Einmalzahlung Frieden mit den Gewerkschaften. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWoche2007/2008 - Niederlage im Lokführer-Streik
Wochenlang verfolgte die Öffentlichkeit den Hahnenkampf zwischen der Bahn und dem Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell. Der wollte einen eigenen Tarifvertrag und 31 Prozent mehr Geld für seine Leute, was Mehdorn barsch abtat und keinesfalls akzeptieren wollte. Seine Versuche, den Arbeitskampf auszusitzen und gar von einem Gericht verbieten zu lassen, scheiterten. Außerdem war die Mehrheit der Bevölkerung auf Seiten der Lokführer. Unverständnis erntete der Bahn-Vorstand auch noch mit seiner teuren Anzeigen-Kampagne („Stoppen Sie diesen Wahnsinn, Herr Schell“). Nach zermürbenden Streiks einigten sich die Kontrahenten schließlich auf elf Prozent mehr Lohn - und einen eigenständigen Vertrag. Mehdorn, von Schell als "Rumpelstilzchen" geschmäht, konnte sich nicht durchsetzen. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWoche2006 - Ärger mit dem Hauptbahnhof I
Gleich an zwei Fronten bekam Mehdorn Ärger, als der neue Hauptbahnhof in Berlin fertig wurde. Beziehungsweise halbfertig, denn der Bahnchef ließ statt eines Glasgewölbes seinerzeit nur eine schnöde Flachdecke bauen und verzichtete auf einige Meter Glasdach, damit das Gebäude rechtzeitig zur WM fertig und nicht zu teuer werde. Erste Klasse reisende Abgeordnete klagten daraufhin, sie hätten jetzt beim Aussteigen kein Dach überm Kopf und würden nass. Und Architekt Meinhard von Gerkan klagte vor Gericht. Den Abgeordneten riet Mehdorn freundlich, „doch einen Wagen früher auszusteigen“. Mit Gerkan einigte man sich in einem Vergleich. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheJanuar 2007 - Ärger mit dem Hauptbahnhof II
Im Januar 2007 bereitete der Berliner Hauptbahnhof Probleme. Nachdem durch den Orkan "Kyrill" ein Stahlträger abgestürzt war, musste die Station mehrmals bei stärkerem Wind gesperrt werden. Architekt Gerkan sagte, das wäre nicht passiert, hätte man den Bau nach seinen Plänen vervollständigt. Das darf er heute nicht mehr behaupten - die Bahn hat ihn erfolgreich verklagt. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheEnde 2005 - Gescheiterter Umzug nach Hamburg
Die Bahn enthüllte im Jahr 2005 seinen Plan, bei der Hamburger Hochbahn einzusteigen - und gleich die ganze Firmenzentrale in die Hansestadt zu verlegen. Doch was der Konzern offenbar nicht bedachte, war vorher die Zustimmung der Bundesregierung einzuholen. Die winkte ab, die Umzugskartons mussten gar nicht erst gepackt werden. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheJanuar 2005 - ICE bleiben liegen
Nach mehreren technischen Pannen auf der neuen ICE-Strecke Hamburg-Berlin überprüft die Bahn einen auffälligen Abschnitt nahe des mecklenburgischen Bahnhofs Ludwigslust. Auf der für Tempo 230 ausgebauten Hochgeschwindigkeitstrasse sind seit der Eröffnung Mitte Dezember bereits drei ICE liegen geblieben. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWoche2003 - Keine Speisewagen mehr - oder doch?
Weil sie zu gering ausgelastet waren, wollte die Bahn seinerzeit die Speisewagen in den ICEs abschaffen - und durch Steh-Bistros und Bedienung am Platz ersetzen. Die Pläne riefen, wie so oft, Empörung in der Öffentlichkeit hervor. Folge: Die Speisewagen durften weiterrollen. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWoche2003 - Neues Preissystem floppt
Die Bahn erlebte schon einmal eine Schlappe bei dem Versuch, ein neues Preissystem zu installieren. Das System hieß PEP, stand für „Preis- und Erlösmanagement im Personenverkehr“ und war im Jahr 2003 der Versuch, die Bahn-Tarife ähnlich dem Luftverkehr zu gestalten: Frühe und verbindliche Buchungen auf einen bestimmten Zug brachten Preisnachlässe, die Bahncard 50 sollte abgeschafft werden. Doch viele Kunden protestierten und wollten ihre Flexibilität behalten. Der Umsatz brach weg, die Preisreform verschwand 2003 wieder in der Versenkung, die zuständigen Preisplaner mussten gehen. Foto: dpa
Foto: WirtschaftsWocheDas Gedränge der Fernbusse in den Großstädten könnte sicher bald auch zu ersten Opfern führen. Die Zahl der Wettbewerber stieg rasant. Alleine zwischen August und Oktober stieg die Zahl der innerdeutschen Fernbuslinien auf den klassischen Großstadtverbindungen laut Forschungsinstitut IGES um 16 Prozent auf 129 Linien. Die Busbahnhöfe Köln und Frankfurt gelten daher bereits als hoffnungslos überfüllt. Vor allem: Auf einigen Strecke wie der Linie Berlin-Dresden gibt es bereits fünf parallel anbietende Unternehmen. Zwischen Berlin und Hamburg sieht es ähnlich aus, wo derzeit vier und ab November ebenfalls fünf Anbieter um die Kunden werben.
Die Beobachter erwarten daher schon bald eine einsetzende Konsolidierung. Einige Start-ups konnten sich bereits etablieren. Gemessen an angebotenen Fahrplankilometern kommt der Berliner Anbieter Meinfernbus laut IGES bereits auf einen Marktanteil von rund 43 Prozent. Der Branchenführer betreibt 140 Fernbusse und beförderte bereits mehr als 1,8 Millionen Passagiere. Die Deutsche Bahn erreicht mit ihren Marken Berlin Linien Bus und IC Bus 25 Prozent. Auf Rang drei folgt das Münchener Unternehmen Flixbus, das auf zwölf Prozent kommt. An dem Start-up hat sich jüngst auch Daimler Mobility Services beteiligt. Die Tochter des Autokonzerns verantwortet das Carsharing-Angebot Car2Go.
Auf Rang vier steht mit rund sieben Prozent Marktanteil derzeit National Express mit der Marke City2City. Um das Friedrichshafener Start-up DeinBus, das als Erster gegen das bis Ende des vergangenen Jahres geltende Fernverkehrsmonopol der Bahn aufbegehrte, ist es etwas ruhiger geworden.
In Zukunft dürften Finanzkraft und Größe eine wichtige Rolle im Markt spielen. Denn der Gesetzgeber fordert bald schon teure Nachrüstungen der Busse. Bis 2016 sind die Fernbusbetreiber verpflichtet, einen barrierefreien Einstieg anzubieten. Das wird teuer. Post und ADAC haben ihre Busse, die von Scania und Van Hool kommen, bereits teilweise mit Hebebühnen ausrüsten lassen. Der späte Marktstart hat zumindest einen Vorteil.