Hamburg-Köln-Express: Wie neue Wagen den HKX retten sollen

Hamburg-Köln-Express: Wie neue Wagen den HKX retten sollen

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Mit letzter Kraft: Unternehmenschef Carstensen macht den HKX zum Nahverkehrszug.

von Christian Schlesiger

Die private Bahngesellschaft Hamburg-Köln-Express startet ihren letzten Versuch, der Deutschen Bahn Fahrgäste abzujagen. Eine Nahaufnahme eines bizarren Überlebenskampfes.

Carsten Carstensen lehnt sich zurück in den Sitz des Zugabteils. Etwas unbeholfen dreht er sich um und zieht den Stoffbezug mit den Buchstaben HKX von der Kopfstütze. „Antimakassar heißt das hier“, sagt Carstensen und erklärt: „Das ist gegen die Fettkrusten auf dem Polster.“ Ob jemand wisse, woher die Bezeichnung stamme, fragt er die Mitreisenden.

Der Chef der Privatbahn Hamburg-Köln-Express (HKX) mit Sitz in Köln muss das Rätsel um das eigentümliche Tuch selber auflösen. Ein „findiger Kerl aus den USA“ habe mit solchen Stoffbezügen Sitze in Clubs überzogen, um sie gegen Haargel aus Makassaröl zu schützen, sagt Carstensen. Eine geniale Erfindung, findet er.

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Carstensen lebt seinen eigenen amerikanischen Traum, und das mitten in Deutschland. Er ist heute ins sächsische Delitzsch gekommen, um ein letztes Mal nach dem Rechten zu schauen. Hier, im Instandhaltungswerk der schwedischen Firma EuroMaint, ließ er über Monate hinweg ältere Zugwaggons entkernen, die Technik modernisieren und Sitze bepolstern. Jetzt nimmt er sie ab. „Dieser Wagen ist in Ordnung“, sagt Carstensen erleichtert.

Seit fünf Jahren wartet der 44-Jährige auf diesen Moment, diesen Meilenstein: die Fertigstellung der lange herbeigesehnten, endlich komfortablen Waggons für seinen HKX. Sie sollen die Erlösung bringen, die Rettung vor dem drohenden Aus des Unternehmens. Nur wenn die Qualität stimmt, weiß Carstensen, hat HKX überhaupt noch die Chance, in die Annalen einzugehen als erster Fernzug, der der Deutschen Bahn mit vergleichbarem Standard und Service Paroli bietet.

Pflaumenfarbe der Hoffnung

Die pflaumenfarbenen Waggons mit Türen im Fliederton, die Carstensen abschließend checkt, sind seine letzte große Hoffnung, den Überlebenskampf mit der übermächtigen Deutschen Bahn und deren ICEs sowie Intercitys doch noch zu gewinnen. 2009 kaufte er alte Züge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). So wie Billigflieger in der Luftfahrt sollte HKX ein Jahr später als preiswerte Alternative zum ICE die Spielregeln im Fernverkehr auf den Kopf stellen. Doch die Zulassung verzögerte sich. Mehr als 60 Mal kam Carstensen seit 2012 nach Delitzsch, bis es so weit war.

Zwei Züge mit je drei Waggons kann der Rheinländer bald einsetzen – zugelassen für bis zu Tempo 160, mit WLAN, mehr Platz für die Reisenden als in vergleichbaren Zügen der Deutschen Bahn, kurz: fürs Bahnfahren wie in der ersten Klasse, aber Bezahlen wie in der zweiten. Im Dezember soll der Probebetrieb starten. „Wir haben so lange gewartet, jetzt gilt Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, sagt Carstensen. 30 weitere, unfertige Wagen hat er noch in petto.

HKX-Chef Henry Posner "Ich bin ein geduldiger Investor"

Henry Posner, Eigentümer der Railroad Development Corporation und damit der Privatbahn HKX, sieht den Turnaround erreicht - und glaubt, dass ein gutes Geschäft nicht immer erstrebenswert ist.

Gründer und Chef der Investmentfirma Railroad Development Corporation (RDC), Henry Posner III, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Der Einsatz der runderneuerten, aber eigenen Züge könnte HKX auf die Erfolgsspur setzen, nachdem das Unternehmen sein rollendes Material bisher von anderen Bahngesellschaften mieten musste. Deren Fahrzeuge fielen häufig aus und vergrätzten Passagiere so sehr, dass sie von ihrer Buchung absprangen. Das war die erste Nahtoderfahrung für den HKX. „Durch den Einsatz eigener Züge stabilisiert sich unser Fahrbetrieb und sinken unsere Mietkosten“, ist Carstensen jetzt überzeugt.

Ein gewöhnliches Start-up hätte solche Tiefschläge nicht überstanden. Doch hinter HKX steht ein ebenso eigenwilliger wie nervenstarker und langfristig orientierter Investor aus Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania, der es sich nicht nehmen ließ, die Pflaumen-Züge in Delitzsch schon zu begutachten. „Ich bin ein geduldiger Investor, aber ein ungeduldiger Manager“, sagt Henry Posner, Chef der Railroad Development Corporation (RDC), die den HKX mit mehreren Millionen Euro finanziert hat. „Misserfolg gehört zum Geschäft.“

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2 Kommentare zu Hamburg-Köln-Express: Wie neue Wagen den HKX retten sollen

  • Eine Konkurrenz zur DB im Fernverkehr ist doch politisch gar nicht erwünscht. Die Rahmenbedingungen sind bewusst so gestaltet worden, dass eigenwirtschaftlicher Fernverkehr keinen Gewinn erwirtschaften kann. Das beginnt schon mit der "Schienen-Maut": Jeder Zug muss pro Kilometer (!) eine Maut zwischen 3 und 5 Euro bezahlen. Das ergibt bei einer Strecke Hamburg - Köln - Hamburg eine Maut von mehreren tausend Euro. Zum Vergleich: Ein Fernbus zahlt gar keine Maut und hat somit einen enormen Wettbewerbsvorteil, der aus politischen Gründen so festgelegt worden ist. Selbst die LKW-Maut ist lachhaft gegen das, was Eisenbahnunternehmen zahlen müssen. Beim LKW sind es Cent-Beträge pro Kilometer und selbst das ist manchen Spediteuren noch zu viel. Die Folge der überhöhten Schienenmaut sehen wir: Es gibt keine Konkurrenten der DB, die wirklich Gewinn erwirtschaften. Die DB ist ein Monopolist, der sowohl als Netzbetreiber auftritt als auch als Zugbetreiber. So kann dort kein Wettbewerb entstehen. Das Ziel der Bahnreform war eigentlich, einen florierenden Markt mit vielen Unternehmen zu schaffen, die gegenseitig im fairen Wettbewerb stehen. Das hat sich besonders im Fernverkehr als leere Worthülse herausgestellt. Die Rahmenbedingungen sind so, dass außer der DB hier niemand Fuß fassen kann. N<türlich zahlt auch der DB Fernverkehr Trassengebühren. Allerdings ist dies nur eine Verschiebung innerhalb des DB Konzerns. DB Fernverkehr zahlt an DB Netz. Der übergeordneten Holding ist es egal, denn unter dem Strich bleibt alles im Hause DB. Von der rechten Tasche in die linke. Echter Wettbewerb kann erst dann starten, wenn es eine unabhängige Netzgesellschaft gibt, ohne Verpflechtungen zum Zugbetreiber. Aber das scheint in Deutschland nicht gewollt zu sein. Von daher: Viel Glück HKX - aber es wird ein aussichtsloser Kampf mit ungleichen Waffen. Irgendwann wird auch dieser private Fernverkehrszug die Segel streichen müssen, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.

  • Da ich keine Adresse der HKX-Bahn finden kann, wähle ich diesen Weg.
    Am Samstag, den 10.10.15, kurz nach 13 Uhr, erreichten wir von Köln aus Hammburg Hbf. Meine Frau und ich verließen das Abteil als Letzte. Wagen 6, Abteil etwa 2-3 vor der Wagenmitte. Der Zug fuhr leer weiter in die Reinigungsanlge. Ich hatte meine Umhängetasche mit der Geldbörse im Gepäcknetz vergessen. Diese wurde gefunden, und die Polizei hat sie sichergestellt und mir übergeben. Es war alles noch darin, außer etwas über € 200,00. Dieb kann nach meiner Vorstellung nur einer der Reiniger des Zuges gewesen sein. Kein gutes Bild für HKX.
    Mit freundlichem Gruß, Manfred Raun, Ahrensfelderweg 23, 22927 Großhansdorf.

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