Rennstrecke: Robertino Wild will mit dem Nürburgring durchstarten
Der Herr der Kurven: Unternehmer Wild – vom Autozulieferer und Immobilienentwickler zum Eigentümer des Nürburgrings.
Foto: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Die letzten Minuten seines alten Lebens verbringt Robertino Wild dort, wo er am liebsten ist: am Steuer eines Sportwagens. Er parkt sein grafitgraues Coupé, ein 400 PS starkes Sondermodell des Porsche 911 mit großen Lufteinlässen an der Front und vier Auspuffrohren am Heck, vor dem Hotel Contel in Koblenz. Dann geht er mit eiligen Schritten hinein in die Herberge an der Mosel – und betritt eine völlig neue Welt.
Mit Wucht bricht die geballte öffentliche Aufmerksamkeit über den 51-Jährigen herein, mehr als 50 Journalisten und Kameraleute warten auf ihn – den neuen Herrn des Nürburgrings. Erschöpft von den harten Verhandlungen blickt der Unternehmer aus Düsseldorf ins grelle Scheinwerferlicht. „Es ist alles wie ein Traum“, sagt Wild, ein schlank-sportlicher Typ in Jeans, Sakko und offenem Hemd.
Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.
Foto: PressebildDie superschnelle, 13 Millionen Euro teure Achterbahn wurde 2009 gebaut. Sie beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 217 Stundenkilometer.
Nach zwei Test-Unfällen mit sieben Verletzten verweigert der TÜV die Betriebsgenehmigung und legte einen neuen Termin auf Juni 2011.
Foto: PressebildEin 15 000 Quadratmeter großer Indoor-Freizeitpark, der für 500 000 Gäste pro Jahr geplant war. Tatsächlich kamen 2010 weniger als halb so viele. Die neue Planzahl liegt bei 170 000 Besuchern pro Jahr.
Foto: PressebildDer Boulevard ist eine 350 Meter lange, 9000 Quadratmeter große Einkaufspassage parallel zur Start- und Zielgeraden. Statt Läden gibt es einen Nissan-Showroom, ein RWE-Infocenter, Büros von ADAC und TÜV und einen wochentags geschlossenen Klettergarten. 2009 wurde ein Zehntel der geplanten Mieteinnahmen erzielt, für 2010 liegen noch keine Angaben vor.
Foto: PressebildEine Veranstaltungshalle am Ring-Boulevard mit 3500 Sitzplätzen und 1800 Quadratmeter Innenraum. Ende 2010 und Anfang 2011 fielen nach Angaben des Ring-Managements drei von vier geplanten Konzerten „wegen mangelnder Nachfrage“ aus.
Foto: PressebildDie Feier-Meile mit sieben Restaurants, Café und der Disco Eifel- Stadl sollte auch im Winter Leben in die Eifel bringen. Stattdessen sind Lokalitäten wie das Steakhaus „El Chueco“ derzeit oft geschlossen.
Foto: PressebildSeit 2009 betreibt Lindner das Congress- & Motorsporthotel (vier Sterne) mit 154 und das Eifeldorf Grüne Hölle (drei Sterne) mit 65 Zimmern. Das ältere Dorint-Hotel (vier Sterne) hat 207 Zimmer. Lindner vergibt die Doppelzimmer im Vier-Sterne- Haus schon mal für 65 Euro pro Nacht.
Foto: Pressebild
Robertino wer? Unternehmer was? Wer ist der Mann, der Deutschlands traditionsreichste Autorennstrecke, den seit 2012 bankrotten Nürburgring, zurück in die Erfolgsspur bringen soll? Und: Kann er das überhaupt?
Autos statt Patienten
Einwandererkind, promovierter Mediziner, Gründer, Kunstsammler, Motorsportler, Gastronom: Wilds Lebenslauf hat fast so viele Kurven wie die legendäre Nordschleife, die jetzt seine ist. Für 77 Millionen Euro übernimmt Wild zum 1. Januar 2015 die zwei Rennstrecken Nordschleife und Grand-Prix-Kurs samt angeschlossenem Freizeitpark. Vorausgesetzt, die EU-Kommission stimmt dem Verkauf zu.
Wer den neuen Nürburgring-Eigentümer trifft, spürt im Gespräch immer noch den kleinen Jungen mit italienischen Wurzeln, der kurz nach Weihnachten 1962 in Düsseldorf in eine Familie von Gelatai, also Speiseeisherstellern, aus den Dolomiten hineingeboren wurde. „Ich kaufe mir den Nürburgring. Das klingt für mich wie der Titel eines Kinderbuchs“, erzählt er beim Treffen in Düsseldorf, wo er im Nobelviertel Kaiserswerth aufwuchs. Dort hatte die Mutter 1960 das Eiscafé Lido eröffnet.
Den Deutsch-Italiener schreckt es nicht, dass er nun für die Verwirklichung seines Kindheitstraums sein eigenes Leben auf den Kopf stellen muss. So locker, lässig und ungestört wie bisher wird es nicht mehr zugehen, doch Wild hat schon manche spektakuläre Kurve genommen. Ob als Motorsportler oder als Chef seiner Firma Capricorn, die nur eingefleischte Autospezialisten kennen und in der sich alle Mitarbeiter auf Geheiß des Chefs duzen.
Wie ein millionenschwerer Geschäftsmann sieht Wild nicht aus, als er in sein Hauptquartier im Düsseldorfer Medienhafen bittet, ein stylisches Bürogebäude mit direktem Blick auf Rhein und Landtag. Besucher bittet er, doch unbedingt den naturtrüben Streuobst-Apfelsaft auf dem Konferenztisch zu probieren: „Der ist grandios, schmeckt wie früher.“
Wild wollte mal Humanmediziner werden, Mitte der Achtzigerjahre. Er finanzierte das Studium durch die Restauration und den Handel mit historischen Sportwagen. „Rennmotorräder und Rennautos haben mich schon immer fasziniert. Ich bin autobegeistert seit meinem ersten Bobbycar“, sagt Wild in seiner schwärmerischen Art.
Die Elbphilharmonie ist das teuerste Kulturprojekt in Deutschland. Die Kostenexplosion und Bauverzögerung wird ein Fall für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt, ob Straftaten vorliegen.
Laut Abschlussbericht sind eine unfertige Planung, mangelnde Kontrolle vonseiten der Politik und ein Chaos auf der Baustelle schuld am Desaster beim Bau. Die Kosten für den Steuerzahler bei dem Projekt sind von ursprünglich 77 Millionen auf 789 Millionen Euro gestiegen, die Eröffnung wurde von 2010 auf 2017 verschoben.
Erstmals nennt der Abschlussbericht, der die Ereignisse bis Ende 2008 untersucht, auch die Namen der Verantwortlichen. Demnach ist die städtische Realisierungsgesellschaft (Rege) mit ihrem Chef Hartmut Wegener für wichtige Fehlentscheidungen verantwortlich. Die politisch Verantwortlichen, allen voran Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und sein Chef der Senatskanzlei Volkmar Schön (CDU), seien dagegen ihrer Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden. Aber auch die Architekten Herzog & de Meuron und der Baukonzern Hochtief kommen in dem Bericht nicht gut weg.
„Wenn wir konkrete Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat finden würden, würden wir entweder einen Ermittlungsvorgang gegen einen bestimmten namentlich bekannten Beschuldigten oder mehrere einleiten oder wir würden ein Unbekannt-Verfahren einleiten, wenn wir noch nicht wüssten, wer der Beschuldigte ist“, erklärt die Sprecherin Nana Frombach.
Foto: dpaAuf der Baustelle im Hafen der Hamburger Elbphilharmonie herrscht mittlerweile seit rund anderthalb Jahren Stillstand, weil sich die Vertragspartner lange nicht einigen konnten. Erst im März hatte Scholz mit Hochtief einen Vertrag geschlossen, wonach der Essener Baukonzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus bis Ende Oktober 2016 zum „Globalpauschalfestpreis“ von 575 Millionen Euro zu Ende baut. Nicht berücksichtigt waren dabei jedoch unter anderem die Finanzierungs- und Baukosten für den kommerziellen Teil und die Vorplanungskosten. Nun geht aus dem vertraulichen zweiten Entwurfs des Abschlussberichts des Untersuchungsausschusses hervor, der Spiegel Online vorliegt. Die Schuldigen sollen die Projektkoordination, Bauunternehmer und Architekt, sowie auch der damalige Erster Oberbürgermeister, Ole von Beust, sein.
Foto: REUTERSDie sogenannte 'Kanzlerbahn', die derzeit zwischen dem Hauptbahnhof, Kanzleramt und dem Brandenburger Tor verkehrt, soll um 92 Millionen Euro teurer werden. Laut Berliner Morgenpost beläuft sich das Gesamtvolumen künftig auf 525 Euro, die das Land und der Bund zahlen müssen.
Foto: dpaIn Schlangen winden sich Hunderte Besucher durch den Saal, bestaunen historische Exponate, erhaschen per Kurzfilm einen Einblick in die Arbeit der Bundestagsabgeordneten. In einem Miniplenarsaal mit originalgetreuen blauen Sesseln lauschen sie einer gespielten Debatte und ergreifen selbst das Wort. Dann geht es durch den unterirdischen Gang ins Reichstagsgebäude, hinauf in die gläserne Kuppel. Zum Abschluss noch ein Imbiss an einem der 16 Bistro-Tische, die die 16 Bundesländer repräsentieren. So soll es aussehen, das Besucher- und Informationszentrum des Bundestages (BIZ).
Ursprünglich sollte es 200 Millionen Euro kosten. Im Januar dann lag der anvisierte Preis schon bei 330 Millionen Euro. "Ein Bau für 330 Millionen Euro, das wird nicht kommen", sagte damals Eduard Oswald, CSU-Bundestagsvizepräsident und Vorsitzender der inneren Kommission, gegenüber WirtschaftsWoche. Nun heißt es in einem Bericht der Welt, dass der Bau mit bis zu 500 Millionen Euro zu Buche schlagen werde. das gehe aus einem Bericht der 36-köpfigen "Reformkommission Bau von Großprojekten" der Bundesregierung hervor.
Foto: dpaDie Stuttgarter waren nicht ohnmächtig: Stuttgart 21 steht für einen politischen Umbruch in Baden-Württemberg und den Einzug neuer Formulierungen in die deutsche Sprache, wie zum Beispiel das Wort „Wutbürger”. Der alte Kopfbahnhof soll zu einem Tunnelbahnhof umgebaut werden. Eine riesige Protestwelle überrollte die baden-württembergische Landeshauptstadt, seit der Abriss des alten Bahnhofs startete. In einer Abstimmung Ende 2011 sprach sich eine Mehrheit der Bevölkerung jedoch für das Projekt aus. Gestritten wird vor allem über die Kosten des Umbaus...
Foto: dpaImmer wieder wurden die prognostizierten Baukosten nach oben korrigiert. Zwischenzeitlich sprach die Deutsche Bahn von 4,5 Milliarden Euro, mittlerweile hat sie die Zahlen um ganze zwei Milliarden erhöht.. Andere Experten veranschlagen Kosten von bis zu elf Milliarden Euro. Auch der Bundesrechnungshof hat diese Summe bereits vor drei Jahren als viel zu gering bezeichnet. Die DB hatte damals die Einschätzung zurückgewiesen. Inzwischen sind viele Dokumente ans Tageslicht gekommen, die beweisen, dass die Bahn hohe Mehrkosten vorsätzlich verschwiegen hat. Nicht zuletzt die mangelnde Transparenz bezüglich der Gesamtkosten des Projekts hat viele Bürger auf die Straße getrieben. Die ersten Züge werden wohl nicht vor 2022 im unterirdischen Bahnhof einfahren.
Foto: dpaEigentlich sollte die Erweiterung des Saarland-Museums und der Modernen Galerie in Saarbrücken ein Prestigeprojekt werden. Allerdings haben sich die veranschlagten Kosten mehr als verdreifacht. Ursprünglich sollte der Bau neun Millionen Euro kosten. Wie tief der Steuerzahler dafür in die Tasche greifen muss, ist noch offen. Bisher steht in bester Lage in Saarbrücken unweit des Staatstheaters ein hässlicher Betonklotz im Rohbau, dem ein Gutachten jetzt zahlreiche Mängel bescheinigt hat. Die Landesregierung will aber auf jeden Fall an dem schon weit vorangeschrittenen Projekt festhalten, obwohl viele vor einer „zweiten Elbphilharmonie“, wenn auch in sehr viel kleinerer Größenordnung, warnen.
Foto: dpaDie ständig neuen Meldungen über die steigenden Kosten für den Bau des Berliner Hauptbahnhofs sorgten 2007 für großen Ärger. Anfangs kalkulierte man mit „nur“ 300 Millionen Euro – letztlich wurden es 1,2 Milliarden. Allein 200 Millionen gingen für die beiden Büro-Gebäuderiegel über dem Glasdach drauf. Im April kam dann der Paukenschlag: 2015 muss der dann erst acht Jahre alte Hauptbahnhof drei Monate lang gesperrt und saniert werden. Grund dafür sind mangelhafte Schrauben an den Übergängen der Gleisbrücken. Die Bahn rechnet mit einem Sanierungsaufwand von 25 Millionen Euro.
Foto: dpaDoch die gestiegenen Baukosten sind nicht das einzige Übel. Denn mit der Miete, die die Bahn jedes Jahr von den Geschäften kassiert, nämlich zwischen sechs und acht Millionen Euro, kann sie die Baukosten niemals wieder hereinholen.
Foto: dpaNach der Deutschen Einheit bildeten sich mehrere Vereine, die für einen Wiederaufbau des Schlosses kämpften. Sie betonten die Identität stiftende Funktion des Schlosses für die Deutschen, das zudem einen neuen architektonischen Mittelpunkt der berühmten Prachtstraße Unter den Linden bilde. Gegner des Schlosses argumentierten gegen den Rückgriff auf die Ära Preußens und die hohen Kosten des Projekts.
Die Planung für den Wiederaufbau des Stadtschlosses begannen kurz nach der Vereinigung, doch lange Jahre war die Finanzierung nicht gesichert. "Mit der Grundsteinlegung wird die Realisierung dieses großen Kulturvorhabens nun endlich für alle sichtbar", erklärte Neumann am Mittwoch. In den Nachbau sollen Einrichtungen aus Kultur, Kunst und Wissenschaft ziehen, Architekt ist der Italiener Franco Stella.
Foto: dpaDer Bau soll rund 595 Millionen Euro kosten und nach dem Willen der Bauherren 2019 eingeweiht werden. 2007 hatte der Berliner Haushaltsausschuss noch 552 Millionen Euro als Obergrenze festgelegt, allerdings habe sich eine Kostensteigerung durch höhere Preise im Baugewerbe ergeben, so das Finanzministerium. Die Kosten der Rekonstruktion der historischen Fassade in Höhe von 80 Millionen Euro sollen private Spender aufbringen.
Angesichts der chronischen finanziellen Probleme der Hauptstadt betonte Bürgermeister Wowereit, dass für etwaige Mehrkosten beim Bau der Bund zuständig sei. Falls ein Betrag fehlen sollte, müsse das aus Bundesmitteln ausgeglichen werden. Laut einer Umfrage der Zeitschrift "Stern" stößt die Rekonstruktion des Stadtschlosses bei den Bundesbürgern auf wenig Gegenliebe. Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) gaben demnach an, sie fänden den Wiederaufbau nicht gut. 30 Prozent befürworten ihn.
Foto: dpaDie im Bau befindliche Nord-Süd-Stadtbahn in Köln soll mit einer Tunnelstrecke unter der Altstadt zwischen dem Innenstadttunnel und dem Rhein das bestehende Netz der Kölner Stadtbahn erweitern. Die Baukosten werden auf mindestens 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Doch das Projekt ist nicht nur teuer, immer wieder wurde das Bauvorhaben von Zwischenfällen überschattet - wie dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs. Die komplette Strecke soll nach aktuellen Plänen erst im Jahr 2017/2018 fertig sein, ab 2016 werden Teilbereiche im Süden der Domstadt in Betrieb genommen.
Foto: dpaEine riesige Stahlkonstruktion, die „Waldschlösschenbrücke“, ist Schuld daran, dass dem Dresdner Elbtal der Weltkulturerbetitel der UNESCO aberkannt wurde. Die Brücke verschandele eine einmalige Kulturlandschaft. Der Stahlkoloss soll im November 2011 fertig gestellt werden, der Verkehr soll ab 2012 rollen. Auch dieses Projekt wurde im nachhinein teurer als geplant: Der gesamte Straßenzug und die Tunneleinfahrten sollen rund 180 Millionen Euro kosten. Bisher hatte man mit 157 Millionen Euro kalkuliert.
Foto: dapdEigentlich eine kreative Idee: Ein teils frei schwebender Kubus auf den Silos des Kunstmuseums Küppersmühle in Duisburg sollte ein Zeichen im Kulturhauptstadtjahr 2010 setzen (hier als Computeranimation). Fraglich ist bis heute, ob der Stahlkubus überhaupt jemals auf dem Dach des Museums landen wird. Die Kosten des Vorhabens sind in die Höhe geschossen: Zuerst wurden die Kosten auf 25 Millionen Euro geschätzt, dann später auf 40 Millionen Euro korrigiert und inzwischen gehen jüngste Schätzungen von einem Kostenvolumen von 69 Millionen Euro aus. Der Kunst-Kubus ist bisher nicht fertig geworden und es bleibt abzuwarten, ob und wann das für den Bau verantwortliche Wohnungsunternehmen Gebag sich mit dem Mäzen-Ehepaar Ströher auf eine neue Finanzierung einigt.
Foto: dpaIst diese Aussicht nicht schön? Nein, sagen Gegner des Hochmoselübergangs, einer 25 Kilometer langen Neubaustrecke der B50 mitten durch das Moseltal. Dies ist zwar nur eine Computergrafik des Straßen- und Verkehrsamtes Trier, aber so in etwa soll ein Teilstück bei Ürzig dann später aussehen. Ein Argument für den Hochmoselübergang: eine bessere Anbindung an den Flughafen Frankfurt-Hahn. Die Gegner bezweifeln den Nutzen des Projekts und warnen vor einem erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild, der sich negativ auf den Tourismus auswirken könnte. Und billig ist das Ganze auch nicht: die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 330 Millionen Euro.
Foto: dpaDer Ausbau des Nürburgrings im Jahr 2009 sollte eigentlich komplett privat finanziert werden, allerdings wurde kein Investor gefunden. Trotzdem zahlte Rheinland-Pfalz das Projekt vorläufig aus Steuergeldern, so dass mit dem Bau begonnen werden konnte. Inzwischen sind um die 350 Millionen Euro an Steuergeldern in das neue Freizeit- und Erlebniszentrum geflossen. Landesfinanzminister Ingolf Deubel trat am 7. Juli 2009 zurück. Er wollte den Ausbau über hochspekulative Fonds, Liechtensteiner Konten und unbekannte Geschäftspartner in Dubai finanzieren. Formel 1-Rennen auf dem Nürburgring werden vom Land mit Millionenbeträgen subventioniert. Diese als „Strukturhilfe“ aufgeführten Zahlungen werfen nicht nur bei der oppositionellen CDU die Frage nach dem richtigen Umgang mit Steuergeldern auf, auch die Gastronomen im Umland lehnen die subventionierte Konkurrenz ab.
Foto: dpa
Also konzentrierte er sich auf historische Autos: edle Liebhaberstücke der Marken Maserati, Ferrari und Porsche. Das Geschäft mit Ersatzteilen und restaurierten Autos lief so gut, dass er nach dem Abschluss des Studiums – die Aussicht auf einen Job als angestellter Arzt in einer Großklinik hatte ihn erschreckt – umsattelte und lieber sein eigenes Unternehmen gründete. Er nannte es Capricorn, vom italienischen capricorno, zu Deutsch: Steinbock. Das ist sein Sternzeichen.
Hochwertige Ersatzteile für alte Sportwagen wie den Porsche Spyder aus den Sechzigerjahren oder komplette Motoren für den raren Porsche 356 Carrera zum Stückpreis von knapp 120.000 Euro liefert Capricorn heute immer noch. Zudem betreibt Wild Werke in Mönchengladbach und im englischen Basingstoke. Doch die Oldtimerei macht inzwischen nur noch einen kleinen Teil des Geschäfts aus.
Capricorn ist inzwischen durch allerlei Übernahmen in Frankreich, Großbritannien und den USA ein Konglomerat aus mehr als zwei Dutzend Einzelgesellschaften mit einem Umsatz von insgesamt rund 40 Millionen Euro, allesamt geführt von Wild. Die Unternehmensgruppe liefert Spezialteile für Formel-1-Rennställe und die Autoindustrie: Kurbelwellen, Kolben, Motorblöcke oder besonders leichte und hochstabile Bauteile aus Verbundwerkstoffen wie Carbon oder Glasfaser, die in einer Fabrik in Meuspath in unmittelbarer Nähe des Nürburgrings gefertigt werden.
Capricorn genießt in der Autoindustrie einen guten Ruf: „Die arbeiten sauber und schnell“, lobt ein Renault-Manager. 19 Formel-1-Weltmeister, darunter Sebastian Vettel und das Red-Bull-Renault-Team, fuhren in Boliden zum Titel, in denen Teile von Capricorn steckten. Zu den größten Kunden der Düsseldorfer zählen die Rennsportabteilungen der VW-Gruppe, insbesondere Audi, Lamborghini und Porsche.
Deutschland ist Weltmeister im Hopfenexport. Da könnte man meinen, diese Sparte der Landwirtschaft kann auch ohne Subventionen auskommen. Das sieht die Bundesregierung anders: Rund 260.000 Euro zahlt das Landwirtschaftsministerium für die Entwicklung einer automatischen Hopfenernte. Damit kann die Branche in Zukunft ihr Margen erhöhen – zu Lasten der Saisonarbeiter und des Steuerzahlers.
Foto: dpaAuch der Sportwagenhersteller Porsche springt auf den Trend E-Auto an und arbeitet an einer elektrischen Version des Panamera. Da freut die Bundesregierung sehr – und zahlt Porsche dafür rund 850.000 Euro. Bei einem Gewinn in 2012 von 1,8 Milliarden Euro wohl Peanuts für die Stuttgarter – und umso ärgerlicher für das Gemeinwesen. Und das ist erst der Anfang: Mehr als 22 Millionen Euro Steuergelder fließen in ein E-Auto-Gemeinschaftsprojekt von führenden Industrieunternehmen und Universitäten – auch das ist Porsche mittendrin.
Foto: dpaDie Deutschen mögen ihren Wein – so sehr, dass sie auch den Winzern unter die Armen greifen. Da Weinberge an manchen Stellen schwer zugänglich sind, geben die Bürger 800.000 Euro für die Entwicklung Roboter-Hubschraubers aus, der eigenständig Pflanzenschutzmittel auf den Reben verteilen soll.
Foto: dpaDie großen Energieriesen in Deutschland wollen grüner werden – und das nicht nur aus Imagegründen.. Schon allein aus finanziellen Gründen haben die Unternehmen ein Interesse daran, ihre Emissionen zu verringern. Da helfen groß angelegte Forschungsprojekte, etwa an CO2-Filteranlagen für Braunkohlekraftwerke. Ein Glück, das trotz der Milliardenumsätze der Konzerne auch die Bundesregierung ihren finanziellen Beitrag – oder besser, den der Bürger – dazu leisten will: bis 2013 noch gut 4,2 Millionen Euro aus der Staatskasse. Und das für eine etwas saubere Verbrennung eines fossilen Energieträgers.
Foto: dpaDie Fußball-Fans freuen sich über die Erfolge der deutschen Teams in der Champions League. Gerade Bayern München und Borussia Dortmund begeistern – und das soll auch mit Hilfe von Steuergeldern in Zukunft so bleiben.
Denn gerade der BVB ist für die Zukunft gut aufgestellt – mit dem automatisierten Hightech-Trainingsraum Footbonaut. Damit der bald noch besser funktioniert, gibt der Bund rund 572.000 Euro für die Weiterentwicklung des Trainingsroboters aus.
Foto: dpaAuch der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes für das Bauunternehmen Züblin liegt der Politik an Herzen. Da es als Demonstrationsobjekt für Niedrigstenergie-Gebäude dienen soll, gibt Vater Staat rund 560.000 Euro dazu. Und bevor sich das Säckel wieder schließt, hat sich Züblin – ein Konzern mit Milliardenumsatz – nach den Informationen des Steuerzahlerbundes weitere 600.000 Euro Forschungszuschüsse gesichert.
Foto: dpaFirmen, die an Energiewende-Projekten arbeiten, profitieren momentan besonders von Subventionen. So gehen etwa 6,4 Millionen Euro an Bxi Innotech, die Brennstoffzellen für Eigenheime entwickelt – und das unternehmerische Risiko federt der Steuerzahler deutlich ab.
Foto: dpaVom Wirtschaftsministerium erhält auch die EADS-Tochter Tesat erhält rund 15 Millionen für die Entwicklung von Hightech-Bauteilen für Satelliten. Der Weltmarktführer verkauft seine Produkte auch an die ESA und das Verteidigungsministerium – und profitiert damit doppelt von Steuergeldern.
Foto: dpaDer Software-Gigant SAP will mit einer riesigen Datenbank die Landwirtschaft optimieren. Das Unternehmen nimmt nicht nur Gelder ein, wenn sich das Produkt gut verkauft. Etwa 12,5 Millionen Euro flossen bereits zur Förderung des Projekts.
Foto: dpaVerpackung für Aerosole wie Haarsprays sind teuer und nicht gerade umweltfreundlich. Deswegen lässt sich der Staat die Entwicklung einer neuen Kunststoffverpackung ordentlich was kosten. Ein bayrisches Unternehmen erhält dafür 600.000 Euro – obwohl dem Produkt ohnehin gute Marktchancen eingeräumt werden.
Foto: dpa
Mittlerweile kommen Teile von Capricorn auch in der Medizintechnik zum Einsatz, der Luft- und Raumfahrt sowie im Maschinenbau. 2012 erwirtschaftete Capricorn Composite mit Leichtbauteilen einen Umsatz von rund zehn Millionen Euro sowie einen Überschuss von knapp 40.000 Euro. Capricorn Automotive kam auf einen Gewinn von 203.000 Euro bei einem Umsatz von 2,8 Millionen Euro.
Abgehobene Idee
Wilds zweites Standbein sind Immobilienprojekte, die von Capricorn Development – Bilanzsumme 2011: 25,7 Millionen Euro – betrieben werden. Mit Star-Architekt Renzo Piano baut Capricorn in Düsseldorf ein Plus-Energie-Bürohaus, das mehr Energie gewinnt, als es zum Heizen benötigt. Für E.On Trading baute er in Düsseldorf einen Verwaltungssitz, für den Autozulieferer Pierburg eine Gießerei.
Rund 400 Mitarbeiter, sagt Wild, seien mittlerweile weltweit für ihn tätig – kaum mehr als bei der Nürburgring GmbH mit ihren fast 300 Angestellten. Und an diesen Brocken traut sich einer wie Wild ran?
Es war eine abgehobene Idee, im besten Sinne des Wortes. Im Firmenflieger sprach ihn ein Mitarbeiter auf einen Zeitungsbericht an, wonach der Nürburgring zum Verkauf stehe. Wilds Werk liegt im benachbarten Meuspath, und er wurde hellhörig: „Wenn dein Nachbar verkauft, musst du dich immer drum kümmern.“
Flughafen Zweibrücken
Nach dem insolventen Nürburgring steht ein weiteres Projekt mit Steuergeld in Rheinland-Pfalz vor dem finanziellen Crash: Der Flughafen Zweibrücken in der Pfalz wird nach Ansicht von Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) Insolvenz anmelden müssen. Er rechne damit, dass die EU-Kommission die Rückzahlung von bis zu 56 Millionen Euro staatlicher Beihilfen fordern werde, sagte Lewentz. Der Flughafen Zweibrücken - wie der verschuldete Airport Frankfurt-Hahn ein früheres Militärgelände - hatte 2012 ein Minus von 4,6 Millionen Euro eingefahren. Im vergangenen Jahr stiegen die Verluste dann weiter, nach Ministeriumsangaben auf knapp 3 Millionen Euro.
Der Flughafen befindet sich zur Hälfte in Hand des Landes und zur Hälfte in kommunaler Hand. Er liegt nur rund 30 Kilometer vom Flughafen Saarbrücken entfernt. Die neuen Flugleitlinien der EU-Kommission verbieten Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen.
Flughafen Leipzig/Halle
1994 wollte Sachsens damaliger Landesvater Kurt Biedenkopf (CDU) Leipzig, der einstigen DDR-Messehochburg ein Tor zur Welt zu bauen. Seit der deutschen Wiedervereinigung hatte der Landeplatz Leipzig/Halle von 600 000 auf gut zwei Millionen Kunden zugelegt. „Bald werden wir mehr als sechs Millionen Passagiere haben“, frohlockte der damalige Geschäftsführer Wolfgang Hesse und investierte eine Milliarde Euro, größtenteils in einen Terminal für 4,5 Millionen Passagiere pro Jahr.
Doch die Hoffnungen entpuppten sich als Größenwahn. Das Passagierwachstum stockte bereits, als der Terminal öffnete. 2011 hatte Leipzig/Halle gerade mal 86 000 mehr als vor eineinhalb Jahrzehnten.
Foto: Uwe SchoßigNürburgring 2009
Deutschlands bekannteste Formel-1-Rennstrecke sollte zum ganzjährigen Publikumsmagneten werden: Auf dem Nürburgring sollten Besucher einkaufen, Achterbahn fahren und bei den Gastronomen essen und trinken – auch abseits der Motorsportwochenenden. Das war das Ziel des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, der das Projekt "Nürburgring 2009", das eigentlich privatwirtschaftlich finanziert werden sollte, mit Steuergeldern in Höhe von 330 Millionen Euro unterstütze.
Doch die Bilanz ist verheerend: Eine der Hauptattraktionen, die Stahlachterbahn „ring racer“, ist aufgrund von Sicherheitsbedenken jäh ausgebremst worden; aufgrund dubioser Geschäftspraktiken musste der ehemalige rheinland-pfälzische Finanzminister Ingo Deubel gehen – und die anvisierten Besucherzahlen von 500.000 pro Jahr wurden bei Weitem nie erreicht.
Foto: dpaTransrapid-Versuchsanlage Emsland
Der Transrapid war das Vorzeigeobjekt deutscher Ingenieurskunst. Die Magnetschwebebahn, geplant und entwickelt von Siemens und ThyssenKrupp, sollte zum Exportschlager werden. Um zu zeigen, was der Schnellzug kann, wurde im Emsland eine Teststrecke gebaut. Doch das Interesse blieb gering – sowohl im In- als auch im Ausland.
So scheiterte 2008 das letzte kommerzielle Projekt in Deutschland, die geplante Trasse zwischen dem Münchner Flughafen und dem Hauptbahnhof. Kommerziell vermarktet werden konnte die Technik damit nur einmal: Seit 2003 fährt der Transrapid in der chinesischen Metropole Shanghai.
Der Bund investierte rund 1,5 Milliarden Euro in den Transrapid und trägt nun auch die Kosten für den Abbau der Strecke in Höhe von etwa 40 Millionen Euro.
Foto: dpa
Kernkraftwerk Kalkar
Für etwa 3,4 Milliarden Euro (etwa sieben Milliarden Deutsche Mark) wurde bis 1985 das Kernkraftwerk Kalkar am Niederrhein gebaut. In Betrieb ging es aber nie. Der Grund: Nach massiven Protesten der Bevölkerung verweigerte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gegen den Willen der damaligen Bundesregierung die Betriebsgenehmigung. Die Risiken des Meilers seien nicht kalkulierbar, so die Begründung. Im März 1991 folgte das endgültige Aus, das Projekt wurde zu einer der größten Investitionsruinen Deutschlands. Zwar wurde das Gelände an einen niederländischen Investor verkauft, der den Vergnügungspark Wunderland Kalkar aufbaute, doch der Kaufpreis lag mit 2,5 Millionen Euro dramatischen unter dem verbauten Sachwert.
Foto: APCargolifter-Halle Brandenburg
In der brandenburgischen Gemeinde Halbe sollte ein Logistik-Zentrum für den wiederbelebten globalen Luftschiffverkehr erschaffen werden. Zu diesem Zweck wurde für rund 78 Millionen Euro die größte freitragende Halle der Welt gebaut: das Aerium. Das Problem: In ihr wurden hauptsächlich Testluftschiffe geparkt, 2002 ging die Cargolifter AG insolvent. Der malaysische Konzern Tanjong kaufte die Halle für 17,5 Millionen Euro und baute sie zu einem überdimensionierten Spaßbad aus, dem Tropical Islands.
Foto: dpa/dpawebDortmunder U
Die Sanierung des Dortmunder U-Turms – das denkmalgeschützte frühere Gär- und Lagerhochhaus der Union-Brauerei – sollte das Dortmunder Highlight im Kulturhauptstadtjahr 2010 werden und die Stadt zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft machen. Doch die Bauarbeiten zogen sich in die Länge, die Kosten explodierten. So wurden aus rund 54 Millionen Euro schnell 83 Millionen Euro. Der Bund der Steuerzahler bilanziert in seinem Schwarzbuch 2011: „Die Sanierung des Dortmunder U-Turms liegt wie ein schwarzer Schatten auf dem städtischen Haushalt. Um 2010 den U-Turm in neuem Glanz wiederauferstehen zu lassen, nahm sie Baukostensteigerungen bewusst in Kauf.“
Foto: PRSpace Park Bremen
Im Frühjahr 2004 wurde in Bremen der erste Indoor-Freizeitpark Deutschlands eröffnet: der Space Park. Neben Fahrgeschäften sollten vor allem der Einzelhandel und die Gastronomie für Besucherströme sorgen. Dazu kam es nicht. Die Verkaufsflächen wurden nur spärlich vermietet, die Besucher blieben aus. Nach nur sieben Monaten schloss der Space Park, der knapp 700 Millionen Euro gekostet hatte. Das überschuldete Bremen allein hatte rund 170 Millionen Euro für Infrastruktur, Marketing, Kredite sowie für eine zehnprozentige Beteiligung an der Space Park KG gezahlt. Aus dem Space Park wurde anschließend ein Einkaufszentrum, die Waterfront Bremen.
Foto: APKohlekraftwerk in Datteln
Nach seiner Fertigstellung sollte das Kraftwerk „Datteln IV“ mit einer Leistung von rund 1.050 Megawatt eines der größten und modernsten Steinkohlekraftwerke Europas werden. Die Gesamtinvestition des Betreibers E.On beträgt rund 1,2 Milliarden Euro. Doch das Projekt droht zu einer Investitionsruine zu werden. Da der Bebauungsplan wegen zahlreicher Verstöße gegen das Umwelt- und Planungsrecht letztinstanzlich für unwirksam erklärt wurde, sind die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Kraftwerkes ungewiss. Die rot-grüne Landesregierung geht davon aus, dass „Datteln IV“ nicht realisiert werden kann.
Foto: dpaKohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG
Die Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG von Dormagen nach Krefeld ist seit Ende 2009 fertig gebaut und wurde auch schon einmal genehmigt. Dennoch ist sie noch nicht in Betrieb, da ein Rechtsstreit läuft. Kläger kritisieren, dass von dem geruchlosen und giftigen Kohlenstoffmonoxid eine Gefahr für Mensch und Natur ausgehe, insbesondere, da die Pipeline durch teils dicht besiedeltes Gebiet führt. Der Chemiekonzern verweist auf regelmäßige Kontrollen der Leitung.
Foto: APGrand Hotel Heiligendamm
Bundeskanzlerin Angela Merkel lud 2007 die mächtigsten Politiker der Welt zum G8-Gipfel ins 5-Sterne-Grand-Hotel Heiligendamm. Damit wurde es zu den bekanntesten Hotels Deutschlands. Profit daraus machen, konnten die Betreiber aber nicht. Das Hotel erklärte sich vor wenigen Wochen für zahlungsunfähig. Mehr als 200 Millionen Euro wurden in den Komplex investiert, doch die Gästezahlen blieben überschaubar. Die Auslastung des Hotels lag zuletzt im Jahresdurchschnitt bei 44 Prozent, 80 Prozent im Sommer und 12 Prozent im Winter. Im Jahresdurchschnitt wären 60 Prozent nötig.
Foto: dpa
Gleich nach der Landung trug er seinen Einfall Beat Tschudi vor, dem operativen Chef seiner Immobiliensparte. Die erste Reaktion des Schweizers: „Um Gottes willen!“ Doch nach einem längeren Gespräch kamen beide zu dem Schluss, dass die Verbindung der Erfahrungen im Autogeschäft mit der Projektentwicklung „spannend“ sein könnte. „Also habe ich weitergemacht.“
Alleine konnte Wild das nicht schaffen. Also holte er sich Verstärkung aus der Nachbarschaft: Axel Heinemann, 51, Düsseldorfer und mit seinem Unternehmen GetSpeed ebenfalls im Meuspather Gewerbegebiet ansässig. Heinemann war Partner bei der Beratung Boston Consulting und arbeitete für Pharmaunternehmen. Seit knapp zwei Jahren bietet er mit GetSpeed einen Werkstattservice für Sportwagen am Nürburgring.
Schwierige Mission
Doch Erfahrung, Ideen und Mut reichten nicht aus, um einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag zusammenzubekommen, der für den Erwerb des Nürburgrings notwendig war. Auch gemeinsam hatten Wild und Heinemann zunächst Schwierigkeiten, an Geld zu kommen. Sogar beim ADAC und dem Finanzinvestor HIG Capital, die ebenfalls am Nürburgring interessiert waren, fragten sie nach, allerdings vergeblich. Nach Informationen der WirtschaftsWoche half am Ende die Deutsche Bank Wild, die Finanzierung zu sichern und HIG auf den letzten Metern des Bieterprozesses zu überholen.
Nun steht Wild vor der größten Herausforderung seines Lebens: den Nürburgring zu einer wirtschaftlichen Veranstaltung zu machen. Eine schwierige Mission, denn die Rennstrecke gleicht einem Minenfeld. Die rheinland-pfälzische Landesregierung versenkte dort unter ihrem früheren Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) eine halbe Milliarde Euro an Steuergeldern, alleine 330 Millionen Euro davon für ein Business- und Freizeitzentrum. Bei der EU-Kommission läuft ein Beihilfeverfahren, sie muss den Verkauf erst absegnen. Ist der Verkaufsprozess nicht europarechtskonform abgelaufen, könnte die Kommission Beihilfen von Wild zurückfordern. Dann dürfte er vom Kaufvertrag zurücktreten.
Schon wird am Nürburgring diskutiert, ob Capricorn überhaupt wirtschaftlich stabil genug ist, den Ring dauerhaft erfolgreich zu betreiben. Denn die Creditreform-Auskunft zumindest ist verheerend. Capricorn wird von der Auskunftei mit „sehr schwacher Bonität“ bewertet. Zahlungsziele seien nicht eingehalten worden, heißt es dort. Wild führt die schlechte Beurteilung auf eine Umstrukturierung vor drei Jahren zurück. Aktuell habe er keine Probleme. Das Immobiliengeschäft sei allerdings schwankend.
Derweil versucht Wild, die Sympathie der Bewohner rund um den Nürburgring zu gewinnen. „Die Menschen in der Eifel haben mich noch nie enttäuscht. Ich habe nicht nur Verantwortung für die unmittelbaren Mitarbeiter der Nürburgring GmbH, sondern auch für die Menschen, die am und vom Nürburgring leben“, sagt der Unternehmer. Er will einen Beirat einrichten, in dem sich Vertreter der Kommunen und der regionalen Wirtschaft einbringen. Außerdem will er auf einer Betriebsversammlung am Montag am Ring ankündigen, nur ganz wenige Mitarbeiter freizustellen: „Wenn wir wachsen wollen, brauchen wir auch die Leute dafür.“
Wohl auch wegen solcher Sätze ist Wild zum Wunschkandidaten der Landesregierung für den Nürburgring geworden – auch wenn das niemand in Mainz offen ausspricht. Offiziell betont die Staatskanzlei stets, sich aus dem Verkaufsverfahren herausgehalten zu haben. Allerdings hatte sie kein Problem damit, dass ihre Beihilferechtsanwältin Martina Maier von der Kanzlei McDermott, Will & Emery die Seiten wechselte und Capricorn bei seinem Angebot beihilferechtlich beriet.
Wenn der Zuschlag vor der EU-Kommission hält, hat Wild hochfliegende Pläne. Die Achterbahn „Ring Racer“ will er an einen Freizeitpark an der Mosel verschenken, das Partydorf „Grüne Hölle“ mit einem Hotel, Restaurants und Disco abreißen. An dieser Stelle soll ein neues Gewerbegebiet ähnlich wie in Meuspath entstehen, wo die Rennteams großer Autohersteller wie Audi und Aston Martin Stützpunkte haben und der Platz allmählich knapp wird. „Rennstrecken ziehen Autos an, und sie ziehen diejenigen an, die Autos bauen“, sagt Wild, der auf die Ansiedlung weiterer Autohersteller und -zulieferer hofft.
Der Junge schafft das
Auch wissenschaftliche Einrichtungen will er an den Ring holen, im Gespräch ist er unter anderem mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen und dem Fraunhofer-Institut. Die Formel 1 will Wild am liebsten behalten, aber nicht um jeden Preis: „Das machen wir nur, wenn es sich auch rechnet.“ Dazu will er, so sein Versprechen, in den nächsten fünf Jahren andere Unternehmen motivieren, wenigstens 25 Millionen Euro in den Technologiecluster am Ring zu investieren.
Und wenn er scheitert? Seine Mamma zumindest macht sich keine großen Sorgen. Obwohl 72 Jahre alt, steht Graziella Wild immer noch sieben Tage die Woche im Lido am Kaiserswerther Marktplatz und verkauft Eis für einen Euro die Kugel. „Ja, ja“, sagt sie, dass ihr Robertino eine Rennstrecke gekauft habe, sei schon eine verrückte Sache. „Aber der Junge schafft das schon. Wenn er es sich nicht zutrauen würde, hätte er es nicht gemacht.“