Facebook: Bundeskartellamt eröffnet Verfahren
Platz 10: Hamburg
79 Prozent aller Hamburger mit Internetzugang nutzen regelmäßig soziale Medien wie Facebook, Twitter und Co., wie aus dem aktuellen Social-Media-Atlas hervorgeht. Das Besondere: Alle Befragten zwischen 14 und 19 Jahren gaben an, in den Netzwerken unterwegs zu sein.
Die Beratungsgesellschaft Faktenkontor, der Marktforscher Toluna und das Institut für Management- und Wirtschaftsforschung haben den Social-Media-Atlas 2015/2016 herausgegeben. Sie befragten mehr als 3500 Internetnutzer ab 14 Jahren Ende 2015 via Online-Panel. Laut Studien-Herausgeber waren die Teilnehmer nach Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentativ.
Foto: dpaPlatz 9: Baden-Württemberg
Acht von zehn Internetnutzern aus Baden-Württemberg sind regelmäßig bei Facebook, Twitter und Co. online. Im vergangenen Jahr waren es laut Social-Media-Atlas nur 70 Prozent.
Foto: dpaPlatz 8: Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz sind die sozialen Netzwerke besonders beliebt unter den 20- bis 29-Jährigen: Neun von zehn Usern gaben an, sie regelmäßig zu nutzen.
Foto: dpaPlatz 7: Niedersachen
Youtube ist das beliebteste soziale Medium in Niedersachen. 91 Prozent der Befragten schauen sich auf der Plattform regelmäßig Videos an. Jeder Siebte macht das über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets.
Foto: dpaPlatz 6: Berlin
In Berlin sind nahezu alle Internetnutzer zwischen 14 und 29 Jahren in sozialen Medien unterwegs. Während fast 80 Prozent der Männer laut Untersuchung mit mobilen Endgeräten bei Youtube und Co. aktiv sind, sind es bei den Frauen nur 57 Prozent.
Foto: dpaPlatz 5: Saarland
Im Saarland sind auch die älteren Befragten regelmäßig auf sozialen Plattformen unterwegs: Mehr als 80 Prozent der über 50-Jährigen gaben an, WhatsApp und Co. regelmäßig zu nutzen.
Foto: dpa/dpawebPlatz 4: Bayern
In Bayern sind 84 Prozent der Befragten bei sozialen Medien angemeldet. Das sind 14 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Dafür gibt es im Vergleich mit den anderen Bundesländern Platz vier.
Foto: dpaPlatz 3: Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen ist neben den jungen Nutzern vor allem die Gruppe der 40- bis 49-Jährigen auf den Internetplattformen aktiv: und zwar 91 Prozent der Befragten. Die beliebtesten Medien laut Atlas: Youtube, Facebook und WhatsApp.
Foto: dpaPlatz 2: Bremen
Für Bremen gibt es Silber im Ranking. Während 2014 nur 72 Prozent aller befragten Internetnutzer angaben, soziale Medien zu nutzen, waren es im vergangenen Jahr 85 Prozent. Am beliebtesten ist bei ihnen Facebook.
Foto: dpaPlatz 1: Hessen
86 Prozent der Hessen mit Internet-Zugang nutzen Youtube, Facebook und Co – mehr als in den anderen Bundesländern. Und dabei lag Hessen beim letzten Social-Media-Atlas mit 69 Prozent noch auf Platz elf.
Foto: dpaNach dem jahrelangen Druck deutscher Datenschützer steht Facebook nun auch im Visier des Bundeskartellamts. Die Wettbewerbsbehörde verdächtigt das weltgrößte Online-Netzwerk, bei den Vertragsbestimmungen zur Verwendung von Nutzerdaten eine mögliche marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Eine Facebook-Sprecherin erklärte in einer ersten Reaktion: „Wir sind überzeugt, dass wir das Recht befolgen und werden aktiv mit dem Bundeskartellamt zusammenarbeiten, um dessen Fragen zu beantworten.“
Das Bundeskartellamt verknüpft in dem Verfahren Datenschutz und Wettbewerb. Der Ausgangspunkt ist, dass Facebook-Mitglieder der Erhebung und Nutzung ihrer Daten zustimmen müssen. „Der Umfang der erteilten Einwilligung ist für die Nutzer nur schwer nachzuvollziehen“, erklärt die Behörde. Es gebe erhebliche Zweifel an der Zulässigkeit dieses Vorgehens nach dem nationalen Datenschutzrecht.
Zugleich sieht das Kartellamt „Anhaltspunkte dafür, dass Facebook auf dem gesondert abzugrenzenden Markt für soziale Netzwerke marktbeherrschend ist“. Soweit es einen Zusammenhang zwischen der Datenschutz-Verletzung und der dominierenden Position gebe, „könnte ein solcher Verstoß auch kartellrechtlich missbräuchlich sein“, resümiert die Behörde. Zugleich wird deutlich, dass alle Punkte im Moment auf Annahmen basieren.
Diverse deutsche Datenschützer und Verbraucherorganisationen werfen Facebook schon seit einiger Zeit vor, zu viele Daten zu erheben und dies nicht transparent genug zu tun. Facebook betont stets, das internationale Geschäft des Unternehmens habe seinen Sitz in Irland und werde von der dortigen Datenschutz-Behörde beaufsichtigt. Das Kartellamt erklärt dazu, es sei zuständig, wenn das Verhalten eines Unternehmens Auswirkungen auf Deutschland habe.
Das Verfahren werde „in engem Kontakt mit den zuständigen Datenschutzbeauftragten, mit den Verbraucherschutzverbänden sowie der Europäischen Kommission und den Wettbewerbsbehörden der anderen EU-Mitgliedstaaten“ geführt, betont das Bundeskartellamt. Man habe hauptsächlich mit dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar und dem Verbraucherzentrale Bundesverband kommuniziert, sagte Kartellamts-Sprecher Kay Weidner.
Die Behörde sei von sich aus aktiv geworden. „Mit den sogenannten Internet-Giganten befasst sich die Kartellrechts-Gemeinschaft weltweit. Bei uns ist in den vergangenen Monaten der Gedanke gereift, dass man sich dem kartellrechtlich annehmen kann und muss“, sagte Weidner. Dabei hätten auch das Wissen um Aktivitäten von Daten- und Verbraucherschützern sowie bisherige Verfahren zu Datenschutz-Vorwürfen gegen Facebook eine Rolle gespielt.
Facebook hat nach jüngsten Zahlen 28 Millionen Mitglieder in Deutschland. Diverse konkurrierende Online-Netzwerke wie MySpace oder StudiVZ gingen in den vergangenen Jahren aus dem Geschäft.
Rechtsanwalt Kai Neuhaus von CMS Hasche Sigle in Brüssel kommentierte: „Es überrascht auf den ersten Blick, dass das Bundeskartellamt nun als oberster Datenschützer auftritt.“ Ob Verbraucher rechtmäßig über die Erhebung ihrer Nutzerdaten aufgeklärt werden, sollten Datenschutz-Behörden klären. Dennoch sei der Schritt des Bundeskartellamts nachvollziehbar: „Setzt ein Unternehmen dank seiner herausragenden Marktstellung ganz außergewöhnliche Geschäftsbedingungen durch, kann dies eine kartellrechtswidrige Ausbeutung seiner Kunden sein.“ Wenn also Facebook die Einwilligung in die Nutzungsbedingungen nur deswegen durchsetzen könne, weil Verbraucher keine Alternative hätten, „könnte der Fall noch spannend werden“.
Applaus kam von den Grünen. „Wir begrüßen, dass das Bundeskartellamt jetzt handelt“, erklärten der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecher für Netzpolitik, Konstantin von Notz, und die Sprecherin für Wettbewerbspolitik, Katharina Dröge. Den Verdacht, Facebook missbrauche eine marktbeherrschende Stellung, gebe es seit Jahren.