Management-Moment der Woche: Musk gesteht Überforderung – sollte ein Chef sowas sagen?
Das ist passiert
Ein Tag im Leben von Elon Musk hat auch nur 24 Stunden. Das hat der Tech-Milliardär und Chef der von US-Präsident Donald Trump eingerichteten Abteilung für Regierungseffizienz (DOGE) nun eingestanden. Auf die Frage, wie es ihm gelinge, neben den politischen Aufgaben noch seine Unternehmen zu führen, antwortete Musk in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender Fox Business überraschend ehrlich: „Mit großen Schwierigkeiten“. Dann lachte er unsicher.
Tatsächlich läuft es vor allem bei Tesla alles andere als rund. Die Aktie des Autobauers hat seit ihrem Hoch im Dezember mehr als die Hälfte des Wertes verloren. Auch die Absatzzahlen schwächeln: Im Januar hat Tesla in Europa 45 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Sollte ein Chef in so einer Phase Schwächen zugeben?
Das können Sie daraus lernen
Den Ansatz von Musk findet Magdalena Bathen-Gabriel grundsätzlich richtig. „Es ist immer besser, Probleme offen anzusprechen“, sagt die Professorin, die an der IU Internationalen Hochschule in Bad Honnef zur Personalentwicklung forscht. „Das bloße Gefühl, dass etwas nicht stimmt, verunsichert Beschäftigte viel mehr.“
Zudem strahlt die Offenheit von Chefs aufs Unternehmen ab. Denn dass ihr Verhalten ihre Mitarbeiter stark beeinflusst, hat die Forschung vielfach belegt – so zeigt zum Beispiel eine Studie der Universität Leipzig: Wenn Führungskräfte trotz Erkrankung arbeiten, tun das auch ihre Angestellten häufiger. Auch deshalb sei es gut, wenn Chefs über ihre eigenen Grenzen sprechen, meint Bathen-Gabriel. „Das fördert die Fehlerkultur und Transparenz im Unternehmen.“ Mitarbeiter sind dann ebenfalls eher bereit, Probleme frühzeitig anzusprechen – wodurch Schaden vom Unternehmen abgewendet werden kann. Allerdings sollten Chefs dabei zwei wesentliche Punkte beachten:
1. Probleme mit konstruktiver Botschaft verbinden
Schwierigkeiten zu erkennen und zu benennen, ist nur der erste Schritt. Wenn daraus nichts folgt, kann das die Belegschaft verunsichern. „Führungskräfte sollten die Angestellten nicht mit der Problembeschreibung allein lassen“, warnt Bathen-Gabriel. Es gehört auch eine konstruktive Botschaft dazu: Was tue ich, um die Probleme zu lösen? Das fehlte bei Musk. Das Eingeständnis einer Überforderung hätte er mit der positiven Nachricht verknüpfen können, dass er Aufgaben künftig stärker delegieren wird. Und dass er seinem Team zutraut, seine Lücke zu füllen – was zugegebenermaßen eine eher untypische Musk-Aussage wäre.
2. Die eigenen Gefühle regulieren
Nicht nur das Verhalten von Chefs, auch ihre Emotionen färben ab. Dieses Phänomen der „Stimmungsansteckung“ beschreibt der US-amerikanische Psychologe Daniel Goleman in seinen Büchern: Wenn Chefs launisch, gestresst oder niedergeschlagen wirken, überträgt sich das auf ihre Mitarbeiter – größtenteils unbewusst, durch neurologische Prozesse.
Die eigene Überforderung zu thematisieren ist zwar gut, überfordert zu wirken dagegen eher nicht. „Es gibt einen Unterschied zwischen Offenheit und ungefilterten emotionalen Ausbrüchen“, stellt Wirtschaftspsychologin Bathen-Gabriel fest. Führungskräfte sollten ihre eigenen Emotionen also erkennen und regulieren, bevor sie sich an ihre Mitarbeiter wenden. Oder bevor sie ein Fernsehinterview geben.
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