Neobroker: Trade Republic steht vor dem nächsten großen Schritt
In den vergangenen Wochen überzeugte der Neobroker Trade Republic kaum mit positiven Nachrichten. Details zu einem beliebten Zinsprodukt erzürnten Verbraucherschützer, dann kollabierte mitten im Börsencrash die App. Ausgerechnet als die Aktienkurse einbrachen, konnten Trade-Republic-Kunden zwischenzeitlich nicht kaufen oder verkaufen.
Im Hintergrund arbeitet das Berliner Fintech aber offenbar an einem Großprojekt, das Trade Republic eigenständiger und das – so lautet wohl die Hoffnung – den Handel auch in turbulenten Börsenphasen resilienter machen soll.
Das „Manager Magazin“ und das dazugehörige Onlineportal „Finance Forward“ berichten unter Berufung auf Insiderinformationen, dass Trade Republic mehr Handelsprozesse selbst abwickeln wolle. Momentan prüfe das Start-up hierzu verschiedene Möglichkeiten. Auf Anfrage der WirtschaftsWoche sagte eine Trade-Republic-Sprecherin, man kommentiere keine Spekulationen.
Laut dem Bericht steht bei Trade Republic im Raum, einen sogenannten eigenen Marketmaker zu entwickeln. Für den Aktienhandel erfüllen Marketmaker eine wichtige Funktion. Sie bringen Käufer und Käufer von Aktien zusammen, stellen die Kurse und sorgen für Liquidität. Marketmaker können aus ihrem Bestand Wertpapiere kaufen oder verkaufen, wenn sich am Markt gerade kein Käufer oder Verkäufer findet. Das soll reibungslosen Handel ermöglichen.
Erst vor wenigen Monaten hat auch Konkurrent Scalable Capital im Rahmen eines Großumbaus den Schritt zum Marketmaker vollzogen.
Trade Republic: das Ende der Billig-Gebühren?
Momentan kooperiert Trade Republic für das Market Making mit Lang & Schwarz, einer Handelsfirma aus Düsseldorf. Über dessen Handelsplatz LS Exchange werden alle Aktienorders abgewickelt.
Eine weitreichende Umstellung der Handelsinfrastruktur wäre nicht frei von Risiken. Technisch wäre sie hochkomplex. Dass Trade Republic diesen Weg womöglich einschlagen will, dürfte zwei Gründe haben. Zum einen wäre dies für den Smartphonebroker eine Erlösquelle. Marketmaker verdienen am sogenannten Spread, also der Differenz von An- und Verkaufskurs.
Und zum anderen wäre Trade Republic so gewappnet für ein EU-Verbot, das die bisherige Geschäftspraxis vieler Neobroker bald beenden dürfte: Ab 2026 ist das sogenannte „Payment for Order Flow“-Modell verboten. Dahinter steckt Folgendes: Trade Republic etwa lässt seine Trades über Lang & Schwarz abwickeln. Lang & Schwarz wiederum zahlt für die vermittelten Transaktionen dem Unternehmen eine Provision. Im letzten Geschäftsjahr machten diese Rückvergütungen ein Drittel der Erlöse von Trade Republic aus. Und wenn Trade Republic seine Trades über einen eigenen Marketmaker abwickelt, wäre diese aus EU-Sicht problematische Praxis vom Tisch.
Kritiker monieren, das bisherige Gebührenmodell führe dazu, dass Orders eher an Handelsplätze geschleust werden könnten, die die höchste Provision bringt – auch wenn sie aus Kundenperspektive nicht die besten sind. Bislang gibt es keine Studien, die dieses Argument bestätigen. Einige Erhebungen deuteten eher darauf hin, dass das Modell gerade für Kleinanleger mit niedrigen Ordersummen vorteilhaft ist. Zu schlechteren Kurskonditionen kann es aber vor allem außerhalb der klassischen Börsenöffnungszeiten oder bei illiquiden Aktien kommen, also Werten, die nur selten gehandelt werden.
Das Problem: Marktbeobachter gehen davon aus, dass erst das Provisionsmodell so niedrige Gebühren wie bei den führenden Neobrokern möglich macht. Bei Trade Republic und Scalable kostet eine Order einen Euro. Viele klassische Anbieter verlangen das Zehnfache. Nun fürchten einige Branchenkenner einen Gebührenschock. Ob und inwieweit die Anbieter die Fremdkostenpauschalen anheben, steht allerdings noch nicht fest.
Lesen Sie auch: Fünf Anlagestrategien gegen Trumps Zoll-Wahnsinn