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Die Höhle der Löwen„Wir wollen das in unserem Tempo machen“

Die App des Start-ups Eve soll Frauen sicher durch das Nachtleben begleiten. Von den Wunschinvestorinnen gab es viel Lob, aber kein Geld. Kommt das Gründerteam trotzdem voran?Steffen Ermisch 30.05.2025 - 09:01 Uhr
Philippe Orner und Nicola Bürck präsentieren mit Eve eine App die Frauen hilft, möglichst sicher zu feiern und wieder nach Hause zu kommen. Sie erhoffen sich ein Investment von 40.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile. Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Die Angst vor Übergriffen ist ein ständiger Begleiter: Umfragen zufolge fühlen Frauen sich mehrheitlich unsicher, wenn sie nachts alleine unterwegs sind. Das Stuttgarter Start-up Eve will das ändern – und hat eine App entwickelt, die zur „besten Freundin im Nachtleben“ werden soll. Nutzerinnen können damit ihren Heimweg tracken. Erkennt die App auffällige Bewegungsmuster, kann schnell ein Sicherheitskontakt oder die Polizei benachrichtigt werden. Finanziert wird das Angebot über Partnerschaften mit Nachtklubs und Gastronomiebetrieben. Die können in der App für sich werben, wenn sie sich als sicheren Ort zertifizieren lassen. Dazu müssen sie ihren Gästen unter anderem kostenlose K.O.-Tropfen-Tests, Taxirufe und eine Möglichkeit zum Handyladen bieten.

In der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ gab es für das Start-up viel Lob. Vom unternehmerischen Potenzial waren die Investoren aber nicht überzeugt – und die erhoffte Finanzspritze von 40.000 Euro blieb aus. Im Interview berichtet Mitgründerin Nicola Bürck, wie sie auf den Pitch zurückblickt und was sich seit der Aufzeichnung vor gut einem Jahr getan hat.

WirtschaftsWoche: Frau Bürck, Ihr Start-up haben Sie nebenberuflich gegründet – und mutmaßlich viel Arbeit hereingesteckt. Was treibt Sie an?
Nicola Bürck: Dreiviertel aller Frauen geben in Befragungen an, dass sie sich nachts nicht sicher fühlen, wenn sie alleine unterwegs sind. Das trifft auch auf meine Freundinnen und mich selbst zu. Die App ist der Versuch, an der Situation etwas zu ändern. Es kann doch nicht sein, dass es für alles Mögliche technische Lösungen gibt, aber für dieses riesige Problem nicht. Die Grundidee für Eve ist schon in einem Uni-Projekt entstanden. Ich habe dazu auch meine Masterarbeit geschrieben.

Und dann haben Sie sich das Programmieren beigebracht?
Mit meinem BWL-Hintergrund bin ich für alles drumherum zuständig. Die technische Umsetzung haben meine beiden Mitgründer übernommen, die ich durch glückliche Zufälle kennengelernt habe. Philippe Orner ist der Mann einer Kollegin aus einem Nebenjob, er hat dann Dennis Herr dazugeholt. Wir haben ein ähnliches Verständnis von der Ausrichtung des Start-ups und ergänzen uns sehr gut. Gestartet haben wir die App im Herbst 2023, also ein paar Monate vor der Aufzeichnung von „Die Höhle der Löwen“.

Was zeichnet die Lösung aus Ihrer Sicht aus?
Ein Alleinstellungsmerkmal ist, dass Kontaktpersonen den ganzen Heimweg verfolgen können. Wir nutzen das im Freundeskreis zum Beispiel, wenn wir gemeinsam im Klub waren, dann aber unterschiedliche Wege nach Hause haben. Ich kann sehen, wo und wie schnell meine Freundin unterwegs ist, ob ihr Smartphone noch genügend Akku hat und werde alarmiert, wenn sie sich in einer Situation unwohl fühlt. Dann kann ich entscheiden, ob ich sie anrufe oder sogar die Polizei alarmiere. Wichtig war uns auch, dass die App für Nutzerinnen kostenlos ist. Sicherheit darf keine Geldfrage sein.

Geld wollen Sie über Partner verdienen, die in der App als „sichere Orte“ aufgeführt sind, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Stößt das auf Interesse?
Viele unserer Partner haben sich schon Gedanken über das Thema gemacht, hatten bisher aber keine konkreten Ansatzpunkte. Unsere Zertifizierung hilft diesen Betrieben, ein Konzept zu entwickeln. Das Ganze ist niedrigschwellig. Wir gestalten unsere Preise so, dass es niemanden überfordert – die Eckkneipe hat andere Anforderungen und Möglichkeiten als der Betreiber eines großen Festzelts.

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In der Sendung sprachen Sie von 500 Nutzerinnen und 15 Testpartnern in Stuttgart. Das ist ein Jahr her. Wo stehen Sie jetzt?
Aktuell haben wir rund 2000 Nutzerinnen und 20 bezahlte Partnerschaften. Wir arbeiten uns Schritt für Schritt voran, vor allem in der Region: Von Stuttgart aus sind wir nach Heidelberg und Ludwigsburg, als nächstes wollen wir Freiburg, Frankfurt und Ulm erschließen. Ich klappere fleißig Klubs ab. Das ist eine Branche, die über persönliche Kontakte und Handschlagdeals funktioniert.

Wen sehen Sie als Konkurrenz?
Es gibt verschiedene Initiativen, die sich dem Thema ebenfalls angenommen haben. Dazu zählt etwa das Heimwegtelefon oder hier in Stuttgart das Projekt Nachtboje. Das sind für uns aber eher Kooperationspartner als Konkurrenten. Es gibt auch noch ein paar kleinere Apps. Die Kombination aus Heimwegbegleitung und sicheren Orten habe ich noch nirgendwo anders gefunden.

Den Löwen war Ihr Vorgehen zu ambitionslos. Haben Sie sich die Kritik zu Herzen genommen?
Ich kann die Kritik durchaus nachvollziehen. Investoren sind an Wachstum interessiert und wollen ihr Geld vermehren. Aber wir ticken anders als typische Start-ups, die möglichst schnell möglichst groß werden wollen. Uns ist wichtiger, die Preise niedrig zu halten und die App allen zugänglich zu machen. Es ist eben ein Herzensprojekt, das eine große soziale Komponente hat. Viele der Punkte, die von Löwen angesprochen wurden, haben wir auch auf dem Schirm: zum Beispiel, dass mehr in den Vertrieb investieren sollten. Aber wir wollen das in unserem Tempo machen.

Hatten Sie dennoch gehofft, in der Sendung einen Investor zu finden?
Bei Tijen Onaran und Janna Ensthaler haben wir die größten Chancen gesehen. Tatsächlich fanden dann auch beide die Idee sehr überzeugend. Es war erst einmal schade, dass es keinen Deal gab, aber im Nachhinein sind wir gar nicht so unglücklich darüber. Wahrscheinlich hätte es für beide Seiten am Ende nicht so gut gepasst. Im Moment suchen wir aktiv keinen Investor mehr. Wichtiger als eine Finanzspritze wäre uns, jemanden an Bord zu holen, der zu 100 Prozent hinter unserer Mission steht.

Wie gut ist die Arbeit an der Eve App mit Ihrem Hauptjob vereinbar?
Bei mir passt es sehr gut: Ich arbeite in Teilzeit als Programmmanagerin bei NXTGN, einer Innovationsplattform in Baden-Württemberg. Dort bauen wir gerade ein Stipendienprogramm für Schülerinnen und Schüler auf, die sich für Unternehmertum interessieren. Da helfen mir meine eigenen Erfahrungen als Gründerin sehr. Umgekehrt profitiert das Start-up von dem Netzwerk, das ich mir durch meinen regulären Job aufgebaut habe.

Was haben Sie im eigenen Unternehmen neben der geografischen Expansion als nächstes vor?
Erst einmal hoffen wir, dass wir durch die Sendung bekannter werden. Wir haben noch viele Ideen, wie wir die App technisch verbessern können und bekommen viel Feedback. Unsere Nutzerinnen wünschen sich zum Beispiel eine Funktion, über die automatisch die Polizei gerufen wird, wenn ein bestimmtes Codewort fällt. Auch das Tracking lässt sich noch optimieren. Außerdem planen wir einen Modus speziell für Festivals – da sehen wir im Vertrieb großes Potenzial.

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