Leben mit Aktien: Porsche, Pepsi, LVMH: Das steckt hinter den Kursverlusten
LVMH, Pepsi, Jungheinrich: Auf den ersten Blick haben diese Unternehmen nichts gemeinsam. Doch was sie derzeit eint: Es läuft nicht rund. Das zeigt sich in den Aktienkursen. Während sich die Börsen insgesamt mindestens stabil entwickeln, stehen einige Einzelwerte unter Druck. Auf den ersten Blick stecken mal Gewinnwarnungen dahinter, mal schleichende Negativentwicklungen. Doch in allen Fällen gibt es tieferliegende Ursachen für die miserable Performance.
Für Anleger ist das vor allem deshalb relevant, weil sich strukturelle Probleme oft nicht kurzfristig korrigieren lassen. Wenn es hakt, hakt es langfristig. Die Entwicklung bei fünf bekannten Aktien zeigt, wie unterschiedlich die Herausforderungen für Unternehmen derzeit gelagert sind – und was das für Anleger bedeutet.
Jungheinrich: Ausbleibende Investitionen
Jungheinrich hat in den vergangenen Jahren eigentlich eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt: vom Gabelstaplerbauer zum Lösungsanbieter für Intralogistik mit Flurförderfahrzeugen, autonomen Robotern, Logistiksoftware und Services. Ein modernes Hightech-Unternehmen. Doch das Geschäft lebt von der Investitionsfreude der Kunden – und hier sieht es schlecht aus. Viele Unternehmen greifen mittlerweile bei ihrer Logistik zu günstigen Alternativen aus China.
Bei Jungheinrich zeigt sich das in einer niedrigeren Gewinnprognose. Das Hamburger Unternehmen rechnet für dieses Jahr nur noch mit einem Vorsteuerergebnis von 250 bis 320 Millionen Euro – 2024 waren es 400 Millionen Euro. Auch der Umsatzkorridor wurde nach unten angepasst: Statt wie bisher 5,4 bis 6 Milliarden Euro peilt man nur noch 5,3 bis 5,9 Milliarden Euro an. Dazu verkündete der Konzern ein Sparprogramm und Stellenabbau in mehreren Werken.
Zahlen, bitte: LVMH, Porsche, Pepsi, Salzgitter, Jungheinrich
Mittelfristig sollen damit 100 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Die Aktie hatte nach der Ankündigung rund 20 Prozent verloren. Anleger dürfen jetzt aber hoffen, dass Jungheinrich wieder an frühere Ergebnisse anknüpfen kann. „Sie haben immerhin 2023 gezeigt, dass sie aus 5,5 Milliarden Euro Umsatz knapp 3 Euro Gewinn je Aktie herausholen können“, sagt Christian Röhl, Chefökonom von Scalable Capital, in der aktuellen Folge des WirtschaftsWoche-Podcasts „Leben mit Aktien“. Komme das Unternehmen da wieder hin, sähe der aktuelle Aktienkurs um 34 Euro günstig aus.
Salzgitter: Milliardenprojekt grüner Stahl
Bei Salzgitter zeigt sich ein ähnliches Problem: Die Stahlnachfrage ist rückläufig, der Umsatz dürfte statt der angepeilten 10 Milliarden nur noch maximal 9,5 Milliarden erreichen. Das Vorsteuerergebnis dürfte negativ ausfallen. Nach der Gewinnwarnung gab auch diese Aktie rund 20 Prozent nach.
Doch der Kursrutsch lässt sich nicht allein mit der Konjunktur erklären. Im Hintergrund schwelt ein weiteres Problem: Salzgitter investiert – anders als Wettbewerber wie ArcelorMittal oder Thyssenkrupp – Milliarden in die CO₂-freie Stahlproduktion. Grüner Stahl ist zwar politisch gewünscht. Wirtschaftlich aber rechnet er sich bisher nicht. „Bei diesem Milliardenprojekt ist nicht absehbar, wie das funktioniert und ob am Markt auch diese Preise gezahlt werden“, sagt Röhl.
Anleger sind jedenfalls misstrauisch. Salzgitter hält knapp 30 Prozent am Kupferverarbeiter Aurubis und besitzt mit KHS zudem einen profitablen Maschinenbauer. Rechnet man die Beteiligungen heraus, wird das Stahlgeschäft an der Börse mit nahezu null bewertet – ein Signal dafür, wie wenig Vertrauen der Transformation entgegengebracht wird. Ob sich die Wette auf den grünen Wandel für Anleger lohnen wird, ist offen.
Porsche: Schlechte Rahmenbedingungen
Auch Porsche hat seit einiger Zeit mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Seit Jahresbeginn hat die Aktie ebenfalls rund 20 Prozent verloren und notierte zuletzt nur noch knapp über 40 Euro. Anfang 2024 wurde ein erstes Sparprogramm angekündigt, bis zu 1900 Stellen sollen bis 2029 wegfallen. Doch das reicht offenbar nicht. Nun hat Vorstandschef Oliver Blume ein „zweites Strukturpaket“ in Aussicht gestellt. Anlass dafür seien „massiv verschlechterte Rahmenbedingungen“.
Porsche steht symbolisch für die Probleme der Autoindustrie: Absatzrückgang in China, drohende US-Zölle, stockende E-Offensive. All das belastet die Ergebnisse – und gefährdet langfristig auch noch das Markenimage. Dabei profitiert Porsche eigentlich noch immer von seiner Strahlkraft.
Anleger setzen wohl auch deshalb darauf, dass der Konzern ab 2027/28 wieder an das Gewinnniveau von 2022 anknüpfen kann: 33 bis 35 Milliarden Euro Umsatz, 3,50 bis 4,50 Euro Gewinn je Aktie. Gelingt das, böte der jetzige Kurs eine gute Einstiegschance. Doch die Porsche-Aktie bleibt eine Spekulation auf einen erfolgreichen Umbau – und Anleger brauchen viel Geduld.
Pepsi: Verändertes Konsumverhalten
Auch bei PepsiCo lief es zuletzt nicht rund. Die Aktie hat seit Mai 2023 mehr als 35 Prozent verloren. Stagnierende Umsätze, sinkende Margen und verändertes Konsumverhalten setzen dem US-amerikanischen Getränke- und Snackriesen zu. Verbraucher kaufen anders ein, gesundheits- und preisbewusster, und setzen damit die gesamte Branche unter Druck.
Zwar meldete Pepsi zuletzt ein kleines Umsatzwachstum, der Kurs erholte sich daraufhin leicht. Doch das Wachstum war hauptsächlich vom internationalen Markt getragen. Daheim in den USA schwächelt das Geschäft: Die Preise für Snacks und Getränke sind stark gestiegen, Verbraucher reagieren mit Zurückhaltung. Im wichtigen Getränkebereich verliert Pepsi seit Jahren Marktanteile.
In der Vergangenheit konnte Pepsi immer wieder durch Zukäufe, etwa im Energy-Drink-Bereich, wachsen. Der Preis dafür war allerdings eine hohe Verschuldung. An der Position von Markführer Coca-Cola dürfte das Unternehmen so bald nicht kratzen können.
LVMH: Skandale schaden dem Image
Beim französischen Luxusriesen LVMH liegt das strukturelle Problem nicht im Markt, sondern im Konzern selbst. Denn nach Dior gerät nun auch die Tochter Loro Piana unter Druck: Ein Mailänder Gericht stellte die Kaschmirmarke wegen Ausbeutung von Subunternehmern unter Zwangsverwaltung. Arbeiter sollen schlecht bezahlt, illegal beschäftigt und in Werkshallen untergebracht worden sein – ein Skandal, der schwer auf dem Image von Loro Piana lastet. Und das in einem Preissegment, in dem Kunden nicht nur für Qualität zahlen, sondern auch für Herkunft, Werte und Markenversprechen.
Für LVMH ist das doppelt brisant: Erstens kann man nach Dior nicht mehr von einem Einzelfall sprechen. Zweitens wurden die Missstände offenbar konzernintern entweder nicht erkannt oder nicht behoben. Hinzu kommt: Auch die Alkoholsparte von LVMH steckt in Schwierigkeiten. Sinkende Absätze, zu stark erhöhte Preise und missglückte Übernahmen belasten das Geschäft. Bei über 75 Marken fehle es offenbar an klarer Steuerung, befindet Röhl: „Man muss die Marken besser führen. Hier gibt es offenbar eine Art von Managementvakuum.“
Die Folgen sind im Aktienkurs zu sehen. LVMH-Aktien notierten zuletzt bei rund 480 Euro und damit nahe am Jahrestief. Vor wenigen Monaten hatte der Kurs noch bei 760 Euro gestanden.
Mehr Details zu den Unternehmen, zu Donald Trumps bösem Spiel mit der US-Notenbank sowie dem möglichen Beginn einer neuen Ära für den Bitcoin hören Sie in der aktuellen Folge „Leben mit Aktien“.