Musk vs. Trump: Musk riskiert mehr als ein blaues Auge

Heute ist fraglich, ob Musk mit nur einem blauen Auge davonkommt. Am Donnerstag lieferten sich der Milliardär und der US-Präsident eine zügellose Fehde auf seiner Plattform X. Trump drohte schließlich mit dem Entzug sämtlicher Subventionen und Staatsaufträge für Musks Unternehmen.
Mit dem Streit bringt Musk sein gesamtes Firmenimperium ins Risiko. Würde Trump seine Drohung wahrmachen, müsste Musk empfindliche Einbußen hinnehmen. Zur Disposition stünden rund 22 Milliarden Dollar an Staatsverträgen mit SpaceX, unter anderem für Flüge zur ISS, zum Mond und eine Flotte an Spionagesatelliten. Auch Zulassungen für Musks selbstfahrende Autos oder seine Hirnschnittstelle Neuralink könnte Trump erschweren.
Patriarchen in Pattsituation
Umgekehrt ist Musks Raumfahrtunternehmen für die US-Regierung inzwischen so etwas wie eine zweite Nasa. Im vergangenen Jahr hoben 145 Raketen in den USA ab – 138 davon von SpaceX. Aktuell kann nur Musks Raumschiff „Dragon“ Fracht zur Raumstation ISS bringen, Astronauten könnten ohne Dragon nur mit der russischen Sojus-Kapsel abheben.
Nicht umsonst drohte Musk gleich damit, Dragon einzumotten. Auch hat er auf der Plattform X die Macht, Stimmung gegen Trump zu machen, der zuletzt in der Tech-Szene und bei jungen männlichen Wählern mehr Zustimmung bekommen hatte.
So sind die Wrestling-Fans Musk und Trump in einem Stalemate angekommen – einer Pattsituation, in der kein Kämpfer seine Position mehr verbessern, sondern nur noch verschlechtern kann. Die Schiedsrichter stoppen das Match dann meist. So sieht es aktuell wohl aus: Laut dem Portal „Politico“ wollen Musk und Trump am Freitag miteinander reden.
Dass Musk gegen Trumps Haushaltsentwurf wettert, dürfte Trump-Gegner freuen. Doch es bleibt der Eindruck, dass es dem reichsten Mann der Welt dabei vor allem um Eigeninteressen geht – unter anderem vielleicht den Erhalt der Steuererleichterungen von 7500 Euro pro Elektroauto. Ob Trump die nach dem Streit nun doch beibehält, ist fraglich.
Musks Kunden müssen sich jetzt auch fragen: Warum sollte man einen selbstfahrenden Tesla kaufen, warum den Satellitendienst Starlink buchen, wenn der Milliardär an schlechten Tagen damit droht, seine Dienste einzustellen? Der Fight auf X ist wohl erst einmal pausiert – aber neben dem blauen Auge verlässt Musk das Weiße Haus jetzt auch mit noch weiteren Blessuren an seinem Image.
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