Luca de Meo: Der Automanager, der nun Gucci in die Spur bringen soll
Nach fünf Jahren an der Spitze der Renault-Gruppe verlässt Luca de Meo Mitte Juli den französischen Autobauer. Er wolle sich „neuen Herausforderungen außerhalb des Automobilsektors stellen“, teilte Renault am Sonntag mit. Laut Presseberichten soll er Chef des französischen Luxusgüterkonzerns Kering, zu dem Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent, Balenciaga und Bottega Veneta gehören, werden.
Der Wechsel lässt aufhorchen: ein Sanierer aus der Autowelt als neuer starker Mann in der schillernden Mode- und Luxuswelt? Kann das gutgehen? Was auf den ersten Blick sehr gewagt erscheint, passt bei genauerem Hinsehen dann doch nicht so schlecht.
Denn erstens ist Kering – so wie Renault vor einigen Jahren – ein Sanierungsfall. Kering-Chef Francois-Henri Pinault sprach zu Jahresbeginn von einem „schwierigen Jahr“, zeigte sich aber optimistisch, dass die eingeleitete Sanierung nun allmählich Früchte trage. Größtes Sorgenkind ist Gucci: Der Umsatz der wichtigsten Marke der Gruppe ging im vergangenen Jahr um 23 Prozent zurück. Konzernweit sanken die Erlöse um 12 Prozent.
Die italienische Personifizierung des Neustarts
De Meo ist eine der bunteren Erscheinungen in der Autowelt. Bei Renault hatte er seine Karriere begonnen, bevor er zu Toyota und anschließend zu Fiat wechselte. Dort wurde er nach der erfolgreichen Wiederbelebung des legendären Kleinwagens Fiat 500 zur italienischen Personifizierung des Neustarts – und zum Inbegriff eines Automanagers mit dem richtigen Gespür für das auch in der Autowelt so wichtige Markenmanagement.
Kenntnisse und Charisma des Mailänders blieben schließlich auch in anderen großen Konzernzentralen nicht unbemerkt. Überraschend wechselte de Meo 2009 nach Wolfsburg zu VW. Der grauhaarige Italiener mischte mit überschaubarem Erfolg das Marketing bei Volkswagen auf, ehe er die Vorstandsposition für Marketing und Vertrieb bei Audi bekam. 2015 wurde er dann als Seat-Chef Nachfolger von Jürgen Stackmann, der wiederum nach Wolfsburg wechselte. 2020 wechselte de Meo auf den Renault-Chefsessel.
Er gilt nicht nur aufgrund seiner Vita als ausgemachter Marketingexperte. Es ist auch sein Naturell: Bei Kongressen waren seine Vorträge dank Filmen und Illustrationen schon vor Jahren immer etwas bunter und abwechslungsreicher als die der meisten anderen Referenten. Mit einem Lächeln kann er Menschen im Vorbeigehen gewinnen.
Der Vater des jüngsten Renault-Erfolgs: de Meo
Und auch seine Bilanz bei Renault kann durchaus überzeugen: Die Geschäfte des in Boulogne-Billancourt südlich von Paris heimischen Konzerns laufen gut – im Gegensatz zu denen anderer westlicher Autobauer. Immer wieder schaffte Renault es, die eigenen Margenziele zu übertreffen. 2024 erwirtschaftete die Gruppe einen Nettogewinn von fast drei Milliarden Euro, die Umsatzrendite lag bei 7,6 Prozent. Die Marke Volkswagen etwa schaffte zuletzt nur 5,3 Prozent. Der Vater dieses Erfolgs: Luca de Meo. Sein Sanierungsplan – von ihm selbst „Renaulution“ getauft – ist aufgegangen. Mit einer Ausnahme: Deutschland.
Seit de Meos Amtsantritt hat sich der jährliche Absatz der Marke Renault hierzulande mehr als halbiert. Für den Konzern, der weder in den USA noch in China Autos verkauft, ist die Schwäche auf dem größten europäischen Markt ein Problem. Um aus de Meos Wende einen nachhaltigen Erfolg zu machen, müssen auch die Deutschen wieder Renault kaufen. Das ist der Fleck auf de Meos Renault-Abschlusszeugnis.
Der Automobilwirtschaftsprofessor Ferdinand Dudenhöffer vom Bochumer Center Automotive Research (CAR) geht davon aus, dass de Meos Strategie letztlich auch in Deutschland Erfolg haben werde: „Er hat bei Fiat und der VW-Tochter Seat/Cupra einen tollen Job gemacht und geht bei Renault jetzt ähnlich vor. Spätestens in zwei, drei Jahren wird man das auch in Deutschland sehen.“ Die neuen Modelle ließen hoffen: „Der R5 zum Beispiel ist ein Auto, das man sehr ernst nehmen muss.“
Nach Jahren zeigt die Kurve für Renault also auch hierzulande wieder nach oben. Die Saniererqualitäten von de Meo findet Autoexperte Dudenhöffer so herausragend, dass er ihn vor einigen Wochen sogar als möglichen Retter der angeschlagenen europäischen Ford-Werke sah: „Die sind derzeit chancenlos, und die amerikanische Mutter sucht einen Ausweg. Renault wäre einer.“
Daraus wird nun nichts. De Meo will lieber den Luxus retten.
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