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Management-Moment der WocheWas tun, wenn Vorgesetzte Unsinn verbreiten?

Donald Trump verbreitete beim G7-Gipfel Unwahrheiten über den kanadischen Ex-Premierminister Justin Trudeau. Was Mitarbeiter tun können, wenn der eigene Chef Unfug erzählt.Claudia Tödtmann 22.06.2025 - 10:13 Uhr
Als US-Präsident Donald Trump die Unwahrheit über den Ex-Premierminister Justin Trudeau sagte, griff keiner der anwesenden Politiker des G7-Gipfels ein. Foto: REUTERS

Das ist passiert

US-Präsident Donald Trump behauptete beim G7-Gipfel, dass der ehemalige kanadische Premierminister Justin Trudeau dafür verantwortlich sei, dass Russland aus der Gruppe der G8 ausgeschlossen wurde. Diese Aussage ist falsch. Schon die Zeitlinie passt nicht: Trudeau wurde im November 2015 Premierminister. Russland flog schon im Jahr zuvor, 2014, nach der Annexion der Krim aus der G8-Gruppe.  Damals amtierte Trudeaus Vorgänger, Stephen Harper. Er war es tatsächlich, der diese Initiative ergriffen hatte.

Beim G7-Gipfel aber reagierte niemand: Keiner der anwesenden Politiker griff ein oder meldete sich zu Wort. Anders als die Medien: Sie deckten Trumps Falschaussage auf.

US-Präsident Donald Trump (l) und Kanadas Ex-Premierminister Justin Trudeau (r) während eines Treffens auf dem G7-Gipfel in Frankreich im Jahr 2019. Foto: REUTERS

Das können Sie daraus lernen

Vorgesetzten oder einflussreichen Kollegen zu widersprechen und eine Falschaussage als solche quasi öffentlich zu enttarnen, ist riskant. Wäre es manchmal klüger, zu schweigen? Wie geht man mit solchen Menschen um, wenn sie Unfug erzählen?

Analyse des Gegenübers

Zuerst ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, wer das Gegenüber ist: Welche Rolle spielt die Person und – am allerwichtigsten – welche Persönlichkeit hat sie? Die weitere Frage ist, was man selbst erreichen will. Damit man mit dem Chef weiter im Gespräch bleibt, muss man ihn typgerecht fordern. Mitarbeiter müssen aufpassen, dass die gegenseitige Wertschätzung nicht verloren geht, und den Vorgesetzten spiegeln. Zum Beispiel: Ist der Chef ein Typ wie Trump, sollte man in einfachen Sätzen mit ihm sprechen. Ist er dagegen Akademiker, sind auch Schachtelsätze möglich, vergleicht Management-Coach Hanns-Ferdinand Müller.

Auf die Unterscheidung, ob der Vorgesetzte bewusst lügt oder nur unbewusst Falschaussagen verbreitet, kommt es laut Müller nicht einmal an. Teilweise hätten die Menschen ein sehr simpel gestricktes Weltbild, und das sollte man nicht infrage stellen. Die Kernfrage ist: Darf man korrigieren und wie?

1. Der Macht-Typ

Ist derjenige, der Unsinn verbreitet, machtvoll, aggressiv und eitel? Dann muss man diese Macht bedienen, rät Müller. Der Managementberater war selbst in der Vergangenheit CEO in einem Konzern und kennt solche Situationen aus eigenem Erleben. „Dennoch sollte man sich nie kleinmachen und devot sein“, so Müller. „Das Gegenüber muss spüren, dass man ein ernst zu nehmender Partner ist, sonst fährt er einem in die Parade“, erklärt er weiter. Im Fall Trump hätten die Anwesenden humorvoll und verbindlich reagieren können, etwa mit den Worten: „Ja, Sie haben recht, nur der war nicht dabei.“ Falsch wäre es, nur zu attackieren.

2. Der partnerschaftliche Typ

Ist das Gegenüber ein Typ, der kein Machtgehabe an den Tag legt? Mit dem ist der Umgang am leichtesten. Der Vorgesetzte begegnet seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe. Dann ist er als Chef am Inhalt interessiert. Ihn kann man als Mitarbeiter fragen: „Darf ich Sie korrigieren?“ Dann kann man ihm erzählen, was an seinen Aussagen nicht der Wahrheit entspricht.

3. Der cholerische Typ

Bei dem Choleriker kommen die Eigenschaften Machtgehabe und Aggressivität zusammen. Dabei will er wertgeschätzt und geliebt werden, skizziert Coach Müller. Dieser ist der schwierigste Typus im Umgang für Mitarbeiter. Man erkennt diese Persönlichkeit vor allem daran, dass sie immer nur sendet, statt auch zu beobachten und anderen zuzuhören.

Beginnt diese Art Vorgesetzter zu toben und wird laut, sollte man erst mal abwarten und ihn austoben lassen. Das kann auch länger dauern. Ein Managing Partner einer internationalen, renommierten Großkanzlei gab sich diese Blöße und brüllte länger als eine Stunde vor der versammelten Partnerschaft der Top-Juristen, erzählt einer, der daraufhin tat, was er vorher nur angedacht hatte: Er verließ die Kanzlei.

Coach Müller gibt den Rat, nicht zu schweigen. Das Schweigen – wie es auch die anderen Politiker taten beim G7-Gipfel – gebe das falsche Signal: dass der Choleriker recht hat. Stattdessen dürfe ein Mitarbeiter durchaus Einhalt gebieten – etwa mit den Worten „Entschuldigung, aber so gehen Sie mit mir nicht um.“

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