Dax-Rekord: Die Sommerrally läuft – und sie ist noch nicht zu Ende
Volkswagen verkauft 50 Prozent mehr Elektrofahrzeuge, hängt Tesla bei Zulassungen von E-Autos in Europa ab und schafft im gesamten ersten Halbjahr ein Absatzplus von 1,3 Prozent. Mitten in der tristen Stimmung der Autoindustrie, die gebeutelt wird von Konjunkturschwäche, China-Konkurrenz und neuen Zöllen aus den USA, gibt es Hoffnungssignale aus Wolfsburg. Und die fallen an der Börse auf fruchtbaren Boden: VW-Aktien, die sich seit sieben Monaten über ihrem langjährigen Tief um 80 Euro halten, peilen wieder die Marke von 100 Euro an.
Überraschende Bewegung gibt es auch bei Daimler Truck. Bis 2030 will der Nutzfahrzeughersteller in Deutschland 5000 Stellen streichen und damit in Europa wettbewerbsfähiger werden. An der Börse kommt das gut an, Aktien von Daimler Truck setzen die Erholung seit dem Zoll-Crash von April mit neuer Dynamik fort.
Die gesamte Fahrzeugbranche im Dax könnte vor der Wiederentdeckung stehen. BMW profitiert von seiner umfangreichen Produktion in den USA, seiner technisch führenden Position bei elektrischen und konventionellen Antrieben – und die Aktie ist, genau wie VW und Daimler Truck, analytisch billig: Wenn die Hochrechnungen der Analysten in diesem Jahr auch nur einigermaßen aufgehen, sind die Aktien nur mit dem Zehnfachen des erwarteten Gewinns bewertet – oder weniger. Dazu gibt es üppige Dividenden. Für Anleger, die bei einem Indexrekord ohnehin auf der Suche nach noch günstigen Investments sind, kommen solche Gelegenheiten wie gerufen.
Zulieferer Continental, der vor einer kompletten Runderneuerung als Reifen-Champion steht, macht sich an, die wichtige Kurshürde bei 78 bis 80 Euro zu nehmen. BASF, immer wieder als abhängig von Öl und Gas beschrieben, kann sich immer deutlicher vom Tief bei 40 Euro lösen. Die Bewertung ist angesichts der bisherigen Gewinnaussichten nicht ganz so günstig; doch fünf Prozent Dividendenrendite sind auch nach der letztjährigen Änderung der Ausschüttung allemal drin.
Und dann ist da noch Siemens: Hier schieben gute Aufträge, die starke Position bei Digitalisierung und Automatisierung in den Unternehmen und die immer noch günstige Bewertung für einen Hightech-Wert. Der Anstieg über die Zone 220 bis 225 Euro ist ein klassisches Kaufsignal, das gut zum operativen Gewinnanstieg passt, den Siemens im laufenden Geschäftsjahr (bis 30. September) erzielen sollte. Die nächsten offiziellen Zahlen sind für den 8. August vorgesehen.
Die Wiederentdeckung klassischer Auto- und Industrieaktien und die starke Performance der bisherigen Favoriten (zu denen neben Siemens vor allem große Trendwerte wie die Allianz gehören) sind die Basis für die laufende Sommerrally. Dazu kommen die mit Spannung erwarteten Ergebnisse von SAP am 22. Juli. Sollte sich irgendetwas aus den guten Zahlen des amerikanischen Rivalen Oracle ableiten lassen, sollten auch die SAP-Ergebnisse die Aktionäre erfreuen.
Von Mai bis Juni vollzog der Dax vor dem Hintergrund von Zollstreit, Krieg im Nahen Osten und wackeligen Zinsaussichten eine zwei Monate anhaltende Konsolidierung. Im Juli könnten nun echte Zahlen und Prognosen der Unternehmen wieder für eine fundamental untermauerte Anstiegsphase führen. Die starke Performance von Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq passt dazu – die statistisch positive Juli-Entwicklung ebenso.
In drei Wochen hat der Dax fast sieben Prozent gutgemacht. Hält die Rally über den Juli an und schaffen die Börsen noch einmal einen ähnlichen Anstieg, gäbe es Luft bis auf rund 26.000 Punkte.