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Riedls Dax-RadarKurze Korrektur und Chance auf Sommerrally

Zwischen geopolitischen Konflikten, teurem Öl und vagen Zinsaussichten hält sich der Dax auf hohem Niveau. Diese Stärke ist für die nächsten Monate ein gutes Zeichen.Anton Riedl 20.06.2025 - 13:43 Uhr

Die Ankündigung Donald Trumps, in den nächsten zwei Wochen über eine mögliche Teilnahme am Krieg zwischen Israel und dem Iran zu entscheiden, führt am Ölmarkt zu einem Preisrutsch. Ein Barrel der Nordseesorte Brent, das vor Trumps Statement bis fast auf 78 Dollar gestiegen war, sackte in der ersten Reaktion auf unter 75 Dollar und pendelt sich nun um 76 Dollar ein.

Ist dieser Rückschlag nach 30 Prozent Preisaufschlag in nur zwei Monaten die entscheidende Entwarnung für Rohstoffmärkte, Aktien und Anleihen?

Für die weltweiten Börsen ist derzeit keine Preiskurve so wichtig wie die Notierung für Rohöl. Auch wenn immer wieder darauf hingewiesen wird, dass sich viele Länder längst vom Öl abgekoppelt hätten, wie die USA große Produzenten geworden seien oder wie Großbritannien oder Spanien mittlerweile umfangreiche erneuerbare Quellen erschlossen hätten, hat Öl nach wie vor eine Bedeutung. Die geht über den bloßen Einsatz als Verbrennungsmaterial hinaus: sei es als Basis für eine Vielzahl von Chemikalien, als Taktgeber für andere Energiepreise oder als Indikator für Konjunktur und allgemeines Preisniveau.

Wie eminent der Ölpreis ist, zeigt die Inflationsentspannung seit dem Jahr 2022, die sich in wesentlichen Zügen mit dem Niedergang des Ölpreises deckt. Der hat sich in dieser Zeitspanne von knapp 120 Dollar bis auf unter 60 Dollar im April halbiert. Den Sieg über die Inflation, die seitdem stattfindenden Zinssenkungen der Notenbanken und die in dieser Zeit deutlich gestiegenen Aktienkurse hätte es sicherlich so nicht gegeben, wenn sich der Ölpreis nicht halbiert hätte. Seit dem Tief am 6. Mai bei 56 Dollar, hat der Ölpreis wieder nach oben gedreht. Zunächst schrittweise, dann, nach dem Angriff Israels auf den Iran am 13. Juni, mit sprunghafter Dynamik.

Eine schnelle und nachhaltige Preisberuhigung am Ölmarkt ist derzeit wenig wahrscheinlich. Die hektischen Preisausschläge, die seit einigen Wochen stattfinden, deuten auf eine hohe Unsicherheit. Dass der Konflikt zwischen Israel, Iran und den USA schnell gelöst wird, ist ebenfalls kaum zu erwarten. Die Notierungen für Rohöl könnten sich dabei durchaus in der Bandbreite 70 bis 80 Dollar erst einmal einpendeln. Der Preisabsturz auf unter 60 Dollar indessen würde sich damit als einmaliger Ausrutscher erweisen – und die Hoffnung zahlreicher Unternehmen und Verbraucher auf nachhaltig günstiges Öl hätte sich damit in Luft aufgelöst.

BASF und RWE: Verlierer und Gewinner steigender Ölpreise

Wie direkt der Ölpreis auf die deutsche Wirtschaft und den Dax durchschlägt, lässt sich nirgends so gut ablesen wie an BASF. Als größter Chemieproduzent weltweit sind die Ludwigshafener massiv von petrochemischen Vorprodukten abhängig. Dazu sind sie der größte private Gasverbraucher Deutschlands. Parallel zum Ölpreis sind BASF-Aktien auch im April schwer abgestürzt und dabei wieder auf die langjährige Unterstützungszone um 40 Euro zurückgekommen. Seitdem läuft hier eine mühsame Stabilisierung.

Die führende Marktstellung in der Branche, die soliden Finanzen und die ansehnliche Dividende sollten BASF-Aktien durchaus stützen. Dennoch ist es kein gutes Zeichen, wenn eine Aktie in der Nähe des eigenen 15-Jahrestiefs notiert, während der allgemeine Index Dax trotz Krisen und Konflikten nur wenige Prozent von seinem Allzeithoch entfernt ist. BASF-Aktien sind erst aus dem Schneider, wenn ihnen der Anstieg über 55 Euro gelingt.

Dabei gibt es im Dax auch Unternehmen, denen die aktuelle Lage zugutekommt. Wenn die Preise für Öl und damit auch für Gas steigen, wird besonders Energie aus erneuerbaren Quellen wertvoller. Das kommt vor allem RWE zugute, dem führenden Stromproduzent Europas. Zwar spielen Gaskraftwerke für RWE immer noch eine wichtige Rolle, aber ein immer größerer Teil der Produktion stammt aus Windkraftanlagen und Solarparks. Und bei den Erträgen bringt grüner Strom schon bis zu zwei Dritteln.

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Selbst in den USA, wo RWE durch die Übernahme von Con Edison zu einem Top-Anbieter für Strom aus erneuerbaren Quellen geworden ist, ziehen die Erträge an – trotz Trumps Regierung. Und dass RWE mit dem US-Konzern Amazon eine wegweisende Kooperation über umfangreiche Stromlieferungen für das Cloud-Geschäft geschlossen hat und die renommierte Norwegische Notenbank sich mittlerweile finanziell an RWE-Projekten beteiligt, zeigt den hohen Stellenwert des Grünstrom-Portfolios der Essener.

Airbus und MTU Aero Engines mächtig im Aufwind

In der aktuell angespannten Börsenlage auffallend stark sind Flugzeugbauer Airbus und Turbinenspezialist MTU Aero Engines. Beide profitieren vom großen Comeback der Luftfahrtbranche nach den schwierigen Coronajahren und dem aktuell laufenden Boom der Rüstungsindustrie. MTU hat deshalb gerade die Prognose für das laufende Jahr heraufgesetzt.

Airbus kommt zusätzlich zugute, dass der amerikanische Konkurrent Boeing offensichtlich nach wie vor mit technischen Problemen bei wichtigen Flugzeugtypen zu kämpfen hat.

Beflügelt werden Airbus und MTU zudem durch eine vielversprechende Kooperation für den Einsatz von Wasserstoff-Brennstoffzellen in Flugzeugen. Beide Aktien, Airbus und besonders MTU, sind zwar schon gut gestiegen, bei kurzfristigen Rücksetzern aber nach wie vor interessant.

Deutsche Telekom wacklig, Beiersdorf in längerer Korrektur

Gebremst durch US-Einflüsse wird derzeit die Deutsche Telekom. Sie leidet darunter, dass ihr amerikanischer Ableger T-Mobile US durch umfangreichen Verkäufe von Großaktionär Softbank-Gründer Masayoshi Son gedrückt wird. Grund dafür ist aber eher Sons Geldbedarf für andere Investitionen als eine operative Schwäche von T-Mobile. Banken rechnen hier für das laufende Jahr weiterhin mit einem plausiblen Gewinnplus von zehn Prozent.

Billig sind T-Mobile-Aktien mit einer Gewinnbewertung um 20 nicht. Ein tendenzieller Abbau dieser Bewertung ist in den nächsten Wochen damit durchaus möglich. Das könnte dann auch die schon begonnene Korrektur der Telekom-Aktie etwas verlängern. Ein Rückgang in den Bereich 28 bis 27 Euro ist durchaus möglich, hier verläuft der seit 2020 bestehende Aufwärtstrend.

Auffallend schwach sind derzeit Beiersdorf-Aktien. Auslöser der jüngsten Kursverluste waren Herabstufungen durch Analysten. Die Banker fürchten vor allem einen rückläufigen Konsum. Die seit jeher überdurchschnittlich hohe Bewertung von Beiersdorf wird damit zusätzlich zu einem Risiko. Zwischen 145 und 125 Euro hat die Aktie eine klassische Wende nach unten vollzogen. Seitdem läuft eine mittelfristige Korrektur, die im Bereich um 105 Euro nun auf den langfristigen Trend treffen wird, der immerhin schon seit dem Asiencrash von 1998 läuft.

Für den Dauerläufer Beiersdorf sind Korrekturen dieser Art nicht ungewöhnlich. Wie von 2019 bis 2022 können sie durchaus zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Kurzfristig kommt es nun darauf an, ob sich die Aktie im Bereich 100 bis 110 Euro stabilisiert. Dass auch Konkurrent Henkel seit einiger Zeit unter Druck stehen, mahnt dabei eher zur Vorsicht.

Bayer: Wende-Wette nach zehn Jahren Baisse

Kein Dax-Unternehmen hat sein Schicksal so eng mit den USA verknüpft wie Bayer. Mit der Übernahme des amerikanischen Agrarchemikers Monsanto und dessen umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat begann für die Leverkusener eine Leidensgeschichte, die in der Spitze zu mehr als 80 Prozent Kursverlust führte. Der zweimalige Tiefentest der Aktie knapp unter 20 Euro und der nachfolgende Anstieg auf über 25 Euro sind jedoch wichtige Erholungssignale.

Dahinter steht die Hoffnung, dass es in absehbarer Zukunft möglicherweise zu einer Entscheidung im langjährigen Glyphosat-Streit kommen könnte. Dabei wäre es für die Börse schon ein Vorteil, wenn sich damit überhaupt die noch offenen finanziellen Belastungen quantifizieren ließen. Nicht einfach allerdings ist dafür derzeit das Umfeld in den USA unter dem neuen Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr., der sehr kritisch zu Glyphosat steht.

Unabhängig von der juristischen Auseinandersetzung kommt Bayer derzeit vor allem bei seiner finanziellen Gesundung voran. Die Nettoschulden, die in der Spitze auf über 37 Milliarden Euro angestiegen waren, könnten bis Ende dieses Jahres auf 32 Milliarden oder weniger abgebaut werden. Und durch die letztjährigen Abschreibungen von zusammen mehr als fünf Milliarden Euro bei den beiden neuralgischen Bilanzposten Firmenwerte und immaterielle Werte hat Bayer spürbar Risiken aus der Bilanz genommen.

Halten sich Bayer-Aktien in den nächsten Wochen über 25 Euro, wäre dies ein gutes Zeichen. Wenn nicht, könnte es noch einmal zwischen 20 und 25 zu einem weiteren Tiefentest kommen. Insgesamt aber läuft bei Bayer seit Herbst 2024 der wohl ernsthafteste Versuch, nach zehn Jahren Baisse einen Kursboden zu finden.

Fazit für den Dax: Über den Ölpreis ist der Krieg im Nahen Osten neben der US-Zollpolitik derzeit der wichtigste Taktgeber für die kurz- bis mittelfristigen Schwankungen an den Finanzmärkten. An den langfristigen Trends hat sich dadurch bisher nichts geändert. Auch wenn die Notenbank Fed bei ihrer jüngsten Sitzung die Prognosen für das Wachstum etwas zurückgenommen hat, mit leicht erhöhter Inflation rechnet und deshalb die Zinsen noch nicht gesenkt hat, ist die US-Wirtschaft nach wie vor in einer Aufwärtsbewegung. In Europa und Deutschland sieht es dank staatlicher Investitionen und anziehenden Stimmungsindikatoren weiterhin nach einer leichten Erholung 2025 und anziehender Dynamik 2026 aus. Kommt es zu keiner massiven Eskalation im Nahen Osten, sollte sich an diesem Basisszenario für die Märkte nichts ändern.

Der Dax ist zwar zuletzt unter das Niveau der März-Spitzen von gut 23.300 Punkten gerutscht, im Bereich um 23.000 jedoch kommt es wieder vermehrt zu Käufen. Wichtige Dax-Aktien wie die Telekom, Allianz oder auch SAP legen derzeit eine Pause ein; dafür sind Airbus und MTU stark, RWE und sogar Bayer zeigen deutliche Erholungstendenzen.

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Noch immer notiert der Dax weit oberhalb seiner 200-Tagelinie, die derzeit bei 21.143 Punkten verläuft und stabil nach oben zieht. Diese Konstellation ist typisch für einen sehr starken Aktienmarkt. Natürlich kann darin auch ein Signal für eine womöglich heiß gelaufene Börse stecken. Doch gefährlich für die Kurse wird es erst, wenn hier zwei Dinge zusammenkommen: ein Rückfall des Dax auf oder unter die 200er-Linie und ein gleichzeitiges Absinken dieses Durchschnitts.

Von einer solchen, gefährlichen Konstellation ist der Dax aber trotz Kriegen und Handelskonflikten weit entfernt. Selbst bei einer Ausweitung der Korrektur in den Bereich 23.000 bis 22.000 Punkten könnte es danach noch immer zu einer Sommerrally kommen.

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