Jobs im Zeitalter künstlicher Intelligenz: Rechtsanwältin für Bäume – sieht so wirklich die Zukunft aus?
Mit der Einführung von ChatGPT 2022 bekam das Berufsfeld des Prompt Engineers erhebliche Bedeutung. Einige sahen in ihm den Job der Zukunft. Das „Wall Street Journal“ berichtete, dass die Spezialisten für Chatbots ein Jahresgehalt von bis zu 200.000 US-Dollar fordern könnten. Doch keine drei Jahre später liegt die Nachfrage nach den Arbeitskräften bei nahezu null.
Wie also könnten tatsächliche Berufe der Zukunft aussehen? Diese Frage hat sich auch das Jobnetzwerk Xing gestellt. Zusammen mit dem Trendbüro München hat Xing 30 Jobprofile der Zukunft „fantasiert“. Herauskam ein Querschnitt aus jeglichen Branchen. Davon lassen sich zwei Trends ableiten: Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz.
Wer nun hofft, dass KI künftig die Arbeit macht, liegt falsch. So geht das Gedankenspiel zwar davon aus, dass KI bei der Pflege unterstützen kann, indem sie Herzinfarkte oder Einsamkeit früh erkennt. Waschen, Verbände wechseln und Betreuung wird aber wohl in den kommenden fünf bis 15 Jahren weiter von Menschen erledigt.
„Wir sehen bereits jetzt, dass einige Berufe unter Druck geraten – primär durch den Einsatz von KI. Historisch sind in solchen Phasen immer auch neue Jobrollen entstanden, die dann auch die Produktivität erhöhen“, erklärt Julian Stahl, Ökonom und Arbeitsmarkt-Experte bei Xing. Besonders betroffen seien Bürojobs.
Streitschlichter für Mensch und Maschine
KI kann mittlerweile weitaus mehr, als sich noch vor Jahren erwarten ließ. Oder hätten Sie gedacht, dass Sie sich mal mit einem Chatbot streiten, weil er falsche Informationen liefert? Nein? Und doch kommt es mittlerweile vor. Und genau hier setzt ein neues Jobprofil von Xing an: der „Human Machine Mediator“.
Eine Art Streitschlichter zwischen Mensch und Maschine. Weniger Frust und mehr Akzeptanz, das soll der Human Machine Mediator leisten. Beim Tennisturnier in Wimbledon hätte er in diesem Jahr Arbeit gefunden – als es Zoff um einen KI-Linienrichter gab.
In eine ähnliche Richtung geht der Digital Peacekeeper – die Jobbeschreibung klingt in etwa wie die der Friedenswächter aus der Buchreihe „Tribute von Panem“. Denn die Friedenswächter sollen für Ruhe und Ordnung sorgen – also wie der Name schon sagt, den Frieden wahren. Und das soll auch der Digital Peacekeeper. Eben nur nicht in den Distrikten des fiktiven Land Panems, sondern im Internet. Dort sollen sie die gesellschaftliche Polarisierung durch gezielte Maßnahmen gegen Desinformation und Diskriminierung bekämpfen.
Neben digitalen Themen spielt bei den 30 Zukunftsjobs auch die Umwelt und der Klimawandel eine große Rolle. So sprechen die Experten von Xing von Umwelt-Sanierungs-Technikern, die mit Pilzen und Insekten menschengemachte Umweltverschmutzungen abbauen können, und von Natur-Rechtsanwälten, die Pflanzen und Tiere juristisch vertreten.
„Der Klimawandel geht nicht an uns vorbei. Deshalb liegt die Annahme nahe, dass sich in Zukunft viele Berufe mit den Themen Nachhaltigkeit und Umwelt beschäftigen werden“, erklärt Arbeitsmarkt-Experte Stahl.
Arbeitsmarkt ist im Wandel
Ob es sich bei den herausgearbeiteten Jobprofilen um Zukunftsfantasien handelt oder ob sie es sie später doch tatsächlich geben wird, bleibt abzuwarten. So gibt es in der Liste reale Jobs, aber auch einige skurrile neue Berufsfelder.
Sicher ist: Der Arbeitsmarkt ist im Wandel. Jobs wie etwa von einfachen Entwicklern verschwinden langsam vom Markt. Während in anderen Bereichen der demografische Wandel den Fachkräftemangel verschärft.
Doch liebe Führungskräfte, ihr brauchen keine Angst zu haben. Das Thema menschliche Führung bleibt auch in Zukunft wichtig. Arbeitsmarkt-Experte Stahl erklärt: „Prozesse können durch Technologien ersetzt werden, menschliche Fähigkeiten wie emotionale Intelligenz aber so gut wie nicht.“