Volkswagen: Porsche-Chef ist kein Zwei-Tage-Job

Erinnern Sie sich noch an den letzten Sommer, als Thomas Schäfer, Chef der Marke VW, mit einer Blut-, Schweiß- und Tränen-Rede für Schlagzeilen sorgte? „The roof is on fire“, sagte er vor seinen Managern – das VW-Dach brenne lichterloh. Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr, die der Konzern heute bekanntgab, scheinen zu zeigen, was dieses Feuer übriggelassen hat. Das operative Ergebnis des Konzerns brach um 33 Prozent ein. Die Wolfsburger müssen ihre Gewinnprognose für 2025 kassieren.
Bei genauerem Hinsehen stellt man allerdings fest, dass das Feuer bei Schäfers Marke VW gar nichts gegen die Brände ist, die unter den Dächern von Porsche und Audi lodern. Die beiden Premiummarken sind die eigentlichen Sorgenkinder des Autobauers, nicht das Volumengeschäft der Marken VW, Seat/Cupra und Škoda. Mit 740 Millionen Euro lieferte etwa Škoda das beste Quartalsergebnis in der Geschichte der Marke ab – wie auch bei der Marke VW nicht zuletzt dank beeindruckend starker E-Auto-Verkäufe.
Škoda führt Porsche vor
Škoda ist nun mehr als doppelt so profitabel wie der Unternehmensbereich „Progressive“, der von Audi dominiert wird (3,3 Prozent Umsatzrendite) und lässt sogar den Porsche-Unternehmensbereich „Sport Luxury“ (5,2 Prozent) alt aussehen.
Verkehrte Welt. Traditionell waren Audi und Porsche die wichtigsten Ertragssäulen des Konzerns, jetzt müssen die beiden Edelmarken aufpassen, dass sie nicht in die roten Zahlen rutschen. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres schmolz die Umsatzrendite bei „Sport Luxury“ um 21 Prozent ab, in diesem Jahr sind es 72 Prozent. Wenn der VW-Konzern in seiner heutigen Form gerettet werden soll, müssen schnellstens die Brände bei Audi und Porsche gelöscht werden.
Gelöscht wird montags und freitags
Bei Audi wirbelt CEO Gernot Döllner, macht sich mit seinen Umtrieben Feinde an vielen Fronten. Ob er damit auf dem richtigen Kurs ist, muss sich noch zeigen. Aber immerhin, er wirbelt. Verdächtig ruhig dagegen geht es bei Porsche zu. Kritisiert wird die Tochter im Konzern meist nur hinter vorgehaltener Hand, denn – Achtung! – wer Porsche kritisiert, der kritisiert auch Konzernchef Oliver Blume, weil er in Personalunion beide Unternehmen leitet. The roof ist on fire? Und wie. Aber lieber nicht darüber sprechen.
Brände haben aber leider nicht die Eigenschaft, einfach wegzugehen, nur weil man den Blick abwendet. Porsche braucht an der Spitze einen Warner wie Schäfer und zugleich einen Wirbler wie Döllner. Es gehört die gesamte Porsche-Strategie auf den Prüfstand. Weil es die Strategie von Blume war, stellt sich die Frage, ob er nun der richtige Aufräumer sein kann. Dienstag bis Donnerstag regiert er den Konzern, Montag und Freitag die Tochter Porsche. Wenn die aktuellen Zahlen eines zeigen, dann das: Blume muss schnell der Forderung des Kapitalmarkts nachkommen und sich auf VW konzentrieren. Falls die Porsche-Leitung überhaupt mal ein Zwei-Tage-Job gewesen sein sollte, sind diese Zeiten nun für alle sichtbar vorbei.
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