Stada: Woran der Börsengang von Stada wirklich gescheitert ist
Das 1895 gegründete Pharmaunternehmen aus Bad Vilbel in Hessen ging 2017 für 5,3 Milliarden Euro an die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven. Zwei Jahre später folgte das Delisting, die Aktie wurde aus dem regulierten Börsenhandel genommen. Im April dieses Jahres war ursprünglich die Rückkehr an die Börse vorgesehen. Das Vorhaben wurde allerdings kurzfristig abgeblasen, wegen der turbulenten Marktlage rund um Donald Trumps „Liberation Day“.
Das Geschäft von Stada wäre zwar kaum von US-Importzöllen betroffen. Weniger als drei Prozent des Jahresumsatzes von zuletzt 4,1 Milliarden Euro entfallen auf die USA. Stada erzielt 85 Prozent seiner Erlöse auf europäischen Märkten. Der Rückzieher war trotzdem verständlich: Wenn die Börse insgesamt leidet, schwindet die Kaufbereitschaft der Investoren und die Emittenten bekämen ihre Aktien, wenn überhaupt, nur unter hohen Preiszugeständnissen bei Investoren unter.
Börsengang vom Tisch
Die Börsen haben sich inzwischen allerdings gefangen. Nach der Präsentation sehr ordentlicher Halbjahreszahlen am 28. August stellte Stada-Chef Peter Goldschmidt daher einen neuen Anlauf aufs Parkett in Aussicht. „Wir bereiten einen Börsengang im Herbst vor, sofern die Rahmenbedingungen stimmen“, erklärte er.
Goldschmidt hätte das wohl nicht gesagt, hätte er da schon gewusst, dass nur wenige Tage danach eine Vollzugsmeldung anderer Art kommen würde: Die Mehrheit an Stada geht an CapVest Partners. Die Londoner Private-Equity-Firma, durchaus mit Expertise im Gesundheitsbereich, werde rund 70 Prozent an Stada übernehmen, wird in Finanzkreisen vermutet.
Die bisherigen Gesellschafter Bain Capital und Cinven bleiben mit einer Minderheit an Bord. Das sagen sie selbst. Da sich kein Finanzinvestor in die Karten schauen lassen mag, wurde über den Kaufpreis natürlich Stillschweigen vereinbart. Der Börsendienst Bloomberg brachte eine Bewertungssumme von zehn Milliarden Euro plus Schulden in Umlauf.
Schulden fressen operative Gewinne
Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, dass es bis auf Weiteres nichts wird mit dem Börsengang. Bain Capital und Cinven haben, zusammen mit dem Management, einen guten Job gemacht: Sie haben Stada umgebaut, von einem auf den deutschen Markt konzentrierten Generikahersteller zu einem breiter aufgestellten Gesundheitskonzern mit internationaler Präsenz und Fokus auf die Bereiche Consumer Healthcare, Generika und Spezialpharmazeutika. Unter ihrer Regie stieg der Umsatz um durchschnittlich neun Prozent pro Jahr. Das operative Ergebnis vor Wertberichtigungen (Ebitda) hat sich seit dem Einstieg der Finanzinvestoren mehr als verdoppelt, auf zuletzt 840 Millionen Euro.
Auf den zweiten Blick schreibt Stada allerdings unterm Strich Verluste. Im Gesamtjahr 2024 waren es 125 Millionen Euro, im ersten Halbjahr 2025 etwas mehr als 100 Millionen Euro. Der Grund liegt im negativen Finanzergebnis. Private-Equity-Firmen kaufen sich vor allem mit Fremdkapital ein und packen die Schulden dann in ihre Beteiligungen. Zum 30. Juni betrugen die Nettofinanzverbindlichkeiten von Stada rund 5,5 Milliarden Euro. Das entspricht etwa dem 6,6-fachen Ebitda und ist alles andere als ein solider Wert. Das Eigenkapital ist gar negativ, mit knapp 1,6 Milliarden Euro.
Zum Vergleich ein Blick in die Stada-Bilanz von 2017: Dort wurden noch eine Milliarde Euro Nettofinanzverbindlichkeiten und eine Eigenkapitalquote von 31,4 Prozent ausgewiesen. Und da der langfristige Zinstrend nach oben gedreht hat, werden sich die Finanzierungsbedingungen vor allem für hoch verschuldete Unternehmen nicht grundsätzlich verbessern.
Die schwache Finanzsituation vieler Börsenkandidaten dürfte letztlich der Hauptgrund dafür sein, dass Investoren abwinken und es für Private-Equity-Firmen immer schwieriger wird mit einem Ausstieg über die Börse. Investoren fressen ihnen nicht mehr aus der Hand: Eine gut aufbereitete Wachstumsstory allein reicht nicht mehr. Das zeigt der Fall Stada.
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