Klarna-Börsengang: Torschlusspanik bei den Klarna-Investoren?
Bereits im März wurde vom bevorstehenden Börsengang von Klarna berichtet. Jetzt, ein halbes Jahr später, soll es für den Zahlungsdienstleister so weit sein. Mit einer angestrebten Bewertung von 14 Milliarden Dollar hat das Fintech seine Erwartungen eine Milliarde tiefer angesetzt, als zuvor berichtet. Ist das schlimm? Kommt auf den Blickwinkel an.
Wird das Unternehmen seine 34,3 Millionen Aktien für einen Preis am oberen Ende der angepeilten Spanne von 35 bis 37 Dollar pro Stück los, könnte der IPO 1,27 Milliarden Dollar einbringen. Doch: Die bei der Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen legen nahe, dass nur 205 Millionen Dollar bei Klarna verbleiben sollen. Der Rest soll an bestehende Investoren gehen. Das legt den Schluss nahe, dass vor allem sie darauf drängten, den Schritt an die Börse zu wagen.
Den ersten Anlauf hatte Donald Trump vereitelt. Mitte April, kurz nach dem Beginn des von den USA ausgehenden Zollkriegs, legte der Nvidia-Schützling CoreWeave bei seinem Börsengang eine Bauchlandung hin. Kurz danach wurden Gerüchte laut, Klarna habe daraufhin seine Börsen-Ambitionen auf Eis gelegt. Darauf angesprochen, hieß es vom Unternehmen nur knapp: „Wir haben nichts mitzuteilen“.
Zumindest im Vergleich zu damals ist die heutige Marktsituation besser. Der S&P-500-Index hat die April-Scharte ausgeglichen und zeigt trotz geringer Verluste weiterhin einen positiven Trend:
Allerdings steht die aktuelle Lage am Aktienmarkt auf tönernen Füßen. Während Trumps Zölle demnächst vor dem Obersten Gerichtshof der USA landen könnten, ist weiterhin unklar, ob Zollabkommen wie das mit der EU schlussendlich umgesetzt werden. Die im April entfachte Unsicherheit in der Weltwirtschaft hält damit an.
Darüber hinaus hat der US-Präsident mit seinem großen Steuergesetz – welches die US-Schulden anheizen dürfte – und seinen Angriffen auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed an den Finanzmärkten für zusätzlichen Aufruhr gesorgt. Alles in allem könnte die Investorenstimmung also bald wieder kippen.
Klarna: Steiles Wachstum mit Abstrichen
Für Klarna heißt das: Die Lage bleibt an den Märkten bleibt unsicher. 20 Jahre nach dessen Gründung gilt das schwedische Unternehmen weiter als Fintech – ein Start-up also. Zumindest so in etwa. Den vorläufigen Halbjahreszahlen zufolge hat Klarna bis Ende Juni 2025 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet, 200 Millionen mehr als noch im Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig wird in den Q2-Zahlen mit einem rasanten Geschäftswachstum geworben. Bei der Anzahl der Händler, die den Kauf-jetzt-zahl-später-Service nutzen, steht demnach ein Plus von 34 Prozent. Bei den Kunden waren es 31 Prozent mehr als im Vorjahresquartal – ihre Anzahl klettert auf satte 111 Millionen.
Solch rasantes Wachstum klingt sehr nach Start-up, das Ergebnis aber ebenso: 53 Millionen Dollar Verlust im Quartal, 152 Millionen Dollar Verlust im Halbjahr. Im Vorjahr wurde mit einer Million Dollar und 31 Millionen Dollar noch deutlich weniger Geld verbrannt.
Entscheidend für den Erfolg des Klarna-Börsengangs wird sein, ob der Markt die Wachstumsgeschichte kauft oder nicht. Mit dem Ausbau des Geschäfts und den Ambitionen, eine eigene Kreditkarte auszugeben und damit den Weg zur Neobank zu beschreiten, gibt sich Klarna zumindest augenscheinlich alle Mühe.
Dass es am Ende doch anders kommen kann, zeigt der Fall Stada. Auch der Pharmahersteller wollte vor Kurzem nach intensiver Vorbereitung den Schritt aufs Parkett wagen. Doch daraus wurde nichts. Statt eines Börsengangs wurde das Unternehmen an einen Finanzinvestor verkauft.
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