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Martin BlessingKann dieser Ex-Banker den Standort retten?

Der ehemalige Chef der Commerzbank soll für den Kanzler internationale Investoren von Deutschland überzeugen. Alleine kann er das nicht schaffen. Aber eine Chance hat er verdient. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Max Haerder 23.09.2025 - 08:28 Uhr aktualisiert
Martin Blessing neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Foto: Andreas Gora/dpa

Was alles nicht funktioniert in diesem Land, das weiß Martin Blessing bestens. Im vergangenen November gab er dem Fachblatt für gehobenes Deutschland-Bashing, der „Neuen Zürcher Zeitung“, ein Interview. Der Ex-Chef der Commerzbank ließ sich nicht lang bitten bei der Aufzählung von Mangelerscheinungen: beim Wachstum Schlusslicht, Stimmung im Keller, die Leute zu oft krank, außerdem zu unproduktiv. Und die Regierung? Habe die Wirtschaft nach Kräften bevormundet. Da war die Ampel gerade einmal wenige Tage Geschichte.

Nun hat derselbe Martin Blessing, bisher hauptamtlich Aufsichtsrat der dänischen Danske Bank, die Aufgabe übernommen, eben diesen Standort international als heißen Kandidaten für einen turnaround zu verkaufen. So schnell kann’s gehen. Vor nicht allzu langer Zeit spielte er mit seiner Familie „Trivial Pursuit“, als er einen Anruf von Friedrich Merz bekam: Ob er nicht dessen persönlicher Beauftragter für Investitionen werden wolle? Er wollte.

Blessing ist jetzt eine ganz neue Art von Bundes-Banker. Des Kanzlers Mann für den Standort. Chief Investment Officer und Ein-Mann-Mischung aus Botschafter, Netzwerker, Türöffner und Geschichtenerzähler.

Investitionsförderung

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Genau das zuallererst, ein Geschichtenerzähler: Das Wort von der „equity story“ geistert schon länger durchs Kanzleramt, was allein schon als Beweis dafür dienen darf, dass dort kein Sozialdemokrat mehr das Sagen hat, sondern ein Christdemokrat mit Blackrock-Biografie. Merz ist angetreten, um erst bessere Stimmung und dann wieder Wachstum zu verbreiten; er hat dafür erste Reformen durchgebracht und bereits öffentlichkeitswirksam mehrere Dutzend CEOs deutscher Konzerne im Kanzleramt empfangen.

Was weit weniger auffiel: Auch mit Chefs internationaler Fonds und global agierenden Investoren hat der Kanzler sich bereits getroffen. Er glaubt, dass das Chaos in den USA eine günstige Gelegenheit für Deutschland bieten könnte. Investoren suchen Sicherheit, Vertrauen, Stabilität – all das kann dieses Land durchaus noch immer bieten.

So in etwa könnte sie klingen, die Story.

Ein Vorbild namens Macron

Merz und sein Team wollen auf diesem Weg wieder mehr ausländisches Kapital in die Bundesrepublik leiten, das ist das erklärte Ziel. Man schaut mit leichtem Neid und Bewunderung auf den Prunk, mit dem Emmanuel Macron die mover and shaker der Business-Elite Jahr für Jahr nach Versailles bittet. So etwas Ähnliches soll es 2026 auch in Deutschland geben. Ohne Schloss versteht sich, dafür eben nun mit tatkräftiger Mithilfe von Martin Blessing.

Es ist ein Ehrenamt, tatsächlich ein Ein-Euro-Job. Wie passend. Es handelt sich bei dieser Aufgabe schließlich fürs Erste um lupenreine Symbolik, aber Achtung: Symbolpolitik kann sehr wirksam werden. Mit Betonung auf kann.

Substanz frisst Show zum Frühstück. Soll heißen: Kommt die große Koalition in diesem Herbst nicht vom Fleck, verkämpft sie sich zwischen Bürgergeld, Renten-Hickhack oder Bürokratie-Paragrafen, hilft kein Adressbuch dieser Welt, und sei es das von Martin Blessing. Aber umgekehrt gilt eben auch: Falls die Summe der wirtschaftspolitischen Entscheidungen in den kommenden Monaten Sinn ergibt, wird Blessing dieses Kapital sicher ordentlich verzinsen können.

Beim „Trivial Pursuit“, so viel sei noch verraten, hat er am Abend des Kanzleranrufs übrigens nicht gewonnen. Nun beginnt ein neues, ein größeres Spiel.

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