Report mit Fehlern: „Menschliches Intelligenz-Problem“: Deloitte muss Australien Geld zurückzahlen
Künstliche Intelligenz (KI) macht das Berufsleben leichter. Fasse mir dies zusammen, rufe mir dazu sämtliche Gerichtsurteile auf, formuliere mir das im Stile von Richard David Precht oder Angela Merkel. Oft funktioniert das ganz gut. Und ist schnell unauffällig eingearbeitet in Präsentationen, Briefings, Reports. Der Anteil der KI? Nicht der Rede wert. Dumm dann, wenn die KI Fehler macht, die dem Menschen nicht auffallen oder egal sind.
Das ist jetzt dem Beratungsunternehmen Deloitte in Australien zum Verhängnis geworden. Dieses hatte für umgerechnet rund 250.000 Euro einen Auftrag der australischen Regierung bekommen, es ging um Jobsuchende im Sozialsystem. Der Bericht enthielt jedoch zahlreiche Fehler, teilweise produziert von regenerativer KI. Nach der Veröffentlichung kam heraus: Da war KI am Werk, die nicht-existente wissenschaftliche Belege und falsche Zitate aus einem Gerichtsurteil einbaute.
Deborah O’Neil, Senatorin der australischen Labor-Partei, warf Deloitte vor, ein „menschliches Intelligenz-Problem“ zu haben. Ein Einwand, den schon Ex-Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier 2019 auf dem von der WirtschaftsWoche ausgerichteten Gipfeltreffen der Weltmarktführer vorbrachte. Gefragt, ob er KI im Ministerium einsetze, antwortete Altmaier, unterbrochen von Gelächter, er wäre „ja schon sehr zufrieden, wenn’s mit der natürlichen“ klappen würde.
Nun ja, die Mischung macht’s wohl. Einer Befragung des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen zufolge ist für 87 Prozent der Consultingfirmen KI Standard. Am häufigsten setzen sie sie für Wissensmanagement und Recherche ein.
Der mittelschwere Fauxpas von Deloitte in Australien war als erstes einem Universitätsprofessor aus Sydney aufgefallen. Er sprach von „Halluzinationen“ der KI, Missinterpretationen und gewagten Annahmen, nicht durch Fakten belegt. Ende August berichtete die Zeitung „Australian Financial Review“ über die Fehler. Das zuständige Arbeitsministerium, für das Deloitte tätig war, nahm den Bericht daraufhin von seiner Webseite. Seit vergangenem Freitag steht dort die korrigierte Version.
Deloitte räumte die Fehler ein, nicht jedoch, dass die KI sie verursacht hatte. Sowohl das Ministerium als auch das Unternehmen teilten mit, die grundsätzlichen Befunde und Vorschläge in dem Bericht seien von den Korrekturen nicht betroffen.
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