Preisfrage: Der Preis der ewigen Jugend
Morgens, noch halb verschlafen, tropfen viele ein paar Milliliter flüssiger Hoffnung auf die Haut. Öl, Serum, Creme – alles, was das Altern ein wenig aufhalten soll. Anti-Aging ist längst Routine: Kaum ein Badezimmerregal ohne Tiegel oder Fläschchen, die Falten glätten oder die Haut straffen sollen.
Der Kampf gegen Falten ist ein Milliardengeschäft. Weltweit soll der Markt für Anti-Aging-Produkte laut Schätzungen bis 2032 auf mehr als 77,4 Milliarden Dollar wachsen. Kaum ein Kosmetiksegment boomt so stark. In Deutschland vertrauen laut einer Befragung des Instituts für Demoskopie (IfD) rund 7,6 Millionen Frauen darauf – sie greifen mindestens einmal die Woche zu Anti-Aging-Produkten.
Die Auswahl an Anti-Aging-Wirkstoffen ist groß. Zu den bekanntesten zählt Coenzym Q10, das als Radikalfänger Zellschäden vorbeugen und so den Alterungsprozess verlangsamen soll. Besonders wirksam gilt Vitamin A in Form von Retinol: Zahlreiche Studien zeigen, dass es die Zellerneuerung anregt und die Produktion von Kollagen stimuliert, wodurch Falten gemildert und die Hautstruktur verbessert werden können.
Auch Antioxidantien wie Vitamin C und E gelten als Schutzschild gegen freie Radikale und sollen zu einer gleichmäßigeren und widerstandsfähigeren Haut beitragen. Hyaluronsäure hingegen bindet Wasser und kann so die Hautoberfläche kurzfristig glätten und aufpolstern, während Kollagenpräparate vor allem für mehr Geschmeidigkeit sorgen sollen – ihre Wirkung bleibt allerdings meist an der Oberfläche.
Naturkosmetik als Alternative
Wer auf synthetische Inhaltsstoffe verzichten möchte, greift häufig zu Naturkosmetik. Hier kommen pflanzliche Alternativen wie Bakuchiol zum Einsatz. Der Stoff gilt als „natürliches Retinol“ und soll die Haut glätten, ohne sie zu reizen. Auch pflanzliche Öle und Extrakte mit antioxidativen Eigenschaften spielen eine wichtige Rolle – sie setzen weniger auf schnelle Effekte, sondern auf langfristige Pflege und Unterstützung der Hautfunktion.
Naturkosmetik unterscheidet sich von konventioneller Kosmetik vor allem in der Zusammensetzung. Zertifizierte Marken verzichten auf synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe, ebenso auf Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte. Stattdessen setzen sie auf pflanzliche Öle, Wachse und Extrakte – also Rohstoffe, die natürlichen Ursprungs sind und möglichst schonend verarbeitet werden. Auch synthetisch hergestellte Wirkstoffe wie klassisches Retinol sind in echter Naturkosmetik tabu.
Allerdings ist der Begriff Naturkosmetik nicht geschützt – quasi jede Marke kann sich damit betiteln. Eine Orientierung bieten daher bestimmte Siegel: Das COSMOS/BDIH und das COSMOS/Ecocert-Siegel, das NATRUE-Siegel oder das Icada-Siegel sind auf zertifizierten Kosmetikprodukten zu finden.
Das Icada-Siegel beispielsweise zählt zu den neueren international anerkannten Zertifikaten für einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit Naturkosmetik. Unternehmen, die es tragen, müssen eine klar naturorientierte Philosophie in ihrer gesamten Produktentwicklung und Firmenkultur nachweisen. Pflanzliche Inhaltsstoffe sollen möglichst aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Tierische Bestandteile sind nur in begrenztem Umfang erlaubt – etwa Honig, Milch oder deren Derivate.
Hohe Preise durch hohe Anforderungen
Solche Anforderungen führen oftmals auch zu höheren Preisen, besonders im Vergleich mit Drogerieprodukten. Auch das Bakuchiol Boost Öl-Serum von der Naturkosmetikmarke Jolu trägt das ICADA-Siegel. Für 30 Milliliter des Anti-Aging-Serums, das eine glattere Haut und jugendlichen Glow verspricht, werden 37,90 Euro fällig.
Die Kosten für die eingesetzten Rohstoffe liegen bei etwa 2,02 Euro. Neben Bakuchiol als Hauptwirkstoff enthält das Serum weitere pflanzliche Öle sowie Vitamin E. Produziert wird in kleinen Chargen: Die Öle werden kalt vermischt, anschließend abgefüllt, etikettiert und geprüft. Für Verpackung und Abfüllung fallen dabei rund 3,34 Euro an.
Versandmaterialien und Transaktionsgebühren – etwa für Zahlungsdienstleister wie PayPal – schlagen mit 2,68 Euro zu Buche. Den größten Anteil macht jedoch der Bereich Marke, Betrieb und Ergebnis aus: Rund 23,81 Euro beziehungsweise knapp drei Viertel des Nettoverkaufspreises entfallen auf Marketing, Gehälter, Mieten, Tests, Zertifizierungen und den Unternehmerlohn. Hinzu kommt schließlich noch die Mehrwertsteuer von 6,05 Euro.
Der Preis spiegelt also nicht allein die Kosten für die Inhaltsstoffe wider, sondern vor allem den Aufwand, der in Entwicklung, Herstellung und Vermarktung steckt.
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